Smarte Services können in der Gesundheitsprävention durchaus hilfreich sein. Das Thema Datenschutz ist in dem Zusammenhang stets umstritten. Dabei sind Apple oder Google längst in der Lage, auch ohne eine spezielle Corona-Warn-App detaillierte Bewegungsprofile ihrer Smartphone-Nutzer zu erstellen.

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
von Rolf Schwartmann

Auch in Zeiten von Corona steht der Herzinfarkt auf Platz eins der Todesursachen weltweit. Um die Risiken in den Griff zu bekommen, kommt es auf seine Früherkennung an. Apple will dazu einen Beitrag leisten und hat schon im letzten Jahr mit der Universität Stanford eine Studie mit 400.000 Personen durchgeführt.

Der Pulssensor der Apple Watch ist danach in der Lage Herzrhythmusstörung, speziell Vorhofflimmern, zuverlässig zu erkennen. Bei Tests stellte die smarte Uhr das Blut im Handgelenk in ein Verhältnis zu Puls und Herzrhythmus. Bei Unregelmäßigkeiten warnte sie. Das kam bei 0,5 Prozent der Teilnehmer vor; ein gutes Zeichen, weil die Uhr sich tatsächlich auf die relevanten Fälle zu beschränken scheint.

Persönliche Aufenthaltsorte können kaum noch vertuscht werden

Es wird aber auch berichtet, dass es wirksamen Datenschutz über den eigenen Aufenthaltsort bald kaum mehr gebe. Das liegt an Bewegungsprofilen aus Daten, die wir hinterlassen. Sogenannte Audio Beacons, also kleine, in Alltagsgegenständen verbaute Empfänger, erfassen Mobilfunkdaten und zunehemend Gesichter.

Kombiniert man sie mit den Aufzeichnungen von Überwachungskameras entstehen umfassende Bewegungsbilder. Selbst das Abschalten der Ortungsdienste schützt oft nicht. Smarte Fernseher können über den Ton unhörbar Signale mit dem Standort des Fernsehers an Smartphones senden.

Auf den Ortungsdienst kommt es dann nicht mehr an. Die gewollte und transparente Gesundheitskontrolle durch smarte Technik ist ein Segen. Wenn wir aber nicht mehr wissen, welches Gerät wir abschalten müssen, wenn wir sie nicht mehr wollen, wird sie zum Fluch.

Datengiganten sind für Roll-out der Corona-App notwendig

Vor diesem Hintergrund muss man das Angebot von Apple und Google zur Lieferung einer datenschutzneutralen Schnittstelle für eine Corona-Warn-App betrachten. Seit Ende April liegt die Betaversion einer gemeinsamen Schnittstelle von Apple und Google vor, die in die Betriebssysteme iOS und Android integriert werden.

Man braucht die Datengiganten, um die in Deutschland unter Federführung von Telekom und SAP entwickelte App in die Fläche zu bekommen. Die US-Konzerne beteuern mit der verwendeten Technik und dem Verfügbarmachen der Schnittstelle keinerlei Daten für sich abzuzweigen. Alles spiele sich so gut wie anonym auf den Endgeräten ab, ohne Einblicke für die Dienste oder irgendwen sonst. Apple und Google machen die Technik transparent und eröffnen die notwendigen Einblicke in die Programmierung zur Überprüfung durch staatliche Einrichtungen und kundige private Beobachter, wie den Chaos Computer Club.

Apple und Google sammeln bereits Bewegungsdaten auf anderen Wegen

Es ist glaubhaft, dass Apple und Google aus einer Warn-App keinerlei Daten erheben, verarbeiten und auswerten. Warum auch, wenn jedes Smartphone Apple und Google unabhängig von der App, sozusagen auf der Parallelspur ohnehin ein lückenloses Bewegungsprofil unter Einschluss aller Arztbesuche und Aufenthalte liefern kann.

Dass zumindest Google Daten über Corona-Infektionen sammelt und über Google Maps teilt, belegt das in Google-Maps integrierte Angebot "AMC Corona Positive case location", das auch in Deutschland verfügbar war, bevor die Karte wegen Verletzung der Nutzerbedingungen entfernt wurde.

Der in Google-Maps integrierte Coronavirus-Warndient wurde in Deutschland abgeschalten.

Wenn die Informationen der Warn-App für Apple und Google auf der Parallelspur der üblichen Smartphone-Nutzung ohnehin erhoben werden können, sind sie in der Warn-App ohne Mehrwert.

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