Die VW-Transporter-Geschichte war bislang einfach zu erzählen. Los ging es mit dem T1, genauer VW Typ 2 T1, im Jahr 1950, der von seinen Machern und Fans auch Bulli genannt wurde. Es folgten die Generationen T2, T3, T4, T5 und T6. Der Transporter diente dabei immer als Basis für alle Variationen vom Kasten bis hin zum Reisemobil.

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Neuer Bulli von Ford aus der Türkei

Mit dem VW T7 ab Juni 2021 änderte sich diese Philosophie. Der neue Multivan baut auf dem Modularen Querbaukasten auf, ist ein reiner Pkw und hat mit dem weiter gebauten VW T6 nichts mehr gemein. Der VW T6 wird seit 2015 verkauft, 2019 wurde die Facelift-Version T6.1 eingeführt. Deren Produktion endet allerdings Mitte 2024. In die Fußstapfen des T6.1 tritt dann ein Transporter, der aus der Kooperation mit Ford stammt und auf dem bereits vorgestellten Ford Transit Custom basiert. Produziert wird der neue Bulli parallel zum Ford in der Türkei im Werk Otosan.

Transit Custom als Blaupause

Wer also auf den bereits vorgestellten Ford Transit Custom (siehe Fotoshow) blickt, bekommt schon eine Vorstellung davon, was der neue VW Bulli bringen wird. VW bestätigt bereits ein Portfolio, zu dem ein Kastenwagen in jeweils zwei unterschiedlichen Längen und Höhen, ein Kombi, ein Pritschenwagen mit Doppelkabine und der Caravelle als Personentransporter gehören. Während Ford den Transit weiter als Basis für ein Reisemobil nutzt, baut der nächste California von VW auf dem T7 Multivan auf.

Die Antriebspalette dürfte, wie schon bei der Zusammenarbeit bei Ford Ranger und VW Amarok, aus dem Ford-Regal stammen. Verfügbar sind dort Diesel-, PHEV- und reine Elektroantriebe. Die gleiche Palette verspricht VW für den neuen Bulli. Die Ford-Selbstzünder bieten bei zwei Litern Hubraum zwischen 110 und 170 PS Leistung. Geschaltet wird wahlweise manuell durch sechs Gänge; optional kann man die Schaltarbeit auch einer Achtgang-Automatik überlassen. Angetrieben werden in der Regel die Vorderräder. Nur für die Diesel mit 136 und 150 PS bietet Ford optional Allradantrieb an; ob VW diese Koppelung beibehält, bleibt abzuwarten. Dass der neue Gemeinschafts-Transporter überhaupt eine Option auf Allradantrieb bietet, dürfte auf die Initiative von VW zurückgehen; der 4Motion-Antrieb ist für die Marke sehr wichtig.

Im PHEV arbeitet ein 2,5-Liter-Benziner mit einem E-Motor und einem CVT-Getriebe zusammen. Die Systemleistung liegt bei 233 PS, die rein elektrische Reichweite beträgt 57 Kilometer. In Sachen E-Antrieb können Ford-Kunden zwischen Versionen mit 100 kW (136 PS) und 160 kW (217 PS) sowie jeweils 415 Nm Drehmoment wählen. Die 74 kWh große Batterie ermöglicht Reichweiten von bis zu 380 Kilometern (WLTP). Geladen werden kann mit bis zu 125 kW. Der Elektro- und PHEV-Transit dürfen jeweils bis zu zwei Tonnen an den Haken nehmen, den Diesel-Modellen werden bis zu 2,5 Tonnen zugetraut.

Über fünf Meter lang

Bei den Abmessungen werden sich die beiden Transporter von Ford und VW wohl nur im Millimeterbereich unterscheiden. Die Standard-Variante (L1H1) des Transit Custom liegt bei 5.050 Millimeter Länge und 2.032 Millimeter Breite (ohne Spiegel). Bei der Höhe bleibt der Transit unter der Zweimeter-Marke, wichtig für Tiefgaragen. Davon darf man entsprechend auch beim T7 Transporter ausgehen. Keine Unterschiede erwarten wir bei den Laderaumabmessungen. Die Bulli-Zuladung gibt VW mit über einer Tonne an.

Eine andere Verbesserung der komplett neuen Plattform betrifft die abgesenkte Einstiegs- und Ladekantenhöhe des Transit Custom, die der VW Transporter logischerweise ebenfalls vorfahren wird. Der Einstieg in den neuen Transit (siehe der unten verlinkte Fahrbericht) ist mit der niedrigeren Trittstufe bequemer als beim Vorgänger, die Sitzposition ist niedriger. Treue T6-Fans werden sich also von einem Teil des bisherigen "Trucker"-Feeling verabschieden müssen.

Angepasste Optik

Damit der neue Bulli als VW erkannt wird, bekommt er eine neue Frontgestaltung im typischen VW-Look. Schon beim Pick-up-Projekt mit Ford Ranger und VW Amarok haben die Partner bewiesen, dass sie ein klar unterscheidbares Styling mit eigener Marken-DNA realisieren können, dementsprechend dürfte sich der kommende T7 Transporter optisch stark vom Transit Custom unterscheiden.

Ob das auch für den Innenraum gilt, bleibt abzuwarten. Hier gibt die technische Struktur wie zum Beispiel der Beifahrerairbag im Dach gewisse Gestaltungslinien vor. Spannend wird außerdem, wie die beiden Marken ihr User-Interface für die Fahrzeugsteuerung auf dem Zentralbildschirm voneinander unterscheidbar machen. Nachdem Ford den Transit Custom ausschließlich mit volldigitalen Instrumenten ausliefert, dürfte dieses Thema auch bei VW gesetzt sein.

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Auch mit dem Wechsel auf die Ford-Basis wird der neue Bulli kein günstiges Angebot. Bei Ford startet die Preisliste ab rund 42.300 Euro. VW dürfte hier nicht unterbieten. Zu erwarten ist die Premiere des neuen VW Bus im ersten Quartal 2024. Der Vorverkaufsstart des neuen Transporters in Deutschland beginnt bereits Ende 2023.  © auto motor und sport

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