Dürre, Starkregen, Frost: Das Wetter hat in der Menschheitsgeschichte schon oft über Leben und Tod entschieden. Der Wunsch, die Witterung gezielt lenken zu können, ist naheliegend. Tatsächlich werden bereits einige Ansätze dazu verfolgt. Doch die Folgen einer massiven Wettermanipulation sind heute noch nicht absehbar.

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Hagel und damit Ernteausfälle verhindern; freie Sicht schaffen, indem man Nebelfelder auflöst; für satten Schneefall in Skigebieten sorgen: Es gibt viele Situationen, in denen sich Menschen wünschen, das Wetter beeinflussen zu können.

Und tatsächlich: Lokal ist es in manchen Bereichen gängige Praxis, auf die Witterung Einfluss zu nehmen. Schon seit Jahrhunderten erzeugen Winzer beispielsweise Rauch, um ihre Reben vor Frost zu schützen.

Auch Nebelfelder, die beispielsweise auf den Start- und Landebahnen von Flughäfen die Sicht behindern, können auf unterschiedliche Weisen aufgelöst werden.

Laut dem Meteorologen Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst kann man zu dem Zweck kleinräumig die unteren Luftschichten aufwärmen oder kleine Partikel in die Nebelfelder einbringen, die die feinen Wassertröpfchen abregnen lassen.

Eine andere Methode besteht darin, große Windmaschinen aufzustellen, die die Luft durchmischen und so den Nebel auflösen.

Wettermanipulation: Sonnenschein für die Militärparade

Am 9. Mai feiert Moskau traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland mit einer großen Militärparade. Teil des Spektakels ist eine Flugshow mit Dutzenden Flugzeugen und Hubschraubern.

Dass das Erlebnis für Hunderttausende von Zuschauern nicht ins Wasser fällt, will die russische Regierung nicht dem Zufall überlassen. Seit Jahren lässt sie sogenannte Wolkenimpfungen durchführen, um Regenwolken noch vor den Toren der Stadt abregnen zu lassen und so für blauen Himmel über der Parade zu sorgen.

Thailands 2016 verstorbener König Bhumibol Adulyadej galt als großer Wohltäter seines Volkes. Unter anderem wurde er von vielen Menschen dafür verehrt, dass er in von Dürre bedrohten Agrargebieten des Landes künstlichen Regen erzeugen ließ.

Beide Ideen basieren auf demselben Grundprinzip: Für Niederschlag braucht es in der Atmosphäre neben Feuchtigkeit einen sogenannten Kondensationskeim. Das sind kleinste Feststoff-Partikel wie hochgewirbelte Staubkörner oder Pollen, an denen sich Wassertröpfchen bilden.

Um Regen zu erzeugen, werden Wolken von Flugzeugen aus mit einer Chemikalie – häufig Silberjodid – besprüht, um diesen Mechanismus künstlich auszulösen.

Dieses Prinzip wollen sich auch Hagelabwehr-Vereine zunutze machen. Sie versuchen, Gewitterwolken so zu impfen, dass Hagel möglichst früh auf die Erde fällt, bevor die Körner sehr groß werden und so mehr Schaden anrichten können.

Wissenschaftler sind skeptisch

Auch wenn solche Projekte oft als Erfolg gefeiert werden, hält Friedrich sie für fragwürdig. Denn es ist unmöglich zu beweisen, dass sie funktionieren. "Eine konkrete Situation in der Atmosphäre lässt sich ja nicht nachbilden, um zu überprüfen, was passiert wäre, wenn ich keine Manipulation versucht hätte", so der Meteorologe.

Bei der Hagelabwehr kommt dazu, dass diese darauf abzielt, Gewitterwolken zu beeinflussen. Mit den kleinen Mengen Silberjodid, die bei den Flügen eingesetzt werden, könne man nicht viel ausrichten, "einfach weil die Energiemenge riesig ist, die in solchen Wolken umgesetzt wird. Was bereits in einer kleinen Gewitterwolke an Energie steckt, entspricht schon zig Atombomben", erklärt Friedrich.

Landwirten, die häufig Kunden solcher Hagelabwehr-Dienstleister sind, würde Friedrich raten, ihr Geld lieber in andere Maßnahmen zu investieren. "Bei Hagel hat man zwar wenig Chancen, etwas zu verhindern. Aber es gibt Versicherungen, die wenigstens den finanziellen Schaden auffangen können", empfiehlt er.

Folgen nicht absehbar

Dass es in der nahen Zukunft zuverlässigere Technologien zur Beeinflussung des Wetters geben könnte, schließt Friedrich nicht aus. Doch sollte man sich überlegen, ob man das überhaupt möchte, warnt er: "Wenn man in komplexe Systeme massiv eingreift, weiß man ja nie, ob es nicht zu überraschenden ungewünschten Rückkopplungen kommt."

Viele Politiker und ihre Berater scheinen auch die Gefahr eines möglichen Missbrauchs der Wettermanipulation ernst zu nehmen. So ist in der ENMOD-Konvention, die bislang 77 Staaten unterzeichnet haben, festgeschrieben, dass die Wettermanipulation für militärische Zwecke untersagt ist.

Quellen:

Klima treibt Eisbären in Siedlungsnähe

Im russischen Dorf Ryrkaipij muss wegen Eisbären mehrmals am Tag Alarm geschlagen werden. Am Nordpolarmeer kommen die Tiere den Siedlungen immer öfter zu nahe.