• Auf viele Menschen hat allein die Erwähnung des Namens eine beklemmende Wirkung: das Bermuda-Dreieck.
  • Doch was macht es so sagenumwoben? Was sind die Erklärungsansätze? Und wurde das Rätsel unlängst sogar gelöst? Ein Überblick.

Mehr Wissensthemen finden Sie hier

Meer der Verdammnis, Totenacker des Atlantiks, Teufelsdreieck – mit diesen Begriffen wird ein Gebiet zwischen Bermuda, der Südspitze Floridas und Puerto Rico bezeichnet, das wir als Bermuda-Dreieck kennen.

Immer wieder verschwinden in diesem Gebiet Schiffe und Flugzeuge unter mysteriösen Umständen spurlos. Seit Jahrzehnten wird über mögliche Erklärungen gerätselt. Neben übersinnlichen Theorien gibt es inzwischen auch wissenschaftliche Erklärungsansätze.

Bermuda-Dreieck: Ein Transportschiff verschwindet spurlos

Es war das Jahr 1918, als die USS Cyclops, das damals größte Transportschiff der US-Marine, spurlos in diesem Gebiet verschwand. Das Mysteriöse: Es wurde kein Notruf abgesetzt. Der Vorfall sorgte in einer Zeit, in der die Angst vor deutschen U-Booten groß war, für mächtig Aufsehen. 1941 ereilte die beiden Schwesterschiffen Proteus und Nereus dasselbe Schicksal.

1945 gingen fünf amerikanische Bomberflugzeuge während einer Flugübung verloren – der bis heute bekannteste Vorfall. Den Funksprüchen nach hatten die Piloten die Orientierung verloren, ihre letzten Nachrichten bestanden aus merkwürdigen Wortfetzen. Ein losgeschicktes Suchflugzeug verschwand ebenfalls vom Radar und wurde nie gefunden. Auch eine Passagiermaschine mit 32 Menschen an Bord kehrte 1948 nie aus dem Bermuda-Dreieck zurück.

Unter Seeleuten war die Bezeichnung "Meer der Verdammnis" oder "Totenacker des Atlantiks" gebräuchlich, in den 1950er Jahren setzte sich dann der Name Bermuda-Dreieck für das besagte Gebiet durch. Die Frage nach den Ursachen der Vorfälle weckte großes Interesse, vor allem das 1974 veröffentlichte Buch "The Bermuda Triangle" des Linguisten Charles Berlitz mit einer Reihe von Theorien verkaufte sich millionenfach und machte das Thema erst recht populär.

Elektromagnetischer Nebel und Zeittunnel?

Aufsehen erregte der Amerikaner Bruce Gernon, der 1970 bei einem Flug im Bermuda-Dreieck in eine rätselhafte Wolke geriet, in der seine Navigationsgeräte versagten. Seine Maschine verschwand vom Radar und konnte nicht mehr geortet werden, die Funkverbindung blieb bestehen.

Gernon berichtete nach seiner Rückkehr, dass in den seltsamen Wolken Blitze zu sehen waren, es schließlich vollständig schwarz um ihn herum wurde und er den Eindruck hatte, durch eine Art Tunnel zu fliegen. Seltsam war zudem, dass auf dieser Strecke, die bisher immer gut eineinhalb Stunden gedauert hatte, seiner Uhr nach zwischen Start und Landung diesmal weniger als 50 Minuten vergangen sein sollten. Gernon ging seitdem davon aus, dass es sich um einen "elektronischen Nebel" handelte und er in eine Art "Zeittunnel" geflogen sei.

1980 verschwand zudem noch ein kleines Sportflugzeug, dessen Piloten über Funk noch von einem unbekannten Flugobjekt und missglückten Ausweichmanövern berichteten, ehe sie vom Radar verschwanden und nicht mehr auftauchten.

Hier konnte auch an vergangene Ereignisse angeknüpft werden: Der Flugpionier Charles Lindbergh hatte während seiner legendären Atlantik-Überquerung 1928 in seinem Logbuch bereits berichtet, dass seine Kompasse verrückt gespielt hatten und er in dichten Nebel geraten ist, durch den er die zur Orientierung wichtigen Sterne nicht mehr sehen konnte.

Auch vom Seefahrer Christoph Kolumbus ist überliefert, dass er und seine Mannschaft 1492 auf dem Meer ein seltsames Licht bemerkten. Dies führte zu einer ganzen Reihe an Spekulation, die neben Monsterkraken und einem Riesenstrudel auch Außerirdische, Wurmlöcher oder das versunkene Inselreich Atlantis beinhalteten.

Menschliches Versagen, tödliche Riffe, vulkanischer Untergrund, Methangas

Neben solchen übernatürlichen Erklärungen gab es in der Wissenschaft immer wieder Versuche, die seltsamen Vorkommnisse wissenschaftlich fundiert zu erklären. So vermutete man hinter manchen Vorfällen schlicht menschliches oder technisches Versagen.

Auch die geologischen Gegebenheiten wurden als mögliche Ursache gesehen. So finden sich um Bermuda herum eine Reihe scharfkantiger Korallenriffe, die Gegend ist zudem für Stürme berüchtigt. Auch der vulkanische Untergrund könnte damit zu tun haben.

Zudem gab es die Theorie, dass aufsteigendes Methangas vom Grund des Meeres eine starke Verringerung der Wasserdichte bewirken könnte, wodurch Schiffe ihren Auftrieb verlieren und in die Tiefe sinken. Die merkwürdigen Kompass-Vorfälle könnten hingegen auf eine Abweichung vom Magnetfeld der Erde zurückzuführen sein. Vermutet wurden auch elektromagnetische Strahlung oder Infraschall als mögliche Ursachen.

Es gibt sie doch: Monsterwellen

In jüngster Zeit ist mit sogenannten Monsterwellen eine neue Erklärung vorhanden. Dabei handelt es sich um bis zu 40 Meter hohe Wellen. Gerüchte über solche gab es schon länger, sie wurden allerdings lange Zeit als Seemannsgarn abgetan, erst 1995 konnte das Phänomen tatsächlich nachgewiesen werden.

Monsterwellen können entstehen, wenn sich verschiedene Wellen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit überlagern. Forschern an der südenglischen University of Southampton ist es in einer Simulation gelungen, zu zeigen, wie ein Modell der 1918 verschollenen USS Cyclops innerhalb kurzer Zeit versinkt, als es von einer Monsterwelle erfasst wird.

Da solche Phänomene erst sehr spät erkannt werden, würde dies erklären, weshalb viele Schiffe verschwanden, ohne dass ein Hilferuf erfolgte. Damit lassen sich wohl manche Vorfälle erklären, andere hingegen bleiben nach wie vor ungeklärt.

Allerdings gibt es auch Forscher, die das Bermuda-Dreieck für eine reine Erfindung halten. Denn es gibt auch eine Reihe anderer Teile der Welt, in denen immer wieder Schiffe und Flugzeuge spurlos verschwunden sind, ohne dass sich ähnliche Legenden darum ranken.

Doch auch, wenn wissenschaftliche Ansätze inzwischen Licht ins Dunkel bringen: Der Mythos um das Bermuda-Dreieck wird weiter fortbestehen.

Verwendete Quellen:

  • Southampton University: Evidence rogue waves are getting more extreme
  • ZDFinfo: Mythos: Das Bermuda-Dreieck. Die größten Rätsel der Geschichte; 14. Oktober 2020
  • Scinexx (24. Januar 2019): Rätsel der Riesenwellen gelöst? Forscher rekonstruieren berühmte Freak Wave im Wellentank – und lüften ihr Geheimnis
  • Vice: Scientists Claim to Have Solved the Mystery of the Bermuda Triangle
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.
Marshorizont von Curiosity fotografiert
Bildergalerie starten

Mars: Gab es intelligentes Leben auf dem Roten Planeten?

Ob nun Pyramiden, Gorillas oder menschliche Gesichter: Aufnahmen des Mars-Rovers Curiosity bieten Alien-Fans immer wieder eine wunderbare Grundlage für Spekulationen.
Teaserbild: © imago images/sbonk