Ein Tier mit kurzem Rüssel und der Statur eines höckerlosen Kamels faszinierte Charles Darwin, den Vater der Evolutionstheorie. Worum es sich bei dem Fund handelte, den er vor mehr als 180 Jahren machte, blieb für den Forscher ein Rätsel. Erst jetzt haben Wissenschaftler der Universität Potsdam eine Antwort gefunden.

Charles Darwin entdeckte 1834 bei einer Forschungsreise in Südamerika die Überreste eines seltsamen ausgestorbenen Tieres. Aufgrund der Statur spekulierten Wissenschaftler, ob es sich dabei um eine überdimensionierte Lama-Art handeln könnte. Doch gegen eine Verwandtschaft mit Kamelen sprach der dicke Rüssel, den die seltsamen Kreaturen zwischen den Augen trugen.

Für Evolutionsforscher besteht die spannende Herausforderung bei der Entdeckung einer unbekannten Art darin, einzuordnen, wo die Spezies in der Entwicklungsgeschichte ihren Platz hat. Doch im Fall der Macrauchenia patachonica genannten Tiere erwies sich diese Aufgabe als besonders verzwickt. Bis vor kurzem war es schleierhaft, wie sie mit anderen Säugetieren verwandt waren.

Wesen mit einem übergroßen Maul ist wohl ältester Ahne des Menschen.

DNA-Analyse löst Rätsel

Ein Forscherteam um Michael Hofreiter von der Universität Potsdam und Ross MacPhee vom American Museum of Natural History hat jetzt erstmals erfolgreich DNA aus einem Knochen der Tiere isoliert, die bis vor 10.000 Jahren durch Südamerika streiften. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Biologen in der Zeitschrift "Nature Communications".

Demnach handelt es sich bei Macrauchenia patachonica um einen Verwandten von Pferden, Nashörnern und Tapiren, die alle zur Familie der Unpaarhufer gehören.

Die Entdeckung bringt neue Erkenntnisse über die Entwicklungslinie der gesamten Familie: "Die neue Studie zeigt, dass die Linie, die zu Macrauchenia führte, sich bereits vor etwa 66 Millionen Jahren, also kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier, von der Linie der Unpaarhufer trennte. Aufgrund dieser entfernten Verwandtschaft war es besonders schwierig, die DNA-Sequenz zu rekonstruieren", wird der leitende Wissenschaftler Michael Hofreiter in einer Mitteilung zitiert. (ada)