Bei Deutschlands zweitgrößtem Lebensmittelhändler Rewe gibt es für Kunden künftig keine Plastiktüten mehr zu kaufen. Stattdessen können sie ihre Einkäufe in Kartons, Papiertüten, Stofftaschen oder stabile Mehrweg-Taschen aus Recyclingmaterial packen. Steht Rewe mit dieser Entscheidung alleine da? Wir haben uns bei den Konkurrenten umgehört.

Rewe hat mit dem Entschluss, künftig auf Plastiktüten verzichten zu wollen, ein großes Ziel: In Deutschland sollen durch die Maßnahme jährlich rund 140 Millionen Plastiktüten weniger im Müll landen, wie das Unternehmen am Mittwochmorgen ankündigte. Testläufe dafür seien erfolgreich gewesen, sagte Konzernvorstand Lionel Souque. "Die Leute haben ihr Verhalten sehr schnell geändert."

Natürliche Pflegeprodukte boomen - doch es gibt auch Probleme.

Aber wie steht die Konkurrenz zum Thema Plastiktüten? Wir haben die großen Handelsketten nach Stellungnahmen gefragt.

Aldi-Süd

Wie ein Sprecher der Unternehmensgruppe Aldi Süd mitteilte, plant der Handelsriese aktuell nicht, Tragetaschen aus Plastik abzuschaffen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen der Erde sei aber seit langer Zeit fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Bei den Tüten, die bei Aldi-Süd in Gebrauch sind, handle es sich ausschließlich um recyclebares Material.

Man komme seit Jahren der aktuellen Forderung des Handelsverbands Deutschland nach, keine Plastiktüten gratis an Kunden auszugeben und animiere die Kunden dazu, die Tüten mehrfach zu verwenden.

Kaiser's Tengelmann

Eine Auslistung von Einkaufstüten ist bei Kaiser's Tengelmann derzeit nicht geplant, teilte die Presseabteilung des Konzerns mit. Allerdings habe man sich als erster Lebensmittelhändler schon Anfang 2011 für so genannte "I'm green"-Tragetaschen entschieden, die aus einem natürlichen Rohstoff, der aus Zuckerrohr gewonnen wird, hergestellt werden.

Im Vergleich zu biologisch abbaubaren Folien seien diese Taschen mehrmals wiederverwendbar und recyclingfähig. Auch stabile Einkaufskartons habe man im Sortiment.

Edeka

Der Handelsriese Edeka erklärte, sich verpflichtet zu haben, den Verbrauch von Plastiktüten deutlich zu reduzieren. Viele Edeka-Händler würden heute bereits komplett auf Plastiktüten verzichten und böten den Kunden ökologisch vorteilhafte Alternativen für den Transport ihrer Einkäufe an, beispielsweise Baumwolltaschen, Permanenttaschen oder Non-Woven-Tüten aus Vliesstoff.

Bis zum Herbst 2016 solle das gesamte Angebot an Kunststoff-Tragetaschen auf umweltfreundlichere Produkte mit dem "Blauen Engel"-Symbol umgestellt werden. Diese Tüten stammen zu mindestens 80 Prozent aus recyceltem Material.

Besonderes Augenmerk lege man auf die Überarbeitung der kostenlosen sogenannten Knotenbeutel für den Transport von Fleisch-, Wurst-, Obst- und Gemüseartikeln, deren Verwendung bei Verbannung der Plastiktüten üblicherweise erheblich steige.

Metro

Eine Sprecherin der Metro Group, dem Mutterkonzern von Handelsketten wie Real, Media Markt oder Saturn, erklärte, man begrüße grundsätzlich das Ziel der EU, den Verbrauch von Kunststofftüten in Europa deutlich zu reduzieren.

In den Real-Märkten solle bis Anfang 2017 die kostenlose SB-Kassen-Tragetasche abgeschafft werden. Bei den dünnen Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung sei man auf der Suche nach einer ökologisch und ökonomisch sinnvollen Alternative.

Die normale kostenpflichtige Plastiktüte an der Kasse sei auf Recyclingmaterial umgestellt worden und trage das Umweltzeichen "Blauer Engel".

Die Elektronikhändler Media Markt und Saturn gäben Plastiktüten nur noch auf Nachfrage an Kunden ab - zu Preisen zwischen fünf und 50 Cent. Auch hier könne der Kunde auf kostenpflichtige Permanenttragetaschen aus PET zurückgreifen.

Mit Material der dpa