Familienunternehmen sind regional stark verwurzelt, kalkulieren langfristig und investieren in eine solide Unternehmenskultur. Auch deshalb genießen sie einen guten Ruf in der Bevölkerung. Sie gelten als sozialer und verbindlicher im Vergleich zu börsennotierten Großkonzernen. Dabei haben diese die Eigentümerunternehmen längst als Vorbild erkannt.

In der jüngsten Finanzkrise galten sie als Fels in der Brandung, trugen laut Experten maßgeblich zur Stabilität der deutschen Wirtschaft bei: Die Rede ist von den Familienunternehmen, einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Deutschland.

In Berlin findet heute das Gipfeltreffen der europäischen Familienunternehmer statt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel debattiert vor Ort über globale Herausforderungen und politische Hindernisse, denen sich diese Betriebe stellen müssen.

Jeder Sechste arbeitet in einem Familienunternehmen

Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie werden in Deutschland 90 Prozent der vier Millionen Betriebe von Familien geführt. Die meisten von ihnen sind Kleinunternehmen, darunter Handwerksbetriebe und Dienstleister.

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Mehr als 75 Prozent aller Familienunternehmen machen unter einer Million Euro Umsatz im Jahr. "Die ganze Welt beneidet uns allerdings um die hohe Zahl von Großunternehmen in Familienhand mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Jedes dritte dieser Größenklasse ist hierzulande ein Familienunternehmen", sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Bundesweit machen Familienunternehmen ein Fünftel der Umsätze aus, ein Sechstel aller Beschäftigten hierzulande ist dort angestellt, so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und der Deutschen Bank.

Am stärksten sind Familienbetriebe demnach im Industriesektor (31 Prozent) sowie in der Handelsbranche (beide 28 Prozent) vertreten.

Flache Hierarchien, Effizienz und Flexibilität

Doch was macht Familienunternehmen so erfolgreich? "Familienunternehmen pflegen gegenüber ihren Mitarbeitern einen Wertekanon, der getragen wird von Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen und Solidität. Sie bieten außerdem flachere Hierarchien, die es Mitarbeitern ermöglichen, Innovationen und gute Ideen umzusetzen", sagt Stefan Heidbreder. Schließlich gelte es, effizient zu arbeiten und dabei gleichzeitig schnell und flexibel zu bleiben.

Zu Konflikten könne es dennoch kommen, vor allem wenn Mitarbeiter die Ziele und Werte des Unternehmens infrage stellen. "Viele Familienunternehmen sind geprägt von starken Unternehmerpersönlichkeiten", sagt Heidbreder. "Sie führen ihr Unternehmen sowohl partizipativ als auch mit starker Autorität. Da gibt es dann zumeist keine Diskussion."

Letztlich aber, betont der Experte, stünde hinter jedem Familienunternehmen ein Eigentümer-Unternehmer, der ein übergeordnetes Ziel verfolgt: Die Weitergabe eines gesunden und zukunftsfähigen Unternehmens an die nächste Generation.

Dringend: Nachfolger gesucht!

Doch ausgerechnet in diesem Punkt hakt es in vielen Betrieben. "Für Familienunternehmen kann es eine Herausforderung sein, einen geeigneten Nachfolger zu finden beziehungsweise die Nachfolge rechtzeitig zu regeln", sagt Goebel.

Insgesamt stehen nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung derzeit oder in den kommenden vier Jahren 135.000 Familienunternehmen vor einem Generationenwechsel, insgesamt sind rund zwei Millionen Beschäftigte davon betroffen.

In manchen Branchen übersteigt ihre Zahl laut Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sogar um ein Vielfaches die der potenziellen Nachfolger. Am drängendsten seien die Probleme in der Industrie, wo auf fünf Alteigentümer ein potenzieller Übernehmer kommt.

Ein Vorbild für die Wirtschaft

Für große Konzerne sind Familienunternehmen mit ihrer langfristigen Planung und ihrem großen Verantwortungsbewusstsein für wirtschaftliche Risiken längst zum Vorbild geworden. "Gerade in puncto gesellschaftliche Verantwortung können große Konzerne noch viel von Familienunternehmen lernen", sagt Goebel.

Das hat offenbar auch Joe Kaeser erkannt. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende beteuerte unlängst: "Ich jedenfalls werde unser Haus wie ein Eigentümerunternehmer führen und möchte Siemens besser übergeben, als ich es vorgefunden habe."