Im internationalen Vergleich tut sich Deutschland schwer, Flüchtlinge aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein Programm der Arbeitsagentur sollte das nun ändern. Doch der "Job-Turbo" bringt bislang wenig Resultate.

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Gut drei Monate nach dem Start des "Job-Turbos" zur schnelleren Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) einem Medienbericht zufolge bei Ukrainern noch kaum sichtbare Erfolge verbuchen.

Die Abgangsrate ukrainischer Frauen aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung sei im Januar mit jahresdurchschnittlich 1,2 Prozent sogar geringer als vor einem Jahr mit 1,7 Prozent, berichtet die Düsseldorfer "Rheinische Post" vom Freitag unter Berufung auf einen BA-Bericht.

Bei den ukrainischen Männern ging die Rate demnach ebenfalls zurück, von 3,4 im Januar 2023 auf 2,4 Prozent im Januar 2024. Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Lagebericht der Bundesagentur zur Arbeitsmarktsituation der Geflüchteten.

Arbeitsagentur: Konjunkturelle Lage erschwert Einstellungen

Der BA-Sonderbeauftragte für den "Job-Turbo", Daniel Terzenbach, nannte als eine Hauptursache die schlechtere Konjunktur, die derzeit Neueinstellungen erschwere. "Die Arbeitslosenzahl insgesamt hat sich im Januar gegenüber dem Vorjahr um fast 200.000 erhöht", sagte er der "Rheinischen Post". "Da ist es schon positiv zu sehen, wenn die Arbeitslosigkeit bei der schwächsten Gruppe am Arbeitsmarkt - und das sind unter anderem Geflüchtete ohne fließende Deutschkenntnisse - nicht merklich steigt."

68 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine seien Frauen, fügte Terzenbach hinzu. "Jede dritte Frau aus der Ukraine ist alleinerziehend, viele finden nur sehr schwer Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Deshalb ist ihre Integration in den Arbeitsmarkt häufig schwerer als bei männlichen Geflüchteten."

"Wir haben derzeit rund 2,4 Millionen Geflüchtete im erwerbsfähigen Alter in Deutschland, davon etwa 840.000 aus der Ukraine", sagte das BA-Vorstandsmitglied weiter. "Insgesamt gehen 750.000 Geflüchtete bereits einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, allein aus der Ukraine etwa 170.000. Es geht also in die richtige Richtung."

"Der Job-Turbo setzt bei denen an, die noch keinen Arbeitsplatz haben", sagte Terzenbach weiter. "Aus der Ukraine sind dies etwa 500.000 Menschen, aus den übrigen acht größten Asyl-Herkunftsländern weitere 600.000." (afp/thp)


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