Ein kleiner Schnitt für die Klum, ein gewaltiger Schnitt für die Kandidaten: In der neuesten Folge "Germany's Next Topmodel" zelebriert Heidi Klum wieder "das große Umstyling", den dramatischen Höhepunkt der Show. Und ProSieben hat gut gecastet. Die Protagonisten dieser Folge sind: eine Treppe, Heidi Klums Terminkalender und das Haarfärbemittel des Todes. Ach ja: und die Polizei.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Angegrabbelte "Bild der Frau"-Hefte für die Wartezeit, Filterkaffee mit Haaren in der Tasse und nicht enden wollender Smalltalk – so ein Frisörbesuch ist schon eine ganz spezielle Nummer. Das ist er auch bei "Germany's Next Topmodel", doch da heißt es nicht "Frisörbesuch", sondern "das große Umstyling". Ist aber im Prinzip dasselbe, nur ohne den Filterkaffee und die "Bilder der Frau", dafür aber mit Geschrei und Tränen. Oder wie die Klum es am Donnerstagabend altersgemäß formuliert: "Schnippe di schnappi!"

Aber so ein "Schnippe di schnappi!" kann man dem Zuschauer nicht einfach so vor den Latz ballern, das braucht ein bisschen Vorbereitung. Und so startet die Umstyling-Folge mit einer kleinen Room-Tour in der Männerunterkunft, die zeigt, wie menschlich nah man sich in der Zwischenzeit gekommen ist: "Mit der Zeit ist mir das relativ egal geworden", erklärt zum Beispiel Luka über den fehlenden Duschvorhang im Gemeinschaftsbad.

Natürlich geht es bei der Badbesichtigung nicht um die Nachricht, dass sich die Männers gegenseitig beim Duschen zusehen können, sondern darum, die nötige Fallhöhe für das kommende Umstyling zu schaffen. Also fängt der Schnitt an, Armin und dessen Faible für Armins Haare in den Fokus zu rücken. Und so erfahren wir, dass Armin im besagten Gemeinschaftsbad lange für sein Haarstyling braucht und dass das Worst-Umstyling-Szenario wäre, "wenn die Haare komplett abkommen". Wer es bis hierhin immer noch nicht verstanden hat, für den fasst Armins Freund Dominik die Botschaft zusammen: "Er liebt seine Haare."

Angst vorm Umstyling und Angst vorm Nicht-Umstyling

Aber der Schnitt verlässt sich nicht alleine auf Armins Haare, sondern sucht sich noch jemanden, der die allgemeine Dramatik der Folge zum Ausdruck bringen kann und er findet Lea. Denn als die Kandidaten mit einem Video auf das Umstyling eingestimmt werden, hinterlässt das Filmchen bei dem Nachwuchsmodel eine Kurzzeit-Arrhythmie: "Als ich das Video gesehen habe, habe ich gemerkt, wie mein Herz so richtig angefangen hat, zu rasen."

Der Schnitt hat aber noch mehr Glück im Unglück anderer und findet sogar jemanden, der in der Umstyling-Folge weint, obwohl er gar nicht umgestylt wird. Xenia nämlich hat das Gefühl, im Vergleich mit den anderen als eher langweilig wahrgenommen zu werden und grämt sich daher, weil sie im Gegensatz zur Mehrheit der weiblichen Models vom Umstyling ausgeschlossen wurde. "Ich werd noch unauffälliger", fürchtet Xenia.

Ähnlich geht es Lucas, der das Umstyling einkalkuliert hat, daher wegen seiner Nicht-Berücksichtigung enttäuscht ist: "Oh nö, ich hab mich doch so auf dieses Umstyling gefreut", zeigt sich Lucas niedergeschlagen, wird sich daher vielleicht über folgenden Tipp freuen: Man kann auch außerhalb von GNTM zum Frisör gehen. Aber Lucas' und Xenias Reaktionen zeigen, dass das große GNTM-Umstyling offenbar mit den Jahren an Schrecken verloren hat. Aber zum Glück gibt es in dieser Folge noch die Kraft der Chemie.

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Julian: "Es schmerzt wie die Hölle"

Denn die Zwillinge Luka und Julian bekommen beim Umstyling die Haare gefärbt und da verspürt Julian nahezu sofort ein Brennen am Kopf. "Das kann nicht sein, wir arbeiten hier ganz mild", wiegelt der Haare bleichende Frisör umgehend ab, doch im weiteren Verlauf nimmt das Brennen auf Julians Kopf infernalische Ausmaße an: "Es schmerzt wie die Hölle", klagt Julian, was bedeutet, dass entweder Julian mit einer sehr sensiblen Kopfhaut ausgestattet ist oder der Haarbleiche-Mann zuvor ein bisschen geschwindelt hat.

Für die Regie sind beide Fälle ein Segen, denn so gibt es ein bisschen was zu erzählen. "Christian, weint er wieder?", fragt Klum zwischendrin noch einmal nach, als Julian erneut vor Schmerzen wimmert. Es sei "wie Salz auf 'ne offene Wunde", jammert der Bleiche-Geplagte und gibt der Klum die Gelegenheit, sich zum ersten Mal in dieser Folge ins bisher unbekannte Terrain des Humors zu wagen: "Soll ich dir ein Eis holen?", fragt Klum mit ein bisschen zu wenig Ironie.

Aber das Resultat sollte sich lohnen, Julian und Luka haben nicht mehr die gleiche Frisur: "Es ist jetzt einfacher für uns alle", erkennt Klum den Sinn, die Zwillinge leichter unterscheiden zu können. Den exakt gegenteiligen Effekt hat das Umstyling hingegen bei Kandidatin Leoni, denn die glaubt, im Spiegel nun die allererste GNTM-Gewinnerin zu erkennen. "Da steht nicht Leoni, da steht Lena Gercke", findet Leoni. Oder Lena Gercke, wer weiß das denn jetzt noch?

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GNTM oder die Frage: Wie läuft man eigentlich eine Treppe hinunter?

Schlimmer läuft es nur für Armin. Der bekommt natürlich seine geliebten Haare gestutzt und kämpft nun mit Identitätsproblemen. "Wer ist das?", ist Armin beim Anblick seines Spiegelbildes völlig ahnungslos. Vermutlich kann er nur Leoni und Lena Gercke als Antwort ausschließen, denn die stehen ja beide neben ihm. Aber viel Zeit, zurück zu sich selbst zu finden, hat Armin nicht, denn natürlich müssen die Models ihr neues Ich noch auf einem Laufsteg zeigen und ebenso natürlich hat sich die Klum hierfür wieder etwas ganz Besonderes ausdenken lassen.

"Diese Woche laufen meine Models eine komplizierte Fashionshow. Ich sage 'kompliziert', denn sie müssen viele, viele Treppen rauf und wieder runterlaufen", erklärt Klum die Aufgabe der Woche. Man mag es übermütig nennen, aber das klingt alles andere als kompliziert. Eine Treppe ist ja irgendwie selbsterklärend und wer schon mal eine Treppe rauf und wieder runtergelaufen ist, dem wird das Prinzip auch bei der Fashionshow sofort vertraut vorkommen.

Doch es dauert nur wenige Sekunden, bis Julian die Tücken des Treppensteigens entdeckt: "Zwei Schritte sind zu wenig und drei zu viel." Ein absoluter Albtraum. Wie, wenn man Angst vor geschlossenen Räumen und gleichzeitig Angst vorm Freien hat. Also quasi unlaufbar so eine Treppe. Auch Marvin kratzt am Image der Catwalk-Treppe: "Bei uns haben wir auch solche Stufen am Bahnhof", nimmt das Nachwuchsmodel dem GNTM-Laufsteg irgendwie seinen Glamour.

Lichter irritieren Piloten: Polizei bittet um Klums Mithilfe

Irgendwann haben alle die Komplexität der Bahnhofstreppen gemeistert und Klum und Gastjurorin Jourdan Dunn machen sich ans Kritisieren. Doch bevor es losgeht, fasst die Klum noch einmal zusammen, wovon wir diesmal Zeuge wurden: "Zum allerersten Mal hab ich Männer in der Staffel, zum allerersten Mal bekommen Männer auch ein Umstyling", erklärt Klum und wir warten kurz, ob ihr der Schnitt die Zeit gibt, den Zusammenhang zwischen beiden Fakten zu erkennen. Einen Moment, bitte … Nein, juckt den Schnitt nicht, stattdessen geht es los mit der Kritik.

Livingsten etwa hätte sich beim Lauf mehr Zeit nehmen sollen und Zeit ist dann auch der Grund, warum es diesmal ihn erwischt – allerdings nicht seine Zeit. "Ich wünschte, ich hätte auch mehr Zeit gehabt. Gerade bei dir, Livingsten", erklärt Klum und da muss man schon mal nachfragen: Wenn man doch um die eigene Schwäche weiß, dass man fürs Model-Trainieren ein bisschen länger braucht als andere, ja dann plan ich mir doch mehr Zeit ein! Ist ja ihre eigene Show. Jetzt muss der arme Livingsten Klums mangelhaftes Zeitmanagement ausbaden.

Immerhin fliegt Livingsten in Begleitung, denn auch Franz wird vom Showbetrieb ausgeschlossen. Doch bevor das Aussortieren bei den Damen weitergeht, erhält Klum eine Botschaft. Der Flughafen habe durchgeklingelt, weil die Lichter des Sets die Piloten irritieren würden. Auch die Polizei sei schon da gewesen. Daher müsse die Klum und Jourdan Dunn ein bisschen auf die Tube drücken und nun eine Gruppenentscheidung improvisieren. Bei der wird dann Leoni als schwächstes Glied in der Modelkette ausgemacht. Es könnte aber auch Lena Gercke gewesen sein. Verdammtes Umstyling.

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Teaserbild: © ProSieben/Richard Hübner