Es geht schon wieder los. Kaum ist Vorjahresbachelorette Sharon Battiste zu "Let's Dance" gewechselt, schickt RTL schon wieder eine Kandidatin zum Liebe finden nach Thailand. Jennifer Saro heißt sie und nimmt ein Novum mit zur RTL-Kuppelei. Zum Dank bekommt sie einen Faszienball und eine Vorstellungsrunde für Gedächtniskünstler.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Na, haben Sie es vermisst? Dieses Hämmern im Fremdscham-Zentrum, wenn zwei Balzbereite in arrangierten Brachial-Romantik-Dates versuchen, einander näherzukommen. Diesen brennenden Schmerz hinter der Schläfe, wenn eine Bande Endzwanziger mit Fitnessstudio-Hintergrund im intellektuellen Arschbomben-Contest untereinander ihre Testosteronwerte vergleicht?

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Nein? Dann gucken Sie doch einfach weiter das Dschungelcamp oder anderen Akademikerkram. Ja? Dann ist das Warten vorbei! Denn am Mittwochabend startete RTL eine neue Runde "Die Bachelorette". Es ist inzwischen die zehnte Staffel des Formats und während die Gesichter der Hauptdarstellerinnen gewechselt haben, ist inhaltlich alles gleich geblieben – womit wir wieder beim brennenden Schmerz hinter der Schläfe wären.

Jennifer Saro ist die neue Bachelorette

Den dürfen nun in der neuesten Staffel Jennifer I. und ihr Testosteron-Trupp auslösen und trotz dieser Monotonie verspricht die Neue: "Ich werde keine Bachelorette, wie es die anderen waren. Ich bin so ein Mix von da und von da und von da. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich die zehnte Bachelorette, die Jubiläumsbachelorette, sein darf." Das hat allerdings weniger etwas mit Ehre als vielmehr mit Zufall zu tun. So wäre die 27-Jährige für die ersten Staffeln schon alleine des Alters wegen nicht in Frage gekommen.

Was wissen wir sonst noch über die neue Bachelorette? Jennifer Saro heißt die Dame mit vollständigem Namen und bevor sie dem RTL-Kuppelformat in die Arme getrieben wurde, war Saro fast fünf Jahre lang Single. Sie wohnt in Berlin, wurde in Straubing geboren und erzielt 1,66 Höhenmeter am Zollstock.

Außerdem scheint sie im Besitz schnellen Internets zu sein, denn RTL gibt "Influencerin" als Saros Beruf an, sie selbst sagt "Content Creatorin" dazu. Knapp 200.000 Follower gucken sich derzeit regelmäßig an, wie die Bachelorette auf ihrem Instagram-Kanal in Unterhosen dasteht oder sich die Haare macht.

Novum bei "Die Bachelorette"

So weit die harten Fakten, was man daraus nicht ablesen kann, erzählt Saro in Folge eins am Mittwochabend. "Ich werde in ein paar Wochen einen Freund haben. Das wird so sein", prophezeit Saro zu Beginn von Folge eins und lässt dabei klugerweise offen, ob dieser Freund zwingend aus dem Kandidaten-Pool stammen muss.

Was Saro allerdings nicht offen lässt – und jetzt lassen wir einfach schon mal die Katze aus dem Sack beziehungsweise das Kind aus der Manduca – ist die Frage, ob sie nicht nur die neue Bachelorette, sondern auch alleinerziehende Mama ist: "Ich bin die neue Bachelorette und bin alleinerziehende Mama." Voilá. Das ist ein Novum und weil Saro darüber hinaus ihr Baby während der Dreharbeiten mit nach Thailand nimmt, hält bei "Die Bachelorette" etwas Einzug, dass man mit all den überzuckerten Dreamdates und Traumstränden bisher erfolgreich aus der Show gehalten hat: die Realität.

Außerdem verrät Saro, welche Ziele sie sich neben dem Erwerb eines Freundes noch von der Show erhofft: "Ich will Action, ich will Spaß, ich will Romantik – einfach alles." "Einfach alles" wird Saro erfahrungsgemäß nicht bekommen, dafür ist die Show einfach zu kurz.

Aber ein Grundversprechen hält die Produktion auf jeden Fall: liebesbedürftige Männer. Um die vorzustellen, hatte die Produktion eine etwas skurrile Idee: Die 18 Junggesellen müssen sich in einem Boxring tummeln und einzeln zu den Hits der 1980er, 1990er und dem Besten von heute hüftkreisende Faxen machen, während die anderen ihnen zujohlen.

"Die Bachelorette": "Team Pfirsich" oder "Team Kirsche"?

Außer der Offensichtlichkeit, dass einige der Herren den Begriff Tanzen sehr weit fassen, erfährt man danach noch ein bisschen mehr über die Kandidaten. Jesper zum Beispiel, ist mit sich ganz zufrieden: "Ich finde an mir alles gut: alles." Außerdem ist der Modedesigner und Stylist stets auf Spontan-Beerdigungen und Versteckspiele im Schnee vorbereitet: "Ich trag halt nur Schwarz. Oder vielleicht auch mal Weiß." Aber die Produktion entlockt ihm auch noch wirklich Wichtiges für die Show: "Bei meiner Traumfrau ist mir wichtig, dass sowohl ich sie als auch sie mich inspiriert."

Unter Inspiration scheint Kandidat Oguzhan bei einer Frau etwas ganze anderes zu verstehen: "Ich achte schon aufs Äußerliche. Da gucke ich schon gerne mal auf die hintere Stoßstange." Auf der einen Seite die Botschaft der Show, dass auch alleinerziehende Mütter einen Platz bei "Die Bachelorette" haben können, auf der anderen Seite Kandidaten, die Begriffe wie "hintere Stoßstange" verwenden und sich selbst in "Team Pfirsich", "Team Kirsche" und generell in "Team Arsch" aufteilen. Offenbar genießt RTL die Realität in vollen Zügen.

Apropos Realität: Lassen wir die Herren endlich aus dem Käfig und dem Hämmern im Fremdschäm-Zentrum seinen Lauf. Während Tim nicht nur als Erster in die Nacht der Rosen startet, sondern tatsächlich ein kurzes Gespräch hinbekommt, scheitert kurz darauf "Stoßstangen"-Casanova Oguzhan an der Kunst des Hallo-Sagens, indem es ihm die Sprache verschlägt. Immerhin soll er gut gerochen haben und glauben, Saro von Tinder zu kennen.

Jennifer Saro verrät ihr Geheimnis

Und so geht sie weiter, die Erstbewerbungspolonaise, die unsere Bachelorette an ihre geistige Belastungsgrenze bringt, wie ihr Begrüßungssmalltalk mit Yannick verrät. Der bringt ihr einen Faszienball mit, "weil ich von Beruf Sportwissenschaftler bin", wie Yannick erzählt. "Was hast du studiert?", will Saro daraufhin wissen und Yannick erklärt das Offensichtliche: "Sportwissenschaften tatsächlich." Das "Gespräch" mit Kaan scheint hingegen eher einem Gedächtnistraining zu dienen: Er: "Jenny?" Sie: "Jenny." Er: "Jenny." Sie "Jenny." Er: "Freut mich."

Die grundlegendsten Dinge sind also geklärt – zumindest fast alle. Denn kurz vor Schluss gibt RTL Saro noch die Gelegenheit für ein Statement: "Ich bin stolze Mama, alleinerziehende Mama." Die Resonanz fällt gemischt aus: "War ein Schock, war ein Schock", meint etwa Adrian. "Ich hab mich tatsächlich ein bisschen gefreut", gesteht hingegen Julian.

Ob sie die Tatsache, dass Jennifer bereits ein Kind hat, gut finden oder nicht, darüber müssen sich Thomas und Tim indes keine Gedanken machen. Denn während ihr Sohn an Jennifers Seite bleiben wird, werden die zwei nie erfahren, wie es ist, an zwei Folgen "Die Bachelorette" teilgenommen zu haben.

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