Nach über zehn Jahren Radio-Abstinenz hat Thomas Gottschalk wieder eine Sendung moderiert: den "Bayern 3-Kultabend". Ganz wie in den 1980er Jahren sollte es sein und so war es dann auch - fast.

Der Radio-Abend mit Thomas Gottschalk in Bayern 3 startet schon mit einer Überraschung: Thomas Gottschalk liest höchstpersönlich und sehr unprätentiös die Verkehrsmeldungen vor. Dafür, dass er das seit langer Zeit nicht mehr gemacht hat, geht es auch recht reibungslos, bis auf ein paar holprige Stellen.

Erwartungsgemäß nimmt aber Gottschalks Moderation im Rahmen der kompletten Sendung recht viel Raum ein. Vor und nach jedem Song wird minutenlang gesprochen, im Formatradio eine völlig verpönte Arbeitsweise, in den 1980ern aber durchaus angesagt. Das war eben noch kein Einheitsbrei-Formatradio, das waren Personality-Sendungen, bei denen der Moderator die Musik selbst aussucht und im Mittelpunkt steht.

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Wie sahen die denn aus?

Vor zehn Jahren, als sie sich kennen lernten, sahen Sylvie und Rafael van der Vaart noch ganz anders aus. Da sind sie nicht die Einzigen.

Thomas Gottschalk macht Radio Spaß und das hört man auch. Im Großen und Ganzen ist die Sendung eine ausgewogene Mischung aus Hörer-Talks, Moderation und Kollegen-Talk. Nur in der letzten halben Stunde, als Thomas Gottschalk, Fritz Egner und Jürgen Herrmann in Erinnerungen an die "Gute, alte Zeit" schwelgen, entsteht ein wenig der Eindruck, drei ältere Herren treffen sich zum Kaffeekränzchen und man sitzt daneben.

Gottschalks Alter und die Technik

Technisch muss Herr Gottschalk sich umgewöhnen, das hat er auch gleich ganz klar zugegeben. Keine Plattenspieler mehr, dafür massig Monitore ... zum Teil wirkt das Gejammer über die fortgeschrittene Technik schon ein wenig betulich, letztlich bekommt er es aber mit Unterstützung des alten Radio-Kollegen Fritz Egner auch technisch gut hin.

Generell reitet Thomas Gottschalk in jeder Moderation auf seinem Alter, dem Alter seiner Zuhörer, dem Alter der Künstler und wie lange ja alles schon her ist, herum. Das ist für eine Comeback-Sendung gerade noch in Ordnung, könnte aber in weiteren Sendungen schnell ermüdend wirken. Auch die Musikauswahl ist wenig spektakulär, wie erwartet jede Menge Oldies, bis auf einen Green-Day-Song, der dann auch etwas deplatziert wirkt.

Über seine Zeit beim "Supertalent" sagt Thommy mal so ganz nebenbei: "Ach ist das schön, hier zu sein, vom 'Supertalent' zum Radio - from hell to heaven!" Und auch einen Seitenhieb auf die Schleichwerbungs-Affäre kann sich Gottschalk nicht verkneifen: "Ein bisschen Schleichwerbung muss ja sein, sonst weiß man ja nicht, dass ich es bin ..."

Ein paar lustige Anekdoten aus früheren Sendungen gibt er gekonnt zum Besten, berichtet zum Beispiel, wie er seine Sendung "Pop nach Acht" mal anlässlich des Papst-Besuches in "Pope nach Acht" umbenannt hat oder auch die Story eines Hörers, der jahrelang eine Kassette, die er eingeschickt hatte, zurückforderte, ist recht amüsant.

Alles in allem ein leicht holpriger, aber herzlicher Einstieg zurück ins Radio. Ob Thommy in Zukunft wieder regelmäßig im BR zu Hören ist, wird momentan noch verhandelt.