Donald Trump eilt bei den US-Vorwahlen der Republikanischen Partei von Sieg zu Sieg. Doch für die Nominierung fehlen dem umstrittenen Milliardär immer noch mehr als 600 Delegierte. Die Parteispitze will den Polit-Rüpel unbedingt verhindern – notfalls mit einem Putsch auf dem Parteitag.

Erst hat ihn die Spitze der Republikanischen Partei nicht ernst genommen, dann war sie zu siegessicher, und jetzt fährt ihr immer häufiger der Schrecken in die Glieder.

Donald Trump baut Vorsprung aus

Nach den klaren Siegen in den wichtigen Bundesstaaten Florida und Illinois hat Donald Trump seinen Vorsprung im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner weiter ausgebaut.

Mit 621 Delegierten liegt der umstrittene Milliardär klar vor dem texanischen Senator Ted Cruz (395) und dem Ohio-Gouverneur John Kasich (138). Marco Rubio hat seine Kampagne nach der Niederlage in seinem Heimatbundesstaat Florida für beendet erklärt.

Trotz der jüngsten Erfolge sind Trump erst die Hälfte der 1.237 Stimmen sicher, die für eine Nominierung auf dem Republikaner-Parteitag im Juli in Cleveland nötig wären.

In den ausstehenden 23 Bundesstaaten müsste er dafür rund 60 Prozent der Wahlmänner abräumen. "Holt er die erforderlichen Stimmen, ist ihm die Nominierung nicht mehr zu nehmen", erklärt der Politikwissenschaftler Thomas Jäger von der Universität Köln im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nach dem Parteistatut seien die Delegierten dann zur Wahl Trumps verpflichtet. Scheitert der umstrittene Politiker aber an der Hürde, könnte es spannend werden.

Dann steht den Republikanern eine "contested convention" bevor, eine Kampfabstimmung. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Chaos-Szenario statt Konfetti und Luftballons

Eine Kampfabstimmung ist die große Hoffnung des Partei-Establishments, um den aus ihrer Sicht populistischen Polit-Rüpel doch noch zu verhindern. Es wäre aber auch ein Chaos-Szenario, das die Partei weiter entzweien und die Chancen bei den Wahlen im Herbst schmälern dürfte.

"Für die in Cleveland versammelten Journalisten wäre das wie eine Story über einen kleinen Krieg, einen Tsunami und ein Waffen-Massaker zur gleichen Zeit, und annährend so gefährlich", schrieb das US-Magazin "Politico".

Eigentlich ist die Kandidatenkür ein formaler, repräsentativer Akt mit viel Konfetti, Luftballons, ausgelassener Stimmung und seichten Popsongs. In einer contested convention geht es dagegen richtig zur Sache.

Den Delegierten würden mehrere Kandidaten zur Abstimmung gestellt, hitzige Debatten wären die Folge. Sollte niemand im ersten Wahlgang genügend Stimmen auf sich vereinen, müsste laut Republikaner-Statut so lange gewählt werden, bis ein Kandidat genügend Delegierte für sich begeistert hat.

Das Besondere: Nach der ersten Runde entbinden die Bundesstaaten schrittweise ihre Delegierten von der Verpflichtung, den in den Vorwahlen unterstützten Kandidaten zu wählen.

Laut "New York Times" sind in der zweiten Runde nur noch 43 Prozent an ihren offiziellen Bewerber gebunden, bei der dritten Abstimmung gerade noch 19 Prozent.

So könnte sich am Ende doch noch ein moderater Politiker wie John Kasich durchsetzen, wie von der Parteispitze seit Monaten gewünscht.

Geschacher in den Hinterzimmern

Das ginge aber kaum ohne politisches Geschacher in den Hinterzimmern. Für Teile der Parteibasis – und gerade für Trumps Unterstützer – wäre das jedoch ein Skandal, das ihren Glauben an die "korrupte Politelite" in Washington nur verstärken würde. "

Wenn Trump nur knapp an den 1.237 Stimmen scheitert und dann trotzdem nicht nominiert wird, hätte er gute Argumente für eine unabhängige Kandidatur", meint Politologe Jäger.

In diesem Fall würde Trump im November bei der US-Präsidentschaftswahl gegen die Demokraten, bei denen sich wahrscheinlich Hillary Clinton durchsetzen wird, und gegen die Republikaner antreten. "Das wäre gleichbedeutend mit einem Sieg Clintons", ist sich Jäger sicher.

Für den 55-Jährigen ist allerdings noch völlig offen, ob es Trump tatsächlich schaffen wird, die Stimmengrenze zu übertreffen.

Dafür spricht, dass "einige einflussreiche Republikaner vermutlich bald auf den erfolgreichen Trump-Zug aufspringen werden, um bei der Vergabe von Posten mitmischen zu können", so Jäger. Damit würde an noch unentschlossene Delegierte ein Signal ausgesendet.

103 Abstimmungen bis zum Ergebnis

Eine Kampfabstimmung gab es bei den Republikanern übrigens zuletzt 1948, bei der Demokratischen Partei 1952. Damals führte Senator Estes Kefauver nach der letzten Runde der Vorwahlen, konnte sich bei der Abstimmung auf dem Parteitag jedoch nicht durchsetzen. Im dritten Wahlgang schnappte ihm Adlai Stevenson die Nominierung weg.

Im Jahr 1924 mussten die Demokraten sogar 103-mal abstimmen, bis nach 16 Tagen eine Mehrheit feststand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das jetzige System der Vorwahlen eingeführt, davor war jede Kandidatenwahl eine contested convention. Nicht nur die Republikaner-Spitze hofft nun auf genau dieses Szenario.