Erst Kuba, dann China: In den letzten zwei Jahren litten immer wieder US-Diplomaten an rätselhaftem Ohrenleiden und anderen neurologischen Beschwerden. Schnell wurde über mögliche Schallangriffe diskutiert, doch letztendlich standen die amerikanischen Geheimdienste vor einem Rätsel. Nun haben Mediziner eine mögliche Ursache für die Symptome gefunden.

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Seit November 2016 erkrankten in der kubanischen Hauptstadt Havanna mehr als 20 Diplomaten der USA an einer mysteriösen Krankheit. Sie alle litten unter Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen und Ohrenbeschwerden.

Es waren die klassischen Symptome einer Gehirnerschütterung – allerdings ohne eine der typischen körperlichen Verletzungen. Einige Betroffene kämpften mehr als drei Monate mit den Beschwerden oder verloren sogar dauerhaft ihr Gehör.

Es wurde spekuliert: Gab es einen Angriff mit unbekannten Schallwaffen? Oder hätten die neurologischen Beschwerden auch eine natürliche Ursache haben können?

In US-Medien war sofort von gezielten Akustik-Attacken die Rede. Doch trotz eingehender Untersuchungen kamen sowohl Mediziner als auch der US-Geheimdienst zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Attacke mit Mikrowellen möglich

Im Mai 2018 dann ein ähnlicher Vorfall in China: US-Konsulatsmitarbeiter in der südchinesischen Stadt Guangzhou klagten über "abnormale Geräusche und Druck" auf den Ohren und wiesen dieselben Symptome wie die Diplomaten in Kuba auf. Die Untersuchungen zu den ungewöhnlichen Vorfällen wurden intensiviert.

Jetzt wurden neue Ergebnisse bekannt. Wie die "New York Times" berichtet, hält Douglas H. Smith, Leiter einer der Untersuchungen und Direktor des "Center for Brain Injury and Repair", Mikrowellen für eine mögliche Hauptursache der Erkrankungen.

Außerdem bestätigte er, dass sich sein Team zunehmend sicher sei, dass die Diplomaten Hirnschäden erlitten haben.

Starke Strahlung verursacht Schmerzen

Dabei ist der Einsatz von Mikrowellen als Waffen nichts Neues. Ihre elektromagnetische Strahlung ist unsichtbar, deshalb ist ihr Einsatz auch so schwer nachzuweisen. Dasselbe gilt auch für mögliche Schallwaffen im Infraschallbereich. Allerdings lassen dabei die Symptome nach, sobald auch die Strahlung nachlässt. Bei hoher Mikrowellen-Strahlung ist das nicht der Fall.

Bereits im Jahr 2007 stellte das US-Militär ihre damals neu entwickelte Mikrowellen-Kanone unter dem Namen "Active Denial System" (ADS) vor. Diese mobile Waffe, die auf Fahrzeugen angebracht werden kann, gibt elektromagnetische Strahlung ab. Sie heizt die Wassermoleküle in der Haut innerhalb von wenigen Sekunden auf 55 Grad auf, was dem Betroffenen starke brennende Schmerzen bereitet.

Auch in unserem Alltag kommt elektromagnetische Strahlung in Form von Mikrowellen zum Einsatz – sowohl in der drahtlosen Kommunikation, wie im Mobilfunk oder WLAN, als auch im Mikrowellenherd.

Damit sie jedoch Symptome wie bei den betroffenen US-Diplomaten auslösen kann, muss die Strahlung extrem hoch sein. Mit einer klassischen Mikrowelle hat das dann nichts mehr zu tun: ADS erreicht beispielsweise eine Frequenz von 95 Gigahertz, eine haushaltsübliche Mikrowelle dagegen gerade mal 2,45 Gigahertz.

Geheimdienste sind noch immer unschlüssig

Allerdings stimmen die Beschwerden der erkrankten Botschaftsmitarbeiter nicht vollständig mit denen überein, die ADS mutmaßlich auslöst. Doch laut einer Untersuchung der University of California in San Diego sind die von den Betroffenen beschriebenen Klick- und Summgeräusche ein weiteres Indiz für den Einsatz von hoher Mikrowellen-Strahlung.

Die Universität berief sich dabei auf den sogenannten "Frey-Effekt": Dieser besagt, dass Phantomgeräusche entstehen, wenn Strahlungspulse das Gehör aufheizen. Dadurch können schallähnliche Reize ausgelöst werden.

Das wies der amerikanische Neurologe Allan H. Frey bereits 1961 nach. Er fand heraus, dass manche Menschen bei der Sendung von Mikrowellenfrequenzen verschiedene Töne wie zum Beispiel Klickgeräusche wahrnahmen.

Doch auch, wenn für Douglas H. Smith der Einsatz von Mikrowellen in Kuba und China nun eindeutig ist: Der US-Geheimdienst steht noch immer vor einem anderen Rätsel. Denn: Wie oder von wem die Strahlung ausgelöst wurde, ist nach wie vor unklar.

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