1945, vor 70 Jahren, zündeten die USA in Los Alamos die erste Atombombe und entfesselten damit die Gewalt von 21.000 Tonnen TNT. Die Waffen der Zukunft hingegen kommen sehr viel unauffälliger daher.

"Fat Man": So nannten die Mitarbeiter des streng geheimen "Manhattan Projects" die erste Atombombe der Geschichte. Gefüllt war sie mit 6,2 Kilogramm Plutonium. Mit der Wucht von 21.000 Tonnen TNT-Sprengstoff explodierte sie im Juli 1945, selbst in 160 Kilometern Entfernung war die Druckwelle noch zu spüren.

Keinen Monat später zeigten die Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki welche Zerstörung die Atombombe anrichten kann, wenn sie im Krieg eingesetzt wird. Sie kam nie wieder zum Einsatz, blieb jedoch weiterhin eine wichtige politische und militärische Drohkulisse. In Zeiten von Terrorismus und asymmetrischer Kriegsführung, von Hacker-Angriffen und flächendeckender Überwachung scheint sie heute aber keinen Platz mehr zu haben. Die Rüstungsindustrie und Militärs auf der ganzen Welt arbeiten fieberhaft an neuartigen Waffen. Hochpräzise sollten sie sein, effektiv ihr Ziel zerstören, ohne ganze Städte zu zerstören und Zivilisten mit in den Tod zu reißen. Waffen, die mit der Präzision eines Chirurgen vorgehen.

Directed Energy - Laser, Strahlenkanonen, Mikrowellen

Die Hoffnung ruht dabei auch auf Waffen, die auf Licht, Schall oder Plasma basieren, also auf Energie. In Film und Fiktion sind sie schon längst erfunden: "Star Wars" wäre ohne Laser-Schwert und Todesstern nicht vorstellbar, auf dem Raumschiff Enterprise sind Phaser ständig im Einsatz und schon H.G. Wells setzte 1898 in "Krieg der Welten" Strahlenwaffen ein. "Die Rüstungsindustrie arbeitet schon lange an der Entwicklung solcher Waffen", berichtet Christian Mölling, Rüstungsexperte der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Doch viele Forschungen endeten auch in Sackgassen."

Im Dezember 2014 testete die U.S. Navy erstmals einen Hochenergie-Laser. Die Strahlenkanone befand sich an Bord der "USS Ponce" im Persischen Golf. Ein Video zeigte, wie sie ein unbemanntes Schnellboot aus großer Entfernung beschoss und eine Drohne zum Absturz brachte. Bis 2020, so die Navy, sollen einsatzfähige Waffen entwickelt werden.

Doch nicht nur die USA und das chinesische Militär experimentieren mit den lautlosen Killerwaffen. Nach einem Bericht der ARD finanziert die Bundesregierung seit Jahren die Forschung daran mit mehr als 80 Millionen Euro. Demnach hat das Rüstungsunternehmen Rheinmetall Defence bereits einen Laserpanzer entwickelt, der Rüstungskonzern MBDA eine Laserkanone, die Drohnen vom Himmel holen kann. Mit mehreren Lasern die kombiniert werden, erreichen diese Waffen eine konzentrierte Strahlungsleistung von gut 50 Kilowatt. Das entspricht der Heizleistung mehrerer Eigenheime.

Die Bestrebungen der Rüstungsindustrie sind jedoch nicht auf Laser beschränkt. "Es geht um Directed Energy – also darum, Energie und Moleküle geballt in eine Richtung zu lenken", erklärt Mölling. Dazu gehören auch Mikrowellen, die bei entsprechender Leistung und Frequenz auf der menschlichen Haut ein unerträgliches Brennen hervorrufen. "Diese könnten ähnlich eingesetzt werden wie Wasserwerfer oder Pfefferspray". Zum Einsatz könnten auch elektromagnetische Impulse kommen, die gezielt die Elektronik von Fahrzeugen oder Waffen außer Gefecht setzt. Wie gesagt: könnten.

Gesellschaftliche Akzeptanz der neuen Waffen

Denn: "Eine Waffe braucht immer auch eine gewisse Akzeptanz von Politik und Gesellschaft. Es ist nicht die Technik allein, die bestimmt, was möglich ist." Deshalb hält es Mölling für unwahrscheinlich, dass sich Soldaten auf den Schlachtfeldern der Welt demnächst mit Laserwaffen gegenüberstehen. "Ich denke allerdings, dass es in den nächsten Jahrzehnten eine deutliche Verbreiterung des Waffenarsenals gibt. Gewehre, Pistolen, Raketen wird es immer geben – aber es werden auch neue hinzukommen." Und darunter, so der Rüstungsexperte, werden auch Waffen sein, die nicht klassisch militärisch sind – weil die Ziele nicht mehr unbedingt militärisch sind. "Wenn man Gesellschaften treffen will, sind andere Mittel effektiver." Gegen Hackerangriffe wie zuletzt auf den Deutschen Bundestag, können auch modernste Laserkanonen nichts anrichten. "Informationstechnologie wird eine immer größere Rolle spielen." Im Cyberkrieg werden Nullen und Einsen zu Waffen.

Auch Atombomben, ist Mölling überzeugt, wird es nach wie vor geben. "Die Atommächte modernisieren ihr Arsenal weiterhin ständig, strategisch spielt es für diese Staaten immer noch eine große Rolle." Er berichtet auch von Versuchen, die Bomben kleiner zu machen, ihre Wirkung zu konzentrieren. "Aber egal wie klein eine solche Waffe wird – die politische Symbolik hinter dem Einsatz von nuklearen Waffen ist nach wie vor riesig." In Deutschland etwa würde ein Einsatz selbst der kleinsten Atombombe wohl nie akzeptiert werden.