Die französische Untersuchungsbehörde Bea hat einen Zwischenbericht zur Katastrophe veröffentlicht und auf Basis der Flugschreiber den Germanwings-Flug 4U9525 bis zum Absturz rekonstruiert. Daraus ergibt sich, dass der Co-Pilot beim Unglücksflug 4U9525 am 24. März noch kurz vor dem Aufprall in Südfrankreich den Steuerknüppel ganz leicht bewegte - aus unbekanntem Grund. Aus der detaillierten Auswertung der Flugschreiber ergibt sich folgender Verlauf der Katastrophe. Das Minutenprotokoll.

  • 10:00 - Start in Barcelona von Startbahn 07R. Der Co-Pilot ist "Pilot Flying", steuernder Pilot.
  • 10:02:54 - Autopilot auf Steigflug geschaltet, etwa eine Minute später auch Autothrust zur Regelung der Schubkraft
  • 10:12:15 - Flugbegleiter im Cockpit. Gespräch über den Aufenthalt in Barcelona.
  • 10:15:53 - Flugbegleiter verlässt Cockpit. Diskussionen zwischen Co-Piloten und Kapitän über Verspätung vor dem Start.
  • 10:27:20 - Horizontalflug in einer Höhe von 38.000 Fuß (11,6 Kilometer)
  • 10:30:00 - Letzter Funkspruch zwischen Besatzung und Flugsicherung zur Bestätigung eines Flugpunkts.

Der Pilot verlässt das Cockpit

  • 10:30:08 - Kapitän sagt Co-Pilot, er werde Cockpit verlassen und bittet ihn, Funk zu übernehmen. Der Co-Pilot bestätigt das.
  • 10:30:13 - Geräusche vom Bewegen eines Pilotensitzes.
  • 10:30:24 - Cockpittür wird geöffnet und geschlossen. Der Kapitän ist nicht mehr im Cockpit.

Co-Pilot stellt die Höhe am Autopilot auf 100 Fuß

  • 10:30:53 - Höhe am Autopilot wird innerhalb einer Sekunde von 38.000 auf 100 Fuß gestellt (gut 30 Meter). Das Flugzeug beginnt zu sinken, die Drehzahl der beiden Triebwerke verringert sich.
  • 10:33:12 - Bei einer Geschwindigkeit von 506 Stundenkilometer werden 570 Stundenkilometer als Zielgeschwindigkeit eingestellt. Geschwindigkeit und Sinkrate erhöhen sich.
  • 10:33:35 - Geschwindigkeit wird auf 533 Stundenkilometer eingestellt und anschließend innerhalb von 13 Sekunden sechsmal verändert - bis sie knapp 560 Stundenkilometer erreicht.
  • 10:33:47 - Der Fluglotse fragt Flugbesatzung nach freigegebener Flughöhe. Das Flugzeug befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Sinkflug in einer Höhe von 9150 Metern. Der Co-Pilot antwortet nicht. In den nächsten 30 Sekunden versucht der Lotse noch zweimal, die Flugbesatzung anzusprechen.
  • 10:34:23 - Die Geschwindigkeit wird auf 598 Stundenkilometer eingestellt. Das Flugzeug beschleunigt.

Co-Pilot reagiert nicht auf Kontaktaufnahme

  • 10:34:31 - Der Türsummer für den Zugang zum Cockpit ertönt.
  • 10:34:38 - Der Fluglotse sucht erneut Funkkontakt - keine Antwort.
  • 10:34:47 und 10:35:01 - Kontrollzentrum Marseille versucht Funkkontakt herzustellen - keine Antwort. Das Flugzeug hat eine Höhe von 7650 Metern.
  • 10:35:03 - Die Geschwindigkeit ist auf die maximal mögliche von 648 Stundenkilometern eingestellt.
  • 10:35:04 bis 10:39:27 - Viermal Signal des Intercom-Telefons aus der Kabine.
  • 10:35:32 bis 10:39:02 - Sechsmal Klopfgeräusche an der Cockpittür.

Pilot versucht ins Cockpit zu gelangen

  • 10:37:11 bis 10:40:48 - Mehrfach dumpfe Stimmen
  • 10:37:13 - Dumpfe Stimme bittet darum, dass Tür geöffnet wird.
  • 10:35:07 bis 10:37:54 - Kontrollzentrum Marseille versucht fünfmal auf zwei Frequenzen Funkkontakt herzustellen - keine Antwort.
  • 10:38:38 bis 10:39:23 - Französische Luftwaffe versucht dreimal Kontakt mit Flugbesatzung aufzunehmen - keine Antwort.
  • 10:39:30 bis 10:40:28 - Fünfmal Schlaggeräusche gegen Cockpittür.

Co-Pilot bewegt den Steuerknüppel leicht

  • 10:39:33 bis 10:40:07 - Steuerknüppel des Co-Piloten wird leicht bewegt, ohne Auswirkungen auf den Autopiloten.
  • 10:40:41 - Warnsignal "Terrain, Terrain, Pull Up, Pull Up"
  • 10:40:56 - Warnsignal "Master Caution Warning"
  • 10:41:00 - Warnsignal "Master Warning"
  • 10:41:06 - Aufschlag im Gelände, Ende der Aufzeichnung.

(cai/dpa)