US-Präsident Donald Trump spielt die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, weiter herunter. Erneut hat er SARS-CoV-2 mit einer Grippe verglichen. Doch Zahlen der US-Gesundheitsbehörde zeigen, wie falsch dieser Vergleich ist.

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Die Coronavirus-Pandemie wütet weiter in den USA, die Krise hat sich erneut dramatisch verschärft. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität vom Mittwoch wurden binnen 24 Stunden 35.900 neue Infektionsfälle verzeichnet – fast so viele wie zum bisherigen Höhepunkt der Krise im April. Besonders deutlich ist der Anstieg der Zahlen im Süden des Landes.

Donald Trump spielt die Gefahr weiter herunter. "Wenn wir mehr testen, finden wir mehr Fälle", sagte der US-Präsident. "Testen ist ein zweischneidiges Schwert." Die USA hätten 27,5 Millionen Tests durchgeführt, mehr als jedes andere Land. Zudem bezeichnete Trump das Coronavirus, das zunächst in China festgestellt worden war und sich dann über die Welt verbreitete, am Dienstag erneut als "Kung Flu". Entgegen der Einschätzung von Experten vergleicht Trump damit SARS-CoV-2 mit einer Grippe – auf Englisch "Flu".

Doch Zahlen der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigen, wie falsch dieser Vergleich ist – und wie gefährlich das Coronavirus ist.

Doppelt so viele Corona- wie Grippetote in den USA

Laut CDC-Schätzungen sind in der Grippesaison in den Vereinigten Staaten von vergangenen Oktober bis Anfang April 39 bis 56 Millionen Menschen erkrankt.

Im Vergleich zum Coronavirus klingt das viel. Die Gesamtzahl der registrierten SARS-CoV-2-Infektionen in den USA liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bei knapp 2,4 Millionen.

Setzt man die Infektionszahlen allerdings ins Verhältnis zu den Menschen, die wegen der Grippe oder des Coronavirus so schwer erkrankten, dass sie in ein Krankenhaus kamen oder sogar an der jeweiligen Infektion starben, dann zeigt sich, wie gefährlich SARS-CoV-2 ist.

Laut CDC mussten 410.000 bis 740.000 Menschen (entspricht 1,1 bis 1,3 Prozent aller Infizierten) wegen der Grippe ins Krankenhaus. Die saisonale Grippe soll demnach 24.000 bis 62.000 Todesopfer (0,1 Prozent) gefordert haben.

Im Verhältnis dazu sind die Zahlen der schweren sowie tödlichen Verläufe beim Coronavirus wesentlich höher: So mussten bisher 9,9 Prozent der bestätigten SARS-CoV-2-Infizierten im Krankenhaus behandelt werden, fast 240.000 Menschen. Insgesamt starben etwa 121.900 oder 5,1 Prozent der Erkrankten.

Corona-Pandemie ist noch immer nicht gestoppt

Kurzum: Im Vergleich zu Grippe-Erkrankungen in der vergangenen Saison haben etwa 20 Mal so wenig Coronainfektionen in den Vereinigten Staaten zu doppelt so vielen Toten geführt – und die Corona-Pandemie ist noch immer nicht gestoppt.

Kritiker geben Präsident Trump eine Mitschuld an den verheerenden Auswirkungen des Coronavirus in seinem Land. Der Rechtspopulist hatte die Gefahr durch den neuartigen Erreger zunächst kleingeredet – und dringt bereits seit Monaten auf eine rasche Rückkehr zur Normalität. Vor einigen Tagen nahm Trump auch seine Wahlkampfkundgebungen auf. Er trägt dabei keine Maske.

Mit Material von dpa und AFP.