Papst Franziskus geht der Handy-Wahn manchmal geradezu auf den Geist. "Es macht mich so traurig, wenn ich hier auf dem Platz oder in der Basilika die Messe feiere und so viele erhobene Mobiltelefone sehe", sagte der Pontifex am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.

Nicht nur die Gläubigen, auch Priester und Bischöfe würden mitmachen. "Aber ich bitte Euch. Die Messe ist kein Spektakel", so der 80-Jährige.

Franziskus: Es heißt nicht "Erhebet Eure Handys"!

"Warum sagt der Priester bei den Feierlichkeiten an einem gewissen Punkt: Erhebet Eure Herzen? Er sagt nicht: Erhebt Eure Handys, um Fotos zu machen. Nein, das ist eine scheußliche Sache."

Der argentinische Papst selbst stellt sich immer wieder für Selfies mit Schaulustigen zur Verfügung und hat auch einen Twitter-Account, dem mehr als eine Million Fans folgen.

Jedoch mahnt das Katholiken-Oberhaupt auch immer wieder, sich nicht in sozialen Netzwerken und in der Technik zu verlieren, sondern zur Ruhe zu kommen und in echten Kontakt miteinander zu treten.

Ohnehin betont Franziskus die Notwendigkeit zwischenmenschlicher Kommunikation. Auch auf der großen Bühne der Politik.

Papst fordert zum Dialog auf

Jüngst rief er Europa zu Erneuerung, Einheit und Dialog auf. Zugleich warnte er vor populistischen Bewegungen in vielen Ländern.

"Die Europäische Union wird ihrer Friedensverpflichtung in dem Maße treu sein, wie sie die Hoffnung nicht verliert und sich erneuern kann, um den Bedürfnissen und Erwartungen der Bürger nachzukommen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche Ende Oktober bei einer Veranstaltung zur Zukunft Europas im Vatikan.

"Das Europa, das sich als Gemeinschaft wiederentdeckt, wird gewiss eine Quelle der Entwicklung für sich und für die ganze Welt sein", sagte der Papst. "Dies ist also nicht die Zeit, um Schützengräben auszuheben, sondern um den Mut zu haben, für die volle Verwirklichung des Traums der Väter von einem geeinten und einträchtigen Europa als einer Gemeinschaft von Völkern zu arbeiten."

Politik muss Dialog fördern

Eine Grundverantwortung der Politik sei es, den Dialog zu fördern, sagte der Papst.

"Leider ist allzu oft zu beobachten, wie sie sich eher in einen Ort des Zusammenstoßes von gegensätzlichen Kräften verwandelt. Die Stimme des Dialogs wird durch die Racheschreie ersetzt."

So fänden in vielen Ländern extremistische oder populistische Bewegungen fruchtbaren Boden.

Diese machten aus dem Protest das Herzstück ihrer politischen Botschaft, ohne die Alternative eines konstruktiven politischen Projekts anzubieten.  © dpa