Ab dem kommenden Jahr sollen elektrisch angetriebene Lkw von der Maut befreit werden. Das plant Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Die Maßnahme soll vor allem zur Luftverbesserung beitragen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat sein Programm zur Förderung der Elektro-Lkw auf einer Klausurtagung der Regierung vorgestellt. Damit könnten die Betreiber von abgasfreien Transportfahrzeugen einige Tausend Euro pro Jahr sparen. Pro Kilometer beträgt die Maut derzeit 8,1 bis 21,8 Cent – je nach Schadstoffeinstufung und Achszahl.

Bald Maut auch auf Bundesstraßen

Bisher wird die Maut für Lastwagen ab 7,5 Tonnen auf den insgesamt 15.000 Kilometern Autobahn in Deutschland erhoben. Ab Juli 2018 gilt die Maut für Lkw zusätzlich auf den rund 40.000 Kilometern Bundesstraße.

Diese Straßen werden auch für kürzere Strecken im Liefer- und Verteilerverkehr genutzt. Für solche Aufgaben sind rein elektrisch angetriebene Lkw trotz der begrenzten Reichweiten und langen Ladezeiten geeignet.

Bisher erst wenige Elektro-Lkw lieferbar

Im Koalitionsvertrag hatten sich die Parteien auf eine Förderung der Elektromobilität geeinigt, darunter eine auf fünf Jahre befristete Sonderabschreibung (AfA) von 50 Prozent im Jahr der Anschaffung.

Auf den Straßen sind elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge bisher die Ausnahme. Anfang 2017 waren nur rund 6.600 elektrisch angetriebene Lkw in Deutschland zugelassen, davon haben fast 6.000 allerdings eine Nutzlast von unter einer Tonne. Für diese Gruppe gilt die Lkw-Maut ohnehin nicht.

Das bekannteste Projekt eines elektrisch angetriebenen Transporters in Deutschland ist der StreetScooter der DHL. Der hat je nach Version eine Nutzlast von 650 bis 1.350 kg.

Vom StreetScooter will der Paketdienst bis Ende 2018 etwa 2.500 Fahrzeuge in Betrieb haben. Solche Kleinlaster fahren vorwiegend im innerstädtischen Lieferverkehr oder auf Landstraßen über die Dörfer. Um von der Mautbefreiung profitieren zu können, ist der StreetScooter allerdings zu klein.

eActros nimmt Testbetrieb auf

Ein sicherer Kandidat für die Mautfreiheit ist der kommende eActros, den Mercedes aktuell entwickelt. Der erste Elektro-Lastwagen der Stuttgarter spielt mit 26 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht in einer ganz anderen Liga als der StreetScooter.

In diesem Frühjahr werden die ersten zehn Fahrzeuge für die Erprobung unter Realbedingungen an Kunden ausgeliefert. Die Serieneinführung des eActros plant Mercedes für 2021.

Vorher werden elektrisch angetriebene Lkw auf deutschen Fernstraßen aller Voraussicht nach nur selten zu sehen sein. Derzeit sind kaum Wettbewerber in Erscheinung getreten.  © 1&1 Mail & Media / CF