Vier Jahre nach dem letzten Teil von Harry Potter hält der Boom um die Figur von Autorin Joanne K. Rowling weiter an. Heute wird dessen Darsteller mit einer ganz besonderen Ehre in Los Angeles bedacht. Grund genug, einen Blick auf die Potter-Maschinerie zu werfen.

Ein Stern, der seinen Namen trägt. Nummer 2565 des berühmten Walk of Fame in der Hollywoodstadt Los Angeles wird ihm gewidmet sein: Bereits 2007 durfte sich der Jungstar mit seinen Schauspielkollegen Emma Watson und Rupert Grint mit Hand- und Fußabdrücken sowie Zauberstäben vor dem Grauman's Chinese Theatre verewigen. Heute wird Daniel Radcliffe, der mit seiner Rolle als Harry Potter weltberühmt wurde, mit einem eigenen Stern geehrt. 2011 kam der letzte der acht Filme in die Kinos. Doch um die einst von Joanne K. Rowling geschaffene Welt der Zauberer und "Muggels" ist es nicht still geworden. Im Gegenteil. Die Einnahmen fließen weiter.

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J.K. Rowling

Über die Höhe ihres Vermögens schweigt sich die Autorin der Zauberlehrlingssaga aus, das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzte es bereits 2004 auf eine Milliarde US-Dollar. Weil die Britin viel Geld für wohltätige Zwecke spendete, wurde sie 2012 wieder von der Liste der Superreichen gestrichen. Ihr Vermögen dürfte aber weiter wachsen. Neben Harry Potter sind noch drei weitere Bücher aus der "Hogwarts-Bibliothek" entstanden, von deren Erlös allerdings 40 Prozent gespendet werden – auch an Rowlings eigene Stiftung (Lumos Foundation), die sich für Kinder, die in Heimen leben, einsetzt. Zudem hat Rowlings erfolgreich unter dem Pseudonym Robert Galbraith mehrere Bücher für Erwachsene veröffentlicht.

Christopher Little Literary Agency

So heißt die Agentur, von der Rowling vertreten wird. Ihre Beteiligung an Rowlings Umsatz dürfte zwischen zehn und 20 Prozent betragen.

Die Verlage

1997 erschien das erste Buch beim Bloomsbury-Verlag. Zuvor hatten zwölf Verlage Rowlings Manuskript abgelehnt. Doch auch Bloomsbury war zunächst vorsichtig: Die kleine Auflage von 500 Stück entpuppte sich jedoch schnell als Fehlentscheidung. Den internationalen Durchbruch schaffte Harry Potter allerdings erst nach Erscheinen des vierten Bands 2000. Zwischen 50 und 65 Prozent der Einnahmen behalten die Verlage im Schnitt ein. Etwa 30 Prozent bekommt Rowling selbst. Rowlings Bücher wurden bis zu diesem Jahr in 73 Sprachen übersetzt und 450 Millionen Mal verkauft.

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Warner Bros.

Warner Bros. verdiente sich als Herausgeber der Filme eine goldene Nase: Diese spielten 7,7 Milliarden US-Dollar ein. Durch den Verkauf von DVDs und Bluerays läuft das Harry-Potter-Einkommen der Produzenten weiter. Die Filmstudios außerhalb von London ziehen täglich Touristen an. Pro Erwachsenem werden 33 Pfund Eintritt fällig. Und echte Potterfans dürfen sich freuen: "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" – eines der Bücher aus der Hogwarts-Bibliothek - wird gerade verfilmt und kommt am 17. November 2016 in die Kinos.

Daniel Radcliffe

Umgerechnet 140.000 Euro sollen Daniel Radcliffe für die Hauptrolle in der Verfilmung des ersten Harry-Potter-Bandes zunächst geboten worden sein. Die Schauspielergewerkschaft "Equity" setzte sich damals für den Elfjährigen ein und handelte mehr heraus. Geschätzte 75 Millionen Dollar soll seine gesamte Gage für die Hauptrolle betragen haben. Wie viel Radcliffe mit seiner Rolle als Harry tatsächlich verdient hat? Darüber streiten sich die Geister. Seit 2011 der letzte Teil der Harry-Potter-Saga in die Kinos kam, mangelte es Radcliffe aber kaum an Aufträgen. Derzeit laufen die Dreharbeiten für "Imperium", für die Rolle des FBI-Agenten Nate Foster musste sich Radcliffe aber seine wilde Mähne abrasieren. Dafür erscheint er mit kinnlangem Haar in "Victor Frankenstein" im April 2016 wieder auf der Leinwand. Im Juni folgt dann "Die Unfassbaren 2".

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Merchandising

Pro Film wurden Merchandising-Produkte im Wert von bis zu 2,8 Milliarden Dollar verkauft, so die Schätzung einer Marketingagentur. Fan-T-Shirts, Zauberstäbe, Schreibfedern und ähnliches. Auf der Webseite Pottermore gibt es einiges zu finden. Lego hat eine eigene Produktserie entworfen, zu jedem Film sind passende Spiele für Konsolen und Computer entstanden.

Themenpark

Ja, es gibt auch einen Themenpark: Im Juni 2010 eröffnete "The Wizarding World of Harry Potter" im Themenpark Universal Orlando Resort im US-Staat Florida. Erst im vergangenen Jahr wurde die Zaubererwelt um die "Diagon Alley" erweitert. Die Baukosten für den ursprünglichen Themenbereich, der sich auf 1,8 Hektar erstreckt, betrugen 250 Millionen Dollar. Etwa 7,1 Millionen Besucher kommen jährlich in den Park. Ein Ticket kostet 147 Dollar.

Und für alle, die ein bisschen traurig waren, als sie den letzten Band von Harry Potter ausgelesen hatten: Im Oktober machte Rowling über Twitter bekannt, dass es bald ein Theaterstück über Harry Potter geben werde. Es beginnt 19 Jahre nachdem Harry Hogwarts verlassen hat. Und damit genau da, wo sein letztes Abenteuer endete.