Spätestens seit dem Sommerschlussverkauf locken Läden mit Prozenten, Schnäppchen und Rabatten. Trotzdem bleiben viele Kaufhäuser leer – und Kunden verlieren die Lust am Shoppen. Was tun, wenn sich Konsumfreude in Konsumfrust verwandelt?

Anja Delastik
Eine Kolumne
von Anja Delastik, Journalistin, Kolumnistin

"Brauchst du die?" fragte mein Mann oft, wenn ich mir mal wieder ein neues Paar Schuhe gekauft hatte. Natürlich brauchte ich die nicht. Ich brauchte den Spaß, für mich war Einkaufen ein Erlebnis, bestenfalls verband ich mit dem Gekauften schöne Erinnerungen – an den Urlaub in Italien, den Flohmarktbesuch mit den Mädels, eine nette Unterhaltung mit der Verkäuferin.

Einkaufen ist nur noch Mittel zum Zweck

Shopping war lange Zeit eines der Lieblingshobbys der Deutschen. Doch während ich früher freiwillig samstags in die Innenstadt fuhr und mich ins Getümmel stürzte, ist für mich Einkaufen heute vor allem Mittel zum Zweck – und geht am besten online. Im Netz findet man alles, meist auch noch günstiger, bequemer und schneller. Angeblich.

Man kauft mehr, als man möchte

Neulich benötigte ich dringend ein bestimmtes Kamera-Stativ. Ich prüfte zunächst seine Verfügbarkeit in den großen Fachgeschäften in der Nähe, fand es jedoch nur bei einem der großen Internet-Anbieter. Also bestellte ich mit der Versandoption "Lieferung morgen".

Am nächsten Tag wartete ich zuhause – vergebens. Kein Klingeln, kein Paket, lediglich der "Wir haben Sie leider verpasst"-Zettel am Briefkasten. Dann das Übliche: Erstmal fluchen, tags drauf zur Postfiliale laufen, 20 Minuten Schlange stehen, sich über den knurrigen Mitarbeiter ärgern, Kartons entsorgen ...

Dazu kommt: Das Scrollen, Klicken und Suchen erfordert im Schnitt mehr Zeit als der normale Einkauf – das bestätigen sogar mehrere Studien. Außerdem bietet das Internet viel mehr Ablenkungsmöglichkeiten als die klassische Shoppingmeile, was häufig dazu führt, dass man mehr Sachen kauft, als man ursprünglich wollte.

Der Einzelhandel steckt in der Krise

Nichtsdestotrotz geht der Trend zum Online-Shopping – und der stationäre Einzelhandel steckt in der Krise. Umfragen zufolge kaufen fast zwei Drittel der Deutschen nur noch selten in Warenhäusern ein, jeder zehnte nie. Um dem entgegenzuwirken, setzen Läden auf Rundum-Beratung und guten Service. An sich eine super Idee, die leider häufig an der Ausführung scheitert. Und an unmotivierten, schnippischen und vermutlich schlechtbezahlten Mitarbeitern.

Gewiss, für guten Service war Deutschland noch nie bekannt. Paradox (und geschäftsschädigend) ist es dennoch, dass ausgerechnet in harten Zeiten der Umgangston immer rüder wird. Ob beim Bäcker, am Bahnschalter oder in der Nobel-Boutique: Der Kunde ist König, wird jedoch behandelt wie ein Bettler – und kommt sich oft vor wie ein Narr.

Können Sie sich das leisten?

Im Frühling wollte ich mir eine neue Sonnenbrille kaufen. Schon als ich den Laden betrat, wirkte der Verkäufer genervt. Als ich ihn bat, mir eine bestimmte Brille zu zeigen, musterte er mich arrogant aus dem Augenwinkel und nannte ihren Preis – dreimal innerhalb der nächsten zehn Minuten. Wohlgemerkt: Es hing gut sichtbar ein Preisschild dran. Ein Wunder, dass er nicht fragte: "Können Sie sich die überhaupt leisten?"

Kann ich, will ich aber jetzt nicht mehr. Und eigentlich müsste ich ihn fragen: "Können Sie es sich überhaupt leisten, Ihre Kunden so zu behandeln?" Ich trage jedenfalls immer noch meine alte Sonnenbrille. Mein neuestes Hobby ist nämlich Konsumverzicht. Das schont den Geldbeutel, die Umwelt und meine Nerven.

Welcher Verein in der kommenden Saison seine Heimspiele in welchen Farben, Mustern und Designs bestreitet, sorgt - wie jedes Jahr um diese Zeit - für Diskussionen unter Fußballfans. Grund genug für einen kleinen modischen Anpfiff.

Teaserbild: © Oliver Berg/dpa