Über 15 Millionen Aufrufe und fast 70.000 Kommentare innerhalb von zwei Tagen: Das Video, welches die sexuelle Belästigungen einer Frau im New Yorker Alltag dokumentiert, schlägt hohe Wellen - jetzt erhielt das Opfer der Belästigungen sogar Morddrohungen.

Die meisten Kommentare der Youtube-Nutzer unter dem Video zeugen von wenig Verständnis für Shoshana Roberts. Sie war es, die mit ihrem Video die Belästigungen dokumentieren wollte, denen sich eine Frau in New York alltäglich ausgesetzt sieht.

Der deutsche Nutzer "merksdir Berlin" etwa schreibt: "Ich weiß nicht was sie hat, sieht nunmal top aus, keiner weiß ob sie single ist... wie sollte ich sie also sonst ansprechen?" In diese Richtung gehen die meisten der inzwischen über 70.000 Kommentare. So kommentiert ein Nutzer mit dem Namen "Samrit Machielsen": "Das ist Belästigung? Ich werde in New York nie wieder einem Mädchen ein Kompliment aussprechen. Ich habe gerade realisiert, sie haben es einfach nicht verdient."

"Finden eben einfach, dass Du hübsch bist"

Viele der Kommentare argumentieren damit, dass der Mensch nun einmal ein kommunikatives Wesen sei. So schreibt "neoDarkSquall": "Wir sind Menschen. Man trifft auf den Straßen auf andere Menschen. Warum soll man mit denen nicht reden können? Viele der im Video gezeigten Männer finden eben einfach, dass Du hübsch bist und wollen mit Dir reden."

Die Organisation "Hollaback", die gegen öffentliche Belästigungen eintritt und in Zusammenarbeit mit Shoshana Roberts hinter dem Video steckt, berichtet allerdings auch von drastischeren Reaktionen. So erzählte eine Sprecherin dem "The Wall Street Journal" von Morddrohungen, die sie per E-Mail erhalten hätten. Viele Frauen, die in ihrem Alltag ähnliche Erfahrungen machen würden, hätten sich bei Hollaback allerdings bedankt. Aber auch Männer hätten sich an sie gewandt und eingestanden, dass sie "bis dahin keine Ahnung gehabt hätten, womit Frauen Tag für Tag konfrontiert werden".  © Glutamat