Fynn Kliemann und Caro Daur sind befreundet – soviel ist bekannt. Ein Vertrag, der CORRECTIV vorliegt, zeigt nun, dass die prominente Influencerin an der Firma Kliemannsland beteiligt ist. Auch Karls Erdbeerhof hat investiert.

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Hinter Fynn Kliemann stehen mehr Investoren als bisher bekannt. Obwohl sich der Influencer lange als idealistisches Gegenbild zum renditeorientierten Geschäftsmann präsentierte, hat er sich in den vergangenen Jahren vielfältige Firmenstrukturen aufgebaut – und dabei stützte er sich wohl auch auf seine Kontakte aus der Influencer-Szene.

Laut einem Gesellschaftervertrag, der CORRECTIV vorliegt, soll sich die Caro Daur GmbH, die Firma der prominenten Hamburger Mode-Influencerin Caroline Daur, als stille Gesellschafterin an einer von Kliemanns Firmen beteiligt haben.

Eine stille Beteiligung ist, anders als ein reguläres Gesellschafterverhältnis, nicht in öffentlichen Quellen wie dem Handelsregister ersichtlich. Daur leistete laut dem Vertrag von Oktober 2020 eine Einlage von 25.000 Euro und sicherte sich damit ein Prozent des Jahresergebnisses. Bei ihrem Vertragspartner handelte es sich um Kliemanns Firma Lüttensdorf GmbH, die kurz darauf in Kliemannsland GmbH umbenannt wurde.

Geldspritzen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis

Unter dem Namen "Kliemannsland" betreibt Kliemann einen Bauernhof nahe Bremen, auf dem Kreative das Landleben erkunden sollen. Der Website zufolge handelt es sich um eine "Kreativstätte unbegrenzter Möglichkeiten und Käsefalle für Visionär:innen und Macher:innen" sowie einen Ort, "an dem Spinnereien Realität werden."

Aber dazu gehörte offenbar auch die harte finanzielle Realität: Wie Bastian Ohrtmann, Geschäftsführer der Kliemannsland GmbH, auf Anfrage von CORRECTIV mitteilte, stiegen im Herbst 2020 mehrere stille Gesellschafter in das Unternehmen ein: In dieser Zeit habe die Firma ihr Finanzierungsmodell umgestellt und dafür Geldspritzen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis eingeworben: "Eine stille Gesellschaft war eine schnelle und pragmatische Beteiligungsform", schreibt Orthmann weiter. "So konnten Freund:innen der Idee diese einfach und schnell auch finanziell unterstützen."

Caro Daur beteiligt sich in der Phase der Maskendeals

Caroline Daur antwortete nicht auf die Fragen von CORRECTIV. Sie und Fynn Kliemann schlossen ihren stillen Beteiligungsvertrag gut ein halbes Jahr, nachdem Kliemann zum ersten Mal auf Instagram die Corona-Schutzmasken seiner Partner bei der Firma Global Tactics anpries: "Die Maske kostet 1/10 von den Dingern der überteuerten Profitgeier und rettet ganz nebenbei Arbeitsplätze bei unserem Produzenten in Europa", schrieb Kliemann Ende März 2020.

Vor knapp zwei Wochen hatte das ZDF Magazin Royale aufgedeckt, dass ein erheblicher Teil von Kliemann und seinen Geschäftspartnern beworbenen Masken offenbar nicht – wie behauptet – aus fairer Produktion in Europa stammen. Wie es aussieht, ist eher das Gegenteil wahr: Viele der Masken wurden unter ausbeuterischen Bedingungen in Asien gefertigt. Derweil inszenierten sich Kliemann und seine Partner als selbstlose Krisenhelfer.

Kliemann streitet die Betrugsvorwürfe ab, räumt aber irreführende und übertriebene Aussagen ein.

Knapp zehn Unternehmen lassen sich Kliemann zuordnen

Die Masken hatte er auch unter seinem Label "Oderso" in seinem eigenen Webshop verkauft. Bis mindestens November 2020 waren sie dort im Angebot. Nach eigenen Aussagen im Interview mit dem Spiegel verdiente er daran rund 490.000 Euro. Die Firma Kliemannsland GmbH war an den Maskendeals offenbar nicht beteiligt.

Insgesamt lassen sich Kliemann knapp zehn Unternehmen zuordnen. Neben der Kliemannsland GmbH gehören zu seinem Geflecht unter anderem Investmentfirmen, ein Plattenlabel, eine Modefirma und eine Immobiliengesellschaft.

Dass sich Caro Daur und Fynn Kliemann gut verstehen, ist nicht neu: Daur, die zu den erfolgreichsten deutschen Mode-Influencern zählt, tauchte mehrfach auf Instagram-Fotos mit Kliemann auf dessen Hof auf. Dass sie sich wirtschaftlich beteiligte, war bisher unbekannt. Mehrere Geschäftspartner und Sponsoren haben sich inzwischen von Kliemann abgewandt. Die Baumarktkette Toom, der Energieversorger EWE und die Non-Profit-Organisation Viva con Aqua kündigten ihre Zusammenarbeit mit ihm.

Daur hat sich zu dem Skandal bisher nicht geäußert. Auch auf die Fragen von CORRECTIV zu ihrem geschäftlichen Verhältnis mit Kliemann reagierte sie nicht.

500.000 Euro vom Betreiber von Karls Erdbeerhof

Ein anderer Gesellschafter der Kliemannsland GmbH antwortet ausführlich auf die Fragen von CORRECTIV: Seit Ende 2020 ist auch Karls Investitions GmbH an Kliemanns Firma beteiligt – diese hängt mit Karls Erdbeerhof zusammen. Unter dem Label "Karls" verkauft das Unternehmen unter anderem in Berlin Erdbeeren über eigene Verkaufsstände und betreibt mehrere Familien-Erlebnisdörfer in Norddeutschland. Laut Unterlagen aus dem Handelsregister schoss das Erdbeer-Unternehmen Kliemanns Firma Ende 2020 eine halbe Millionen Euro zu.

Inhaber von Karls Investmentfirma ist Robert Dahl, Chef der Erdbeerhöfe und Themenparks. Dahl schreibt auf Anfrage von CORRECTIV, er habe Fynn Kliemann über seinen Sohn kennengelernt. Kliemann habe ihn im Sommer 2020 angesprochen und gefragt, ob er als Gesellschafter einsteigen und "seine Erfahrung rund um das Thema Erlebnishof" in sein Unternehmen einbringen wolle. Ihm habe die "sprühende, begeisternde Art" Kliemanns gefallen; zudem habe er sich neue Impulse für seine eigenen Erlebnisdörfer erhofft.

Das "Kliemannsland" habe nach einem ähnlichen Prinzip entwickelt werden sollen. Dahl fragt sich inzwischen, welchen Wert seine Geschäftsanteile jetzt noch haben, er schreibt: "Wenn Fynn die Vorwürfe nicht entkräften kann, dann wäre das für uns alle hier sehr enttäuschend." (Correctiv)

Correctiv ist das erste spendenfinanzierte Recherchezentrum in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnetes Medium steht Correctiv für investigativen Journalismus und Faktenchecks. Mehr dazu unter Correctiv.org.
Caro Daur
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