Ruhepausen, ausreichend Futter und Wasser, Schattenplätze, Hitzefrei: In immer mehr europäischen Ländern gibt es Vorschriften, um Kutschpferde vor allem im Sommer zu schützen. Doch auf eine EU-weite Regelung müssen Tierschützer noch warten…

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Griechische Tierschützer wollten es genau wissen: "Panhellenic Animal Welfare and "Environmental Federation", die größte Tierschutzorganisation in Griechenland, schickte eine Anfrage an die EU-Kommission. Sie wollten wissen, was die Kommission für Kutschpferde macht.

Dabei wollten die Tierschützer von der EU-Kommission genau wissen:

  1. Welche Informationen liegen ihr (Anmerkung der Redaktion: der Kommission) über die missbräuchliche Verwendung von Pferden und Nutztieren in den Mitgliedstaaten und insbesondere in Griechenland vor? Und hält sie den derzeitigen EU-Rechtsrahmen für wirksam?
  2. Beabsichtigt sie neue, bereichsübergreifende Maßnahmen vorzuschlagen, um ihren Schutz zu verbessern und ihren Missbrauch zu verhindern?

In der Antwort beruft sich die EU-Kommission auf die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates vom 22. Dezember 2004 über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen. Diese Verordnung "enthält Vorschriften für den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen. Pferde, die selbst als Beförderungsmittel für Personen und Gepäck oder zum Ziehen von Kutschen verwendet werden, fallen nicht unter diese Verordnung", gibt die Kommission unumwunden zu.

Keine EU-Regeln für Kutschpferde

Und sagt auch deutlich, was das bedeutet: "Derzeit gibt es keine EU-spezifischen Rechtsvorschriften über Mindeststandards für den Schutz von Kutschpferden." Zwar gibt es eine weitere Richtlinie (98/58/EG) des Rates, die Mindestschutznormen für Tiere festlegt. Aber: Diese gilt nur für die Tiere, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden. Kutschpferde gehören nicht dazu…

Ob sich die EU-Kommission um Kutschpferde kümmern wird? Ja – sagt zumindest die Kommission. "Wie in der Strategie "vom Hof auf den Tisch" angekündigt, beabsichtigt die Kommission, Gesetzvorschläge zur Überarbeitung der Tierschutzvorschriften vorzulegen." Und es gab sogar schon erste Schritte: "Mit der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde ein Fahrplan für die Entwicklung wissenschaftlicher Gutachten über das Wohlergehen verschiedener Arten vereinbart, der das Wohlergehen von Pferden einschließt, um in Zukunft weitere spezifische Anforderungen zu stellen." Das Problem: Der Fahrplan ist nicht verbindlich.

Pferde sind täglich Misshandlung ausgesetzt

Und so müssen die Kutschpferde weiter leiden – wie in Griechenland. Erst im Juli brach dort auf Korfu ein Kutschpferd zusammen – und starb. In Chania auf Kreta kämpfen die Tierschützer gerade darum, dass dort noch immer Kutschpferde im Einsatz sind. In einem offenen Brief fordern sie die Abschaffung. "Pferde sind täglich körperlicher und emotionaler Misshandlung ausgesetzt", heißt es in dort. "Sie sind extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt und ihre Ruhezeiten sind unzureichend. Diese Bedingungen sind nicht nur moralisch inakzeptabel, sondern können auch für die Sicherheit von Pferden, Fahrern und Fußgängern äußerst gefährlich sein."

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Dass in Sachen Schutz nicht immer an die Pferde gedacht wird, beweist auch die Stadt Wien. Dort haben die Pferde zwar ab 35 Grad hitzefrei – aber nicht, damit es ihnen gut geht. So sollen die Kutscher und Kutscherinnen geschützt werden…  © Pferde.de

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