Wasser, Hopfen, Malz und Hefe - im deutschen Reinheitsgebot von 1516 sind genau diese vier Zutaten für die Herstellung von Bier festgelegt. Viele Brauereien werben zusätzlich mit der besonders reinen Qualität des verwendeten Wassers. Ein Berliner Unternehmen präsentiert jetzt sein Bier aus Abwasser.

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Na dann Prost! Ausgerechnet im Land des Reinheitsgebots gibt es jetzt Bier aus Abwasser. Und es soll sogar genießbar sein. "Wir wollen zeigen, dass gereinigtes Abwasser nutzbar ist und man damit auch hochwertige Getränke herstellen kann", sagt Jens Scheideler von der Herforder Firma Xylem. Das Wasser-Technologie-Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen präsentiert sein Bier mit dem englischen Namen "Reuse Brew" am Montag, 17. Juni, bei einer Konferenz zur Wassergewinnung und Wiederverwertung.

Ein Zeichen gegen Wasserknappheit

1.000 Flaschen und einige Fässer haben die Herforder in Berlin brauen lassen. Allerdings nicht zum Verkauf, sondern für Werbezwecke. "Unser Reuse Brew ist nach allen Regeln der deutschen Braukunst gebraut und enthält neben recyceltem Wasser die besten Zutaten, die ein Craftbier benötigt", sagt Xylem-Anwendungsmanager und Brauingenieur Jan-Karl Nielebock.

Weitere Dürresommer könnten eine sichere Versorgung stark gefährden.

Gerade in Zeiten von drohender Wasserknappheit will die Firma ein Zeichen für die Wiederverwendung von Abwasser setzen. Europa gelte zwar als wasserreich, sagt Schneideler. Doch nicht in allen Regionen seien die Wasservorräte wirklich groß.

Auch in Berlin und Brandenburg nicht, ergänzt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. "Wir haben mit Spree und Havel zwei Gewässer, die die Bezeichnung "Fluss" nicht wirklich verdienen, weil sie zu wenig Wasser führen". Und das trockene Jahr 2018 habe gezeigt, dass die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser durchaus eine Entlastung für die Grundwasservorräte sein könnte.

Erforschung von Abwasser ist vielseitiges Gebiet

Die Berliner Wasserbetriebe beteiligen sich als Partner an dem Projekt, denn auch das Unternehmen erforscht seit Jahren die Aufbereitung von Abwasser. Dazu gehören neben Schmutzwasser aus Haushalten wie Toilettenwasser, Küchenwasser mit Gemüse- und Speiseresten sowie Putz-, Wasch- und Badewasser auch Wasser aus Industrie und Gewerbe und Niederschlagswasser. Letzteres enthält den Schmutz von Dächern, Gärten oder auch Straßen.

Noch wird das gereinigte Wasser aus den sechs Berliner Klärwerken nur in Fließgewässer geleitet und geht wieder ins Grundwasser über, von wo das Trinkwasser gewonnen wird. Doch Bier aus Abwasser - ist das die Zukunft?

Für den Sprecher der Wasserbetriebe ist es "eher ein Gag". "Wir wollen zeigen, dass es zumindest technisch möglich ist." Er glaube auch, dass Bier aus herkömmlichem Wasser besser schmecke. Denn im Gegensatz zum hochgereinigten Wasser enthalte es noch viele Mineralien als Geschmacksträger.

Mit diesen Produkten machen selbst kleine Veränderungen einen großen Unterschied.

Reinigung von Abwasser ein Projekt für die Zukunft

Die Idee ist nicht ganz neu, andere Länder wie die USA oder Tschechien setzten bereits ähnliche Projekte um. "Auch die Technologie zur Reinigung des Wassers ist nicht neu", sagt Natz. An vielen Orten der Welt werde sie eingesetzt, vor allem in Wassermangel-Gebieten in Afrika.

Laut Xylem kann das Wasser in einem mehrstufigen Verfahren so sauber werden, dass es die Qualität vieler Tafelwässer sogar noch übertrifft. Neben Ozon und Aktivkohle können demnach auch Wasserstoffperoxid und UV-Licht eingesetzt werden, um Viren, Keime, Industriechemikalien und andere Schadstoffe zu entfernen.

"Wenn die Energie keine Rolle spielt, kriegen wir Wasser sonstwie sauber", sagt Natz. Doch die Reinigung bis zur höchstmöglichen Stufe sei momentan noch sehr teuer und aufwendig. In Berlin werde derzeit deshalb auch getestet, ob mit der Reinigung in natürlichen Anlagen die Kosten gesenkt werden können. In Zukunft werde Abwasser auf jeden Fall eine größere Rolle spielen als bislang, ist Natz überzeugt. (sus/dpa)

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