Abschiednehmen von Verstorbenen fällt immer schwer. In Zeiten des Coronavirus umso mehr. Eine Trauerfeier ohne Gäste? Oder eine Bestattung mit Online-Übertragung? Das sind Fragen, die sich Trauernde derzeit stellen. Aber auch Bestattern macht die Krise zu schaffen.

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Elke Herrnberger ist im Stress: Ständig klingelt das Telefon. Auch ihre Branche treffen in der Corona-Krise viele Fragen und Unsicherheiten. Die Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Bestatter hält gerade die Webseite auf dem neuesten Stand, um "ihre Leute" zu informieren – und die Bevölkerung.

Auch bei den Bestattern ist die Not groß, die Lager werden zunehmend leerer. Sie brauchen Desinfektionsmittel, Mundschutz und Einweg-Handschuhe, um Verstorbene zu versorgen. Darüber hinaus müssen auch sie die Entwicklungen ständig im Blick haben: Was sagt die Landesregierung? Wie bricht der Kreis oder die Kommune die Verfügungen hinunter? Was gilt jeweils auf dem Friedhof vor Ort?

Gedenkfeier auf später verlegen?

Noch dürfen vielerorts Bestattungen stattfinden. Einige Bundesländer werten Trauerveranstaltungen als private Veranstaltungen, erklärt der Verband auf seiner Webseite. Vermehrt schließen allerdings Städte und Kirchengemeinden ihre Trauerhallen und verbieten auch Abschiedsfeiern.

Der Verband empfiehlt, diese jetzt auf den engsten Familienkreis zu beschränken. Auch dabei gelten Regeln: 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen. Auf Gesten der Anteilnahme wie Händeschütteln oder Umarmungen sollten Trauernde ebenso verzichten.

Einige Städte fordern Angehörige außerdem dazu auf, eine Teilnehmerliste zu führen. So können die Behörden im Fall einer Erkrankung Infektionswege nachverfolgen und andere Trauergäste über das Risiko informieren.

Wenigstens "der engste Kreis der Familie" sollte aber an einer Trauerfeier vor Ort oder am Grab teilnehmen können, betont der Bestatter-Verband. Er regt an, eine größere Gedenkfeier nachzuholen, wenn die Corona-Krise überstanden ist.

Auch technische Notlösungen seien denkbar: Online-Übertragungen der Bestattung übers Internet – oder ein Video, das auf einer späteren Gedenkveranstaltung gezeigt werden kann.

Kampf um Anerkennung als "systemrelevanter" Beruf

Was aber passiert, wenn auch Beisetzungen verboten werden? "Kühlung", sagt Elke Herrnberger nur. Auf die Frage, ob es genug Kühlzellen für Verstorbene gibt, weiß auch sie keine Antwort: "Wir hatten so eine Situation noch nie. Es ist für uns alle neu und für uns alle sehr ernst", bedauert sie.

Der Verband hofft natürlich, dass es so weit nicht kommt. Vor allem kämpfen Herrnberger und ihr Team um Anerkennung. Etwa dafür, in Bezugslisten der Bundesländer für dringend notwendiges Material wie Desinfektionsmittel aufgenommen zu werden.

Außerdem zählen Bestatter – Stand Freitagmittag – nur in Berlin und Baden-Württemberg zur Gruppe der "systemrelevanten" Berufe. Mit diesem Status dürfen auch sie ihre Kinder zur Notbetreuung geben, wenn sie anders nicht weiter ihrem Beruf nachgehen können.

Der Verband empfiehlt seinen 3.500 Mitgliedsunternehmen, Kunden vermehrt übers Telefon, über E-Mail oder Chat zu beraten. Von Beratungsgesprächen außerhalb des Instituts rät er ab: "Hausbesuche sind derzeit nicht empfehlenswert." Größere Institute sollten in Schichten arbeiten, die sich nicht begegnen – damit im Falle einer Erkrankung nicht alle in Quarantäne müssen.

Trauerbegleiter: "Wichtiges Ritual"

Auf der einen Seite sind es die praktischen Folgen, mit denen Bestatter und Angehörige nun zu kämpfen haben. Auf der anderen Seite gibt es die psychischen Probleme – für Trauernde, die sich ohnehin schon in einer Ausnahmesituation befinden: "Für die Verarbeitung eines Verlusts sind die aktuellen Regeln eine gravierende Einschränkung", sagt Norbert Mucksch, Vorstandsmitglied im Bundesverband Trauerbegleitung.

Dass die Maßnahmen nötig sind, stellt er jedoch nicht infrage: "Natürlich können die Verantwortlichen in der aktuellen Lage keine Beerdigung mit 200 Menschen zulassen, die auf engstem Raum in der Friedhofskapelle nebeneinandersitzen."

Dennoch sei die Konsequenz für betroffene Menschen unter Umständen dramatisch: "Manche, die den dringenden Wunsch haben, am Grab Abschied zu nehmen, dürfen das nun nicht. Und diejenigen, die bei der Bestattung dabei sein können, müssen dabei auf die wichtige Solidarität von Freunden und Angehörigen verzichten."

Der Sozialarbeiter und Theologe betont, dass es sich bei Bestattungen nicht nur um ein pragmatisches, notwendiges Vorgehen handele. Sondern um ein wichtiges Ritual mit starker Symbolik: "Der Moment am offenen Grab macht vielen erst deutlich, dass der Abschied nun endgültig ist. Dieses schmerzvolle Erfahren hilft dabei, das Unbegreifliche zu begreifen."

Gemeinsam trauern übers Internet

Auch professionelle Trauerbegleitung fällt nun in vielen Fällen weg, vor allem, wenn sie in Gruppen stattgefunden hat. Längst nicht jeder, der einen Menschen verliert, braucht aber Angebote der Trauerbegleitung, betont Mucksch.

Bestenfalls tragen Freunde und Angehörige einen durch die schwere Zeit des Abschiednehmens. "Aber für Menschen, die isoliert und einsam sind oder bei denen die Umstände des Todesfalls besonders dramatisch oder sogar traumatisch waren, ist professionelle Trauerbegleitung sehr wichtig."

Der 59-Jährige fürchtet, dass Betroffene in der nächsten Zeit zu kurz kommen werden. Was Hilfesuchenden jetzt übrig bleibt, diese Frage ist auch für ihn zurzeit nur schwer zu beantworten: Er rät zunächst einmal dazu, sich mit anderen Betroffenen übers Internet und über soziale Medien zu vernetzen.

"Falls sie ausreichend Antrieb dazu haben." In akuten Fällen könnten die Telefonseelsorge oder Hospizvereine helfen, in deren Reihen sich viele Trauerbegleiter finden.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Elke Herrnberger, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Bestatter
  • Gespräch mit Trauerbegleiter Norbert Mucksch
  • Webseite des Bundesverbands Deutscher Bestatter: bestatter.de
  • Informationen für Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Bestatter

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