Bei der Elektromobilität geht es in England kaum voran. Zwar wurden im Jahr 2023 deutlich mehr als 300.000 batterieelektrische Fahrzeuge zugelassen. Doch während der Neuwagen-Absatz zuletzt stark zulegte – die beliebtesten Autos sehen Sie in der Fotogalerie – verharrt der Anteil der E-Autos bei gut 16 Prozent. Zur Erinnerung: Auch im Königreich sollen und dürfen ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr auf den Markt kommen.

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Mitverantwortlich für die vielen britischen Elektro-Muffel soll Mr.-Bean-Darsteller Rowan Atkinson sein – das sehen zumindest die Fachleute der gemeinnützigen Denkfabrik Green Alliance so. Atkinson hatte vor einigen Monaten im "Guardian" seine Meinung zu Elektroautos öffentlich gemacht. Über dem langen Artikel stand: "Ich liebe Elektrofahrzeuge – und war einer der ersten Anwender. Aber ich fühle mich zunehmend betrogen!"

CO₂-Bilanz der Batterie-Herstellung

Atkinson selbst kann einen Universitätsabschluss in Elektrotechnik und Elektronik sowie einen Master-Abschluss in Steuerungssystemen vorweisen. Sein Interesse für Autos führte ihn nach eigenen Aussagen früh zur E-Mobilität. "Ich habe meinen ersten Elektro-Hybrid vor 18 Jahren und mein erstes reines Elektroauto vor neun Jahren gekauft." Im Guardian-Artikel erklärt Mr. Bean nun weiter die Vor- und Nachteile der E-Mobilität und kommt auf das Thema Treibhausgase. Die würden zwar nicht während der Fahrt, wohl aber in großen Mengen während der Produktion entstehen.

Genau an dieser Stelle musste der Guardian den Artikel inzwischen mehrmals überarbeiten, denn die Aussagen von Rowan Atkinson hielten den Fakten nicht stand. Dabei ging es auch um die Lebensdauer der Lithium-Ionen-Batterien, die von Mr. Bean etwas heruntergespielt wurde. Der Guardian veröffentlichte sogar eine Gegendarstellung mit der Überschrift: "Faktencheck – warum Rowan Atkinson in Bezug auf Elektroautos falsch liegt!" Im Artikel werden verschiedene Aspekte beleuchtet. Der wichtigste: Batterieelektrische Fahrzeuge können die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu heutigen Benzinern um 65 % reduzieren. Und dieser Wert steigt bis 2030 auf 76 %.

Wasserstoff und E-Fuels bessere Lösung?

Doch weil Rowan Atkinson zu den berühmtesten und beliebtesten Briten gehört, dürfte seine Meinung einige Zweifler überzeugen. Als Alternative zum Elektroauto nennt Rowan Atkinson E-Fuels und Wasserstoff. Diese Treibstoffe wären gerade für die Bestandsflotte interessant, die noch lange erhalten werden könne. Dazu nennt er Anwendungsbeispiele wie die Formel 1, die Porsche-E-Fuel-Anlage in Chile oder den Wasserstoff-Verbrenner von JCB.

"Umweltbewusste Freunde fragen mich als Autoliebhaber oft, ob sie sich ein Elektroauto kaufen sollten", erklärt Atkinson. "Ich neige dazu zu sagen, dass wenn es sich bei ihrem Auto um einen alten Diesel handelt und sie viel in der Innenstadt unterwegs sind, sie über einen Wechsel nachdenken sollten. Aber ansonsten erst einmal nicht. Elektrische Antriebe werden eines Tages einen echten globalen Nutzen für die Umwelt haben, aber dieser Tag ist noch nicht angebrochen."

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Ob schädlich für den E-Absatz oder nicht – derzeit wird in England wieder intensiv über das E-Auto diskutiert. Und die Regierung will und muss den Verkauf von Elektroautos weiter ankurbeln – ob mit oder ohne Rowan Atkinson. Denn bis 2050 hat sich auch das Vereinigte Königreich das rechtsverbindliche Ziel gesetzt, die Netto-Treibhausgasemissionen auf Null zu senken. Mit klassischen Kraftstoffen und Verbrennungsmotoren ist das sicher nicht möglich.  © auto motor und sport

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