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Ein Himmelfahrtskommando

Der Weltraum. Unendliche, unbekannte Weiten. Seit Jahrtausenden fasziniert das sternengeschmückte Himmelszelt die Menschen, doch nur wenige konnten bisher in seine Tiefen eintauchen.

Von Jens-Ekkehard Bernerth

Dies soll sich nun ändern. Thomas Kraus, Geschäftsführer von European-Space-Tourist, bietet seit dem Jahr 2000 einen Trip der besonderen Art an: "Space-Tours", wie das Unternehmen seine Reisen hinter den Horizont selbst nennt.

Hierbei handelt es sich um Trips in russischen Kampfflugzeugen, die mindestens in eine Höhe von 26.000 Metern über der Erde führen - ein Passagierflugzeug fliegt in gerade mal 8.000 Meter Höhe. Dabei schafft eine MiG-25 eine Spitzengeschwindigkeit von 2,6 Mach - dabei werden pro Sekunde etwa 777 Meter zurückgelegt. An schönen Tagen kann die Maschine auch in eine Höhe von 28.000 bis 30.000 Meter aufsteigen - je nach Atmosphärenzustand.

In diesen Höhen verwandelt sich das Flugzeug dann förmlich in einen glühenden Wolkenraser. Doch obwohl es bei diesen Manövern bis an die Grenze der Belastbarkeit der Außenhaut geht, müssen sich die Passagiere um die Sicherheit keine Gedanken machen - Kraus' Piloten zählen nach eigenen Angaben zu den weltweit besten ihrer Zunft.

Wer es noch eine Spur brachialer haben möchte, dem empfiehlt Kraus einen Flug in der bis vor kurzem auch von der Bundeswehr eingesetzten MiG-29 oder einer SU-27. Im Gegensatz zu der MiG-25, die auf Geschwindigkeit und Höhe setzt, sind die Stärken dieser Flugzeuge extreme Wendigkeit und eine hohe Beschleunigung. Damit gehen gigantische Fliehkräfte von bis zu acht G einher, die unter normalen Umständen bereits ab sechs G tödlich sind. Pilot und Passagiere müssen daher einen Druckanzug tragen, der das Blut aus den Beinen zurück in den Körper und das Gehirn pumpt - die Todesgefahr über den Wolken ist somit gebannt.

Im Geschwindigkeitsrausch

Thomas Kraus zu den Gefühlen seiner bisherigen Gäste: "Nach dem Flug in einer MiG-29 und Su-27 kann es sein, dass die Leute aus dem Flugzeug getragen werden müssen. Bei der MiG 23 und MiG-25 hingegen kommen die Meisten ganz entspannt raus und schwärmen von dem Geschwindigkeitsrausch und den Sichtweiten. Die MiG-23 ist auch eher ein Anfängerflugzeug, bei dem der Druck maximal sechs G beträgt, bei einer MiG-25 nur circa fünf."

Neben den rasanten Flügen in Kampfmaschinen bietet European-Space-Tour auch einen Ausflug in die Welt der Schwerelosigkeit namens Zero-G-Flight an. Durch ein spezielles Manöver, dem so genannten Parabelflug, wird im Innenraum eines riesigen Transportflugzeugs vom Typ Iljushin für 20 bis 30 Sekunden völlige Schwerelosigkeit erzeugt - lustiges Durcheinanderpurzeln beim Erreichen der normalen Verhältnisse inklusive.

Aber auch an vorsichtige Hobby-Astronauten, die nicht gleich von 0 auf Mach 3 gehen wollen, wird gedacht. Das Unternehmen bietet fünf verschiedene Kurse an, die dem braven Bürger von Nebenan einen ersten Einblick die Ausbildung eines Astronauten erlauben. So muss sich der angehende Himmelsstürmer im Tieftauchbecken, in der Zentrifuge und in Übungsflügen in allen Flugzeugen seinen Weg zu den Sternen erarbeiten. Um die Authentizität und Professionalität zu unterstreichen, werden diese Kurse zusammen mit angehenden russischen Astronauten absolviert.

Die Voraussetzungen für ein Erlebnis dieser Art sind nicht sonderlich hoch, von einer dicken Geldbörse mal abgesehen. Bevor es von Schukowskij, einer Luft- und Raumfahrtstadt unmittelbar in der Nähe von Moskau aus in die Lüfte geht, muss man im Vorfeld ein fliegerärztliches Attest vorlegen. Um Visum und Unterkunft kümmert sich das Unternehmen.

Und spätestens wenn man Mond, Sterne und das schwarze Weltall unmittelbar vor Augen und die gekrümmte Erde in all ihrer Schönheit unter sich hat, vergisst man wohl für einen kurzen Moment die fünf- bis dreizehntausend Euro, die ein solcher Trip mindestens kostet.

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