Gewalt und Angst prägen den Alltag palästinensischer Kinder im Westjordanland. UNICEF Sprecher James Elder war vor Ort und zeigt sich äußerst besorgt um die Kinder.
Beispiellose Siedlergewalt im besetzten Westjordanland macht Kindern und Jugendlichen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF das Leben schwer. "Was sich derzeit abspielt, ist nicht nur eine Eskalation der Gewalt gegen palästinensische Kinder, sondern auch die schrittweise Zerstörung der Lebensbedingungen, die Kinder zum Überleben und Aufwachsen benötigen", sagt UNICEF-Sprecher James Elder.
Elder berichtete nach einem Besuch im Westjordanland über eine Frau, der beide Arme gebrochen worden seien, als sie damit ihr vier Monate altes Baby vor dem Knüppel eines angreifenden Siedlers schützen wollte. Auf ihren achtjährigen Sohn Ezzaldin sei mit einem Holzknüppel so sehr eingeschlagen worden, dass er mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gekommen sei.
Schulen geraten zu Orten der Angst
Nicht nur Wohnungen und Häuser, sondern auch Schulen und die Wasserversorgung werden regelmäßig zur Zielscheibe. Immer wieder werden Barrieren errichtet, sodass die Kinder immer öfter nicht zur Schule kommen. In Notfällen ist auch der Weg in eine Klinik oft versperrt.
"Schulen, die eigentlich Orte der Sicherheit und Geborgenheit sein sollten, werden zunehmend zu Orten der Angst", sagt Elder. "Angriffe auf Schulen und die Verweigerung des Zugangs zu Bildung für Kinder stellen schwerwiegende Verletzungen der Kinderrechte dar, die langfristige Folgen für ihre Sicherheit, ihr Wohlergehen und ihre Zukunft haben."
Zugang zu Wasser eingeschränkt
Laut OCHA (Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) sind in 2026 bereits mehr als 60 Wasser- und Sanitäranlagen beschädigt worden - und das oft mutwillig. Das sei sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch für die Gesundheit von Kindern bedrohlich.
Der ungehinderte Zugang zu Wasser ist laut einem Beschluss der Vereinten Nationen von 2010 ein universelles Menschenrecht. Wird der Zugang eingeschränkt, ist das ein Angriff auf die Würde der Menschen.
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Immer mehr Verletzte
Seit Anfang des Jahres sind Elder zufolge 2.500 Palästinenserinnen und Palästinenser vertrieben worden, darunter 1.100 Minderjährige. Im März wurden nach Angaben des UN-Nothilfebüro OCHA so viele Menschen von Siedlern verletzt wie nie innerhalb eines Monats seit Ausbruch der Gewalt 2006: insgesamt rund 170 Menschen. Zudem würden 347 Minderjährige in israelischem Gewahrsam festgehalten, so viele wie seit acht Jahren nicht mehr.
Israel treibt den Siedlungsbau für Israelis im Westjordanland massiv voran. Der Bau verstößt nach UN-Angaben und dem Internationalen Gerichtshof gegen das Völkerrecht. Danach ist es einer Besatzungsmacht nicht erlaubt, ihre Bevölkerung in besetztem Gebiet anzusiedeln. (dpa/bearbeitet von cm)
Verwendete Quelle
- ochaopt.org: Humanitarian Situation Report | 23 April 2026