Trotz Warnungen fehlt es an Hilfe: Im Sudan leiden laut Experten etwa 19,5 Millionen Menschen unter akuter Ernährungsunsicherheit. Die Lage gilt als "äußerst besorgniserregend".

UN-Organisationen warnen angesichts der Hungerkrise im Sudan vor einer weiteren Verschlechterung der Lage. Die Bedingungen in dem Land, in dem seit mehr als drei Jahren Krieg herrscht, seien "äußerst besorgniserregend", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie forderten einen schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe.

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), das Welternährungsprogramm (WFP) sowie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beriefen sich auf die jüngste Analyse der IPC (Integrated Food Security Phase Classification), einer weltweit als Autorität für Ernährungssicherheit anerkannten Initiative. Mitglieder der Initiative sind knapp zwei Dutzend UN- sowie Hilfsorganisationen.

Demnach sind etwa 19,5 Millionen Menschen - also zwei von fünf Menschen im Sudan - von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 14 Millionen Menschen sind der Analyse zufolge in der sogenannten IPC-Phase 3, die von akutem Hunger geprägt ist.

Mehr als 5 Millionen sind in der IPC-Phase 4, mit der ein humanitärer Notfall gekennzeichnet wird, und etwa 135.000 Menschen in der letzten IPC-Phase 5 - dann ist von Hungersnot-ähnlichen Zuständen die Rede.

Viele mangelernährte Kinder in Nord-Darfur

Im vergangenen Jahr war in Al-Faschir, der Hauptstadt der Region Nord-Darfur, die IPC-Phase 5 festgestellt worden. Die Miliz RSF hat die Stadt nach eineinhalbjähriger Belagerung im vergangenen Herbst eingenommen. Viele Einwohner flüchteten von dort nach Tawila, wo Zehntausende unter äußerst prekären Bedingungen in provisorischen Lagern leben.

Zwei Mitarbeiter der Welthungerhilfe, die in Tawila und Nord-Darfur unterwegs sind, sprachen von einer großen Zahl deutlich unterernährter Kinder in den Lagern. Hinzu komme der Mangel an therapeutischer Zusatznahrung, die normalerweise von Hilfsorganisationen geliefert werden, um dem Hunger zu begegnen. Doch die humanitäre Hilfe im Sudan ist derzeit dramatisch unterfinanziert.

Verschlechterung der Lage befürchtet

In der jüngsten Analyse werden keine Gebiete identifiziert, in denen eine Hungersnot herrscht. Die Lage bleibe dennoch äußerst fragil und instabil. "Es wird erwartet, dass sich die Lage während der mageren Jahreszeit zwischen Juni und September weiter verschlechtert", hieß es.

"Um weiteres Sterben und Hunger zu verhindern, müssen wir die landwirtschaftliche Nothilfe dringend ausweiten und die lokale Nahrungsmittelproduktion stärken", sagte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu.

Die Versorgung der Menschen ist häufig schwierig. In der Region Kordofan, in der sich RSF und Regierungsarmee bekämpfen, belagert die RSF Städte und lässt keine Hilfstransporte durch. Zudem steht die Regenzeit bevor, die viele Straßen unpassierbar macht.

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UN-Organisationen fordern Waffenstillstand

FAO, WFP und UNICEF fordern in ihrer Mitteilung angesichts der Lage einen "sofortigen Waffenstillstand, den Schutz von Zivilisten und ziviler Infrastruktur durch die Konfliktparteien sowie einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang zu allen vom Konflikt betroffenen Gebieten".

Die drei Organisationen appellieren zudem an die internationale Gemeinschaft, die Finanzierung von humanitärer Hilfe in dem Land dringend aufzustocken. (dpa/bearbeitet von cm)