"Dr. Tod" zersägt seine Sex-Leichen
Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, reagiert "Dr. Tod" damit auf die Kritik der Richter, er stelle mit seinem so genannten "Schwebenden Akt" die Emotionen des Paares zur Schau - Von Hagens hatte die Leichen so arrangiert, dass ihre Körper sich im Rausch des Liebesakts räkeln, ihre Gesichtszüge die Lust am Sex erkennen lassen.
Ein vorab ausgesprochenes Ausstellungsverbot der Stadt Augsburg für den "Schwebenden Akt" hatte er ignoriert und die kopulierenden Leichen trotzdem in seiner Ausstellung gezeigt. Oberbürgermeister Kurt Gribl von der CSU ließ den Ausstellungsraum daraufhin von der Feuerwehr sperren und sprach gegen den Leichen-Plastinator ein Zwangsgeld von 10.000 Euro aus.
Damit die Emotionen der Toten fortan nicht mehr erkennbar sind und sowohl die Richter als auch die Stadt Augsburg nichts mehr zu beanstanden haben, hat von Hagens den Toten jetzt kurzerhand Oberkörper und Beine abgesägt.
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Vom Liebespaar bleiben kaum mehr als die Geschlechtsorgane übrig und die Gerichtsentscheidung verliert ihre Grundlage, so das Kalkül des streitbaren Mediziners, der durch seine "Körperwelten"-Ausstellungen berühmt wurde.
Den so veränderten Leichen-Akt will von Hagens schon bald wieder der Öffentlichkeit präsentieren: "Ab Dienstag zeige ich nur den Geschlechtsakt – ohne Körper und erregte Gesichtszüge." Das letzte Wort im Streit um die Augsburger Ausstellung scheint also noch nicht gesprochen zu sein.
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muselgrusel
Sonntag, 04.10.2009, 17:47 Uhr "Ich meine....die Ausstellung hätte ich im 18. Jahrhundert noch unter volksaufklärerischen Gesichtspunkten befürwaortet...aber doch nicht im 21.Jahrhundert wo jeder, der will, sich solche Infos vil besser in modernen Filmen, auf Hochglanzfotos, in Sachbüchern und in höchster Qualität in Computerprogrammen holen kann, fällt dieser Aspekt einfach weg. Kunst mit Leichen ist verboten. Also wo liegt die Berechtigung in einer solchen Show außer darin, die morbide Sensationsgier vieler Menschen zu befriedigen?" Es besteht doch ein Unterschied zwischen einer präparierten Leiche auf dem Computerbildschirm, und einer Real so wie sie da steht, existierenden oder? "*Ich finde, die Grenze, sollte sich jeder Mensch selbst ziehen.* Womit wir wieder bei Gladiatorkämpfen wären. Es gäbe genug freiwillige...und Millionen die zahlen würden um es zu sehen. Wieso also nicht? Offenbar ist doch alles erlaubt, wenns gefällt....." Ist da nicht ein Unterschied? Bei dem einen, sind die Menschen schon tot, bei dem anderen sind sie noch nicht tot, und werden getötet?! -
BisschenDenker
Freitag, 02.10.2009, 17:56 Uhr @fritzturbo: >Aber wenn es für dich eine positive Wirkung erzielen konnte, ist es ja gut.< Damit das aber so sein kann, muss es die Ausstellung ja erstmal geben. (Meinetwegen auch ohne Sex habende Leichen, DEN Tabubruch brauche ich auch nicht). >Ich mag das einfach nicht. Letztlich geht es ja auch um Geschmack.< Mit DEM Standpunkt kann ja eigentlich jeder ganz gut leben. Das heisst, man muss lediglich an den äußeren Erscheinungsformen feilen, stellt aber das Grundprinzip nicht in Frage. Das klingt sehr gut. -
fritzturbo
Dienstag, 22.09.2009, 12:32 Uhr Hallo Bisschendenker Du hast mir ja eine Menge Wortmaterial gepostet. Die Argumente dafür und dagegen wiederholen sich aber immer wieder. Auch wenn du dir die Mühe gemacht hast auf viele einzelnen Punkte einzugehen. Als zusammenfassende Antwort kann ich dir sagen, dass ich froh darum bin, dass es noch Totenkulte gibt und ich es nicht für notwendig halte, dieses Tabu zu brechen. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass wir an zuviel Enttabuisierungen leiden. Ich finde die Haltung des Tabubruchs auch unzeitgemäß, da inflationär. Was als Einstellung so modern und liberal daherkommt, ist oft veraltet. Außerdem denke ich, dass Liberalität viel Eigenverantwortung voraussetzt, d.h. dass man auch über seine Wurzeln und überlieferte Werte Bescheid wissen sollte, um dann zu entscheiden, ob man sie überhaupt brechen muß. Ich glaube auch, dass ich dies krasse Art der Darstellung nicht brauche, um mit meinem Körper besser umzugehen. Es ist mir zu laut und zu marktschreierisch und zu sensationslüstern. Mir reichen auch leisere Töne. Aber wenn es für dich eine positive Wirkung erzielen konnte, ist es ja gut. Ich mag das einfach nicht. Letztlich geht es ja auch um Geschmack. -
BisschenDenker
Montag, 21.09.2009, 16:07 Uhr @fritzturbo: >Entweder leugnen sie sie, indem in der Kultur beispielsweise die Unsterblichkeit der Seele einen wichtigen Platz einnimmt, oder sie nehmen den Tod als absolutes Ende wahr. Anfangs entwickeln sich neue Modelle, die der voran gegangenen Kultur entgegengesetzt sind. Am Ende scheitert dies jedoch daran, dass die ausgeklammerte Alternative kulturell unlösbare Probleme aufwirft.< Da sind wir doch heut gut dran. Wir schliessen weder aus, dass es eine unsterbliche Seele gibt, noch tun wir so, als wäre sie sicher vorhanden. In dem wir alle beiden Möglichkeiten offen halten, haben wir ja dannn ach dieser Theorie alle Möglichkeiten, eine Stabilität zu erreichen, die die Antike nicht gehabt hat. >Borkenau führt das neue Zeitalter der Barbarei also ursächlich auf das Ende der Metaphysik zurück. Dies liefert ihm eine Erklärung für die Völkermorde des 20. Jahrhunderts. In der vergleichenden Völkermordforschung wird das Erklärungsmuster als zu grob kritisiert.< Würde ich so auch sagen (nach der kurzen Zusammenfassung, die ich hier jetzt zu lesen bekam). offtopic: Wie würden denn der Theorie nach die Gräuel der Inquisition erklärt? Wäre das schon der Auflösung des Glaubens an das Metaphysische zuzuschreiben? Immerhin waren daVinci und all die anderen, diei die Kirche herausforderten und somit u.a. Antriebsfeder für die kirchliche Inquisition waren, durchaus noch komplette Anhänger des Metaphysischen, weil das gar nicht ihr Forschungsgebiet war. Ist dann das Spätmittelalter ein Zeitalter der Barbarei oder eines des Aufbaus eines neuen Kulturkreises? Die Tatsache einer Wellenbewegung in - unter anderem auch - Sachen Einstellung und Gegeneinstellung haben schon andere postuliert, ohne sich dabei allzu weit auf das glatteis von gründen für diese Wellenbewegungen zu wagen. -
BisschenDenker
Montag, 21.09.2009, 15:50 Uhr @janno: >Klares NEIN, es verstößt gegen gute Sitten, Anstand und Moral. Wer hier als Medizinstudent meint, er könne sinnvollen Nutzen aus diesen Präparaten ziehen, verbrämt seine morbide Neugier genauso pseudowissenschaftlich wie der Laie, der ansonsten auch nur Tod und Teufel googelt.< Das "nein" ist längst nicht so klar, wie Du das hier darstellst. Vielleicht für Dich, aber nicht allgemeingültig. Auch ist morbide Neugier per se nichts Schlechtes. Ohne solche wüssten wir bis heute nicht, wie der menschliche Körper funktioniert. Morbide Neugier gehört zu Menschen, wie das Atmen. Und ja, der normale Laie zieht einen Nutzen aus dieser Ausstellung, wesentlich mehr wahscheinlich als der Medizinstudent, der das Ganze ja auch in anderem Rahmen zu sehen bekommen kann. Der Laie sieht (eventuell, sofern vorhanden) seine morbide Neugier befriedigt und wird im Idealfall (der hier gar nicht so selten sein dürfte) zum Nachdenken angeregt, wie denn wohl sien eigenenr Körper aussähe, wenn er denn da stünde, ob es okay ist, sich so ausstellen zu lassen, was das denn für ihn persönlich bedeuten würde etc. . Diese ganze Diskussion hier zeigt doch, dass diese Ausstellung dazu taugt, Leute über Dinge nachzudenken, mit denen sie sich sonst u.U. nie befasst hätten. Das würde ICH schon mal positiv werten. Eine anatomische Sammlung in einer Uni (die Du weiter unten erwähnst) schafft das nur bei einem sehr kleinen Personenkreis. >Ich habe nach wie vor nichts dagegen, menschliche Plastinate auszustellen, dann aber bitte in dem Rahmen, in dem das in jeder anatomischen Sammlung universitärer Institute stattfindet, nämlich sinnvoll präpariert und in neutraler Haltung und nicht kopulierend, schachspielend oder sonstwie "aktiv".< Wie schon oben gesagt: So erreicht man, dass sich wesentlich mehr Menschen mit dem menschlichen Körper, der Seele oder Nichtseele darin, der Frage nach dem Tod und der Frage nach dem eigenen Ich beschäftigen, als es die anatomischen Sammlungen universitärer Institute (die zudem nicht mal öffentlich zugänglich sind) je schaffen würden. Und das ist schon etwas, was zählt. Mit Deinem Argument gäbe es heute keine medizinischen Atlanten, denn die Spezialisten zu der Zeit, wo die ersten Untersuchungen an Leichen durchgeführt wurden, waren auch der Meinung, dass der gemeine Pöbel sowas (also das wissen um den Aufbau des Menschen) gar nicht zu wissen braucht. Und was nun das "sonstwie aktiv" angeht, so ist das nur ein Werkzeug, um einen Bezug zum Betrachtenden herzustellen, der auf diese Weise die Distanz verliert zwischen sich und dem Ausstellungsstück. Ein neutral stehendes Skelett ist ein Ausstellungsstück, etwas, was mit mir nichts zu tun hat. Ein radfahrendes oder Sex habendes Skelett ist dagegen etwas, das ich morgen schon (fast) sein könnte. Insofern is tdie aktivität das, was meine Fantasie anregt, sich mit dem Gezeigten zu identifizieren, in dem Gezeigten einen Spiegel meiner selbst zu sehen. In dem Moment, wo das erreicht wird, sehe ich einen Erfolg der Ausstellung. -
BisschenDenker
Montag, 21.09.2009, 15:33 Uhr @Grummelpups: Ein sehr interessanter Ansatz! >Also fändest du Kinderpornos, die nur am Rechner entstanden sind (also ohne echte Kinder), auch ok (um mal Deinen seltsamen Vergleich wieder aufzugreifen)?< Warum eigentlich nicht? Ein Kinderporno, bei dessen Entstehung kein Kind beteiligt wäre, hätte ja streng genommen nichts Unmoralisches mehr, weil kein Kind verletzt, und auch nicht die Würde irgendeines Kindes beeinträchtigt würde. Das wäre ein Ideal, wenn es denn beim Konsum solcher, am Rechner, ohne Kinderbeteiligung entstandenen, Videos bliebe. -
BisschenDenker
Montag, 21.09.2009, 15:29 Uhr @fritzturbo: Das wiederum ist ein guter Beitrag. >O.K. wenn es die Absicht ist, sich darüber hinwegzusetzen, hat Hagens "Kunst" seine Berechtigung. Aber was hat er davon?< Die Frage ist eigentlich egal. Wichtiger ist die Frage, was wir davon haben. Ich persönlich hatte eine Menge davon. Ihm könnte man unterstellen, dass es ihm um's Geld geht, oder dass er damit ein persönliches Sendungsbewusstsein befriedigt. Beweise für das eine oder andere haben wir, die wir ihn nicht näher kennen, ohnehin nicht. >Ethische und moralische Gesetzmäßigkeiten aufzulösen? Und ist dies in unserer Generation überhaupt notwendig?< Sehr schwer zu beantworten, ob das notwendig ist, oder nicht. Betrachtet man die Geschichte, kann man zu jedem Zeitpunkt behaupten, das es sowohl notwendig, als auch absolut überflüssig war. Einzig sicher Tatsache ist nru, dass wir ohne jeden einzelnen Tabubruch der Vergangenheit heute nicht exakt dort wären, wo wir sind. Ob es gut oder schlecht ist, dort zu sein, wo wir sind, ist wiederum eine Frage, die wir nciht beantworten können, weil uns der objektive Abstand fehlt. >Sollten wir uns nicht gerade im heutigen Wirrwar der Ausuferungen und den Schreien nach Werten und Anprangerungen des Verfalls uns wieder besinnen?> Könnte man mit "ja" beantworten. Nur, nützt es da in diesem sinne etwas, sich gerade um Leichen in einer Ausstellung Gedanken zu machen, wenn anderswo extra Soldaten getötet werden um sie bzw. in dem man sie durch die Straßen schleift? Oder anders gefragt, hört das auf, wenn man hier die Ausstellung im Hinblick auf Achtung der Leiche schliesst? Wieviel Einfluss auf wirklich wichtige Werte hat es, wenn man Leichen mehr wie das betrachtet, was sie sind, nämlich lediglich organisches Material? Und wie hohl sind die Moralbegriffe bereits, die Du mit den Leichen verknüpfst. Manche mit der Beerdigung verknüpften Rituale werden nur aus Höflichkeit eingehalten, haben aber keinen seelischen Inhalt. Und auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass Hinterbliebene einen Toten weniger ehren, nur weil der (auf eigenen Wunsch z.B.) später in einer von Hagens-Ausstellung auftaucht. Ich will damit sagen, dass der Respekt vor einem verstorbenen Menschen, den wir kannten, nicht abnimmt, nur weil anderswo ein verstorbener Mensch, den wir nicht kannten, in der beschriebenen Weise verwendet wird. Schliesslich sind uns ANDERE verstorbene Menschen naturgemäß sowieso egal (und das ist natürlich und gut so) und wir nehmen in der Regel (über 90%) deren Tod nicht mal zur Kenntnis. >Solange es noch "in" ist, keinen gemeinsamen nützlichen Konsens der Menschlichkeit (Moral) finden zu wollen - ja Bestrebungen herrschen, ihn weiterhin aufzulösen zu wollen - wird sich der Wildwuchs ungehindert fortentwickeln.< Ich weiss nicht, ob das so in ist. Immerhin entwickeln sich - automatisch - überall dort, wo irgendein Konsens eingerissen wird, neue. Nur eben andere als vorher. Ob die gut, schlecht, besser oder schlechter sind, ist nahezu unmöglich festzustellen, weil sowohl Ursachen, als auch Auswirkungen so ungeheuer komplex sind.
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