Marcel Reich-Ranicki lehnt TV-Preis vor laufenden Kameras ab
Noch als der berüchtigte Literaturkritiker über den roten Teppich in Köln stolzierte, war er laut "Bild"-Zeitung bester Laune. Zusammen mit Film-Produzentin Katharina Trebitsch und seinem Sohn Andrew soll er bereitwillig für die Fotografen posiert haben. 90 Minuten später kam es aber bei der Gala zum Eklat.
Moderator Thomas Gottschalk wollte Reich-Ranicki den Fernsehpreis für sein Lebenswerk überreichen, doch der polterte drauf los: "Ganz offen gesagt, ich nehme den Preis nicht an. Es ist schlimm, dass ich das erleben musste". Reich-Ranicki war über "diesen Blödsinn" sehr erbost. Die drei Stunden in Köln seien "überflüssig" gewesen.
Die seltsame Situation wollte Moderatoren-Titan Thomas Gottschalk retten. Er bot Reich-Ranicki an, mit den Verantwortlichen von ARD, ZDF und RTL über die Qualität des deutschen Fernsehens in einer Sendung zu diskutieren. Der Literaturpapst nahm die Offerte skeptisch an, doch wollte er den Preis trotzdem nicht in die Hand nehmen.
Der sichtlich verwirrte Moderator übergab den Plexiglas-Obelisken stattdessen TV-Produzentin Katharina Trebitsch. Thomas Gottschalk soll laut "Spiegel" nach der Szene gesagt haben: "Ich gehe mal kurz hinter die Bühne und trinke ein bisschen Hustensaft." Die Aufzeichnung des zehnten deutschen Fernsehpreises wird heute Abend im ZDF ausgestrahlt.
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ram5
Donnerstag, 30.10.2008, 16:43 Uhr Seinen Nicht ; sonst hätte er den Preis angenommen.- -
chirrincocaLoca
Donnerstag, 23.10.2008, 18:57 Uhr wenns n mißverständnis war ok, geld versaut trotzdem den charakter!!!!! -
Psychatroniker
Donnerstag, 23.10.2008, 13:26 Uhr Respekt!!! 134 Seiten Kommentare hat Herr Reich-Ranicki hier erreicht! Wenn ich mich nicht irre, ist das ganz weit vorne und er hat damit ganz Deutschland erreicht! Ich denke, gut 98% der Deutschen geben ihm Recht - und der Rest arbeitet fürs Fernsehen und traut sich nach dem Rauswurf von Elke Heidenreich nicht mehr, seine Meinung kundzutun... -
ram5
Mittwoch, 22.10.2008, 14:45 Uhr nein,nein,nein! das war ein Missverständnis- man hat ihn überlistet! -
chirrincocaLoca
Mittwoch, 22.10.2008, 14:08 Uhr leider leider mußte ich heute lesen dass rainicki seinen auftritt mit werbung für die telekom(?) versilbert. das hätte er nicht tun sollen. das bestätigt: geld versaut den charakter, keiner ist unbestechlich, kommt nur auf die summe an. -
ram5
Dienstag, 21.10.2008, 23:51 Uhr Übrigens allen sehr zu empfehlen der folgende Artikel von Carolin Emcke in der `Zeit´: Qualität im Fernsehen - Der Skandal der Intendanten Wir sehen nun also Gottschalk und den eben noch erbosten Kritiker in heimeliger Kulisse des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus gegebenem Anlass" über das Fernsehen sprechen. Damit soll dann der Eklat schnell vergessen sein. Dabei war nicht Marcel Reich-Ranickis Auftritt ein Eklat, wie es zahllose Medien am Tag nach der Preisverleihung behaupteten, sondern der Umgang mit seiner Kritik. Ist eine kollektive Amnesie ausgebrochen unter den Kommentatoren, die jetzt über die bevorstehende Sendung schreiben als sei dies ein Zeugnis von Selbstkritik, und nicht einfach nur ein Sedativ, mit dem hinweggetäuscht werden soll darüber, wie schäbig sich die Intendanten gerade benehmen? Erinnert niemand mehr, worum es in Gottschalks Angebot eigentlich ging? Ein Gespräch mit den zuständigen Intendanten hatte der Moderator von der Bühne herunter angeregt. Dabei hatte er die einzelnen Sender-Verantwortlichen in den ersten Reihen vor laufenden Kameras abgefragt, ob sie dazu bereit wären. Zumindest die Chefs der öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten für jeden sichtbar genickt. Was ist daraus geworden? Warum soll dieses Versprechen nun nicht mehr gelten? Bei aller Liebe zu dem freundlichen und selbst-ironischen Gottschalk - damit ist der Skandal der Kritik des Fernsehens nun wirklich zu einem Skandal geworden, nämlich zu einem der Intendanten. Die Sender-Verantwortlichen zeigen heute Abend durch ihre Abwesenheit, dass sie sich als Un-Verantwortliche verstehen. Gewiss (das hatte auch Reich-Ranicki am Abend der Preisverleihung selbst ganz deutlich gesagt) gab es wunderbare Produktionen, die dieses Jahr zu Recht von der Jury mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet wurden: Eric Friedlers Dokumentation Das Schweigen der Quandts, der von Connie Walther gedrehte Stasi-Film 12 heißt: Ich liebe dich oder auch die Contergan-Produktion sind exzellente Beispiele für die Fähigkeit des Fernsehens, auch komplexe, sozial und politische relevante Themen in eine schöne Erzählform zu bringen.Es stand also niemals das Medium an sich auf dem Prüfstand. Und alle, die die Kritik von Reich-Ranicki einfach als Pauschalverurteilung abtun oder die den Kritiker als alten Greis pathologisieren wollten, haben nichts verstanden. Die Abwesenheit der Intendanten heute belegt vielmehr, dass die Kritiker des Fernsehens seine eigentlichen Verteidiger sind. Reich-Ranicki und auch Elke Heidenreich (in ihrer leidenschaftlichen Kritik in der FAZ) haben doch vor allem eins gezeigt: dass sie überhaupt noch einen Anspruch haben. Nur wer eine hohe Erwartung hat, kann enttäuscht werden. Nur wer an die Möglichkeiten des Fernsehens glaubt, kann kritisieren, dass es unter seinen Möglichkeiten bleibt. Nur wer an die Fähigkeit des Mediums glaubt, komplexe, intelligente und spannende Geschichten zu erzählen, kann kritisieren, wenn es diese Fähigkeit nicht "abruft". Wer sich über die Kritik von Heidenreich echauffiert und behauptet, sie käme einer Kündigung gleich, versteht nicht, dass ihre Leidenschaft genau das ist, weswegen ihre Sendung Lesen! so gern geschaut wird. Wenn Heidenreich sagt, sie "schäme sich, für so einen Sender zu arbeiten", dann wäre das also ein Grund zur Beförderung, nicht zur Entlassung. Dennoch prüft" nun das ZDF die Zukunft ihrer Sendung. Schämen kann sich aber nur, wer ein Gefühl für eine Normverletzung empfindet; schämen kann sich nur, wer sich identifiziert; schämen kann sich nur, wer sich mitverantwortlich fühlt für etwas Schamloses, Demütigendes, Verletzendes, Entblößendes. In der Scham artikuliert sich erst der Blick des Anderen, in der Scham erst wird die Außenwelt in das eigene Selbstverständnis hineingeholt, in der Scham erst zeigt sich eine Person oder eine Gemeinschaft als selbstbewusst und selbstkritisch zugleich. An den Schamgrenzen markieren Gesellschaften ihr eigenes moralisches oder ästhetisches Selbstverständnis. Wer Scham empfindet, drückt damit immer auch seine Zugehörigkeit aus.Das Gespräch zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki zeigt vor allem das, was es nicht ist: eine Auseinandersetzung der Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender mit denjenigen, die an ihrem Medium wirklich hängen, eine Auseinandersetzung mit denjenigen, die die vielfältige Niveaulosigkeit nicht einfach gleichgültig lässt, die noch ringen um das Fernsehen, die es noch nicht aufgegeben haben. Die Kritiker des Fernsehens sind seine eigentlichen Liebhaber - und nicht sie sind der Skandal, sondern die, deren Schönrederei nur Ausdruck von Gleichgültigkeit und Schamlosigkeit ist. -
ram5
Dienstag, 21.10.2008, 23:48 Uhr Nun,nun- Gottschalk hat mich jetzt hier in der Folgesendung und in den Kommentaren die er abgab doch sehr enttäuscht,schade. aber ranicki war cool! auch Elke, wie hiess sie noch gleich, Scheibenkleister nein Heidenreich.-
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