Marissa Nadler - The Sister
Die Biografie der 1981 in Washington geborenen Musikerin bietet jede Menge Anknüpfungspunkte, um das aus den langsamen und beinahe kargen Songs hervortretende Gemüt mit Küchenpsychologie zu ergründen. Mutter Pamela Joyce ist abstrakte Malerin mit einem Hang zum Okkultismus, der ältere Bruder war Gitarrist und ist mittlerweile ins Schriftstellerfach gewechselt - Kunst in jeder Ecke des Elternhauses, sozusagen.
Dass sie Musikerin wurde, ist also vielleicht nicht verwunderlich. Eher schon die Tatsache, dass Nadler den Themenkomplex Herzschmerz, den sie bisher mit ihrem einprägsamen Mezzosopran-Gesang und spärlich gezupften Gitarren untermalte, auf "The Sister" vernachlässigt. Nicht dass die kurzweiligen acht Songs keine durchgängige Melancholie verströmen würden, aber textlich ist das Mitteilungsbedürfnis der Songwriterin vielfältiger geworden. Zwischen entfernten Streichern, gelegentlichen Klangteppichen und gezupfter Gitarrenbegleitung singt sie von positiven Erinnerungen aus der Kindheit, von Freundschaft, neuer Liebe und der Natur.
Eine gewisse Distanz zu allem Gewöhnlichen scheint ihr dabei wichtig. Sie legt das unaufdringliche Kunstverständnis einer Kate Bush an den Tag, präsentiert ihre Lieder mit der mitreißenden Traurigkeit eines Elliott Smith. Nadlers schaurig-entwaffnende Miniaturen kommen auch den Songs von Joni Mitchell ziemlich nahe. Und trotzdem scheint Marissa Nadler sich zwischen Melancholie, Folk und der schweren Wehmut der Orchestermusik eine ganz eigene, ganz private Schublade gezimmert zu haben, in die sie sich jederzeit beruhigt flüchten kann.
Bewertung: akzeptabel
Marissa Nadler
| Titel: | "The Sister" |
|---|---|
| Label: | Box Of Cedar |
| Vertrieb: | Cargo |
| Erscheinungstermin: | 01.06.2012 |
| EAN-Code: | 0656605773223 |
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