Ganz leise, ohne große Gesten. Dort oben, in einem Wolkenkratzerbüro, treffen sich schlicht zwei Menschen, die aufeinander gewartet haben. Regisseurin Zabou Breitman ("Claire - Se souvenir des belles choses") setzte Ana Gavaldas triviale Romanvorlage "Ich habe sie geliebt" mit intimer Einfühlsamkeit grandios um. Im Kino unter Wert gelaufen (35.000 Besucher) ist ihr Film auf DVD unbedingt eine Entdeckung wert.
Aus dem ersten Treffen entwickelt sich eine dieser großartigen Liebesgeschichten, wie sie nur noch selten erzählt werden. Dabei beginnt "Ich habe sie geliebt" mit dem Ende einer Liebe: Chloé (Florence Loiret-Caille) wurde von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen, ihr Schwiegervater Daniel nimmt sie und die Kinder zur Ablenkung mit in die Berge und erzählt Chloé seine eigene Geschichte.
Langsam und geschickt verschiebt Breitman die Perspektive: Daniel wird vom Beobachter zum Akteur, erinnert sich an den 8. Juni 1990, den Tag, an dem er Mathilde (Croze) traf. Zu diesem Zeitpunkt war Daniel bereits verheiratet, hatte Kinder, eine Firma, ein Ferienhaus. Aus ihrer Begegnung wird eine Affäre, aus stiller Leidenschaft eine kraftvolle Liebe - in den Hotelzimmern auf der ganzen Welt, in denen sich das Paar heimlich trifft.
Und doch: Feigheit, Bequemlichkeit, Angst - am Ende fehlt Daniel der Mut, sich seiner Liebe hinzugeben. Stärke und Verletzlichkeit schließen sich nicht aus, wo Glück ist, ist auch Leid. Und so gehört Daniels Ehefrau Suzanne (Christiane Millet) die stärkste Szene des Films. In einer Pizzeria fleht sie ihren Mann an, sie nicht zu verlassen: "Ich bin nichts ohne Dich"- keine Liebeserklärung, sondern die schmerzhafte Selbsterkenntnis einer gebrochenen Frau.
Ein Happy End ist im Leben nicht zwingend vorgesehen. Manchmal bleiben nur gebrochene Herzen und die Erinnerung an die eigene Mutlosigkeit übrig. Aber auch die Gewissheit, einmal im Leben geliebt zu haben. Das mag, gar nicht mal zu Unrecht, als leicht, seicht und banal bezeichnet werden. Aber es ist auch betörend, weil die beiden fantastischen Hauptdarsteller Auteuil und Croze den Mut haben, sich emotional zu offenbaren - ohne Scheu vor großen Gesten.
Mal in warmen und satten Farben, mal kühl und trist: Die Bildqualität der DVD ist ordentlich und gibt die Stimmungen des Films gut wieder. Schärfe und Kontrast sind überzeugend, der Sound ist dem Film angepasst und sehr zurückhaltend. Der fast einstündige Bonusteil enthält neben einem ausführlichen und informativem Making Of, ein Interview: Hauptdarsteller Daniel Auteuil erklärt darin, warum die einfachsten Liebesgeschichten die schönsten sind.
Ich habe sie geliebt
| Genre: | Drama |
|---|---|
| Entstehungsland: | F |
| Entstehungsjahr: | 2009 |
| Regie: | Zabou Breitman |
| Hauptdarsteller: | Daniel Auteuil, Marie-Josée Croze, Florence Loiret-Caille u.a. |
| Vertrieb: | Eurovideo |
| Studio: | Concorde |
| Bildformat: | 1,85:1 (anmorph) |
| Tonsystem: | DTS / Dolby Digital |
| Sprachen: | Deutsch (DTS 5.1 / DD 5.1), Französisch (DD 5.1) |
| Untertitel: | Deutsch |
| Extras: | Interview Daniel Auteuil (Darsteller); Making Of |
| FSK: | 6 |
| Laufzeit: | 110 Min. |
| Preis: | ca. 16 Euro |
| VÖ: | 14.01.2010 |
| EAN-Code: | 4010324027689 |
Bewertung
| Filmbewertung | Bild | Ton | Extras |
|---|---|---|---|
| ausgezeichnet | gut | gut | gut |
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