Finale bei "Voice of Germany"
"The Voice of Germany" war mit einem großen Versprechen angetreten: Die ganz andere Casting-Show, bei der nur die Stimme zählt, die Teilnehmer mit Respekt behandelt werden und die Chance bekommen, von einem erfahrenen "Coach" zu lernen.
Jetzt sind aus den Teams von Nena, Rea Garvey, BossHoss und Xavier Naidoo nur noch jeweils die letzten Hoffnungsträger übriggeblieben, und klar wird: Eine Casting-Show kann nur so anders sein, wie es die Gesetze der Musikindustrie erlauben. Auch nach dem "blinden" Aussieben der Kandidaten in den ersten Runden, bei denen die Jury sie nicht sah, könnte jeder der vier sofort auf ein "Bravo"-Poster. Jeder passt in eine Nische der in Zielgruppen denkenden Industrie. Die Website zur Sendung ist mit Werbung zugepflastert. Geschäft ist Geschäft?
Singen können die vier jedenfalls. Als sie in einem dpa-Interview gebeten werden, kurz ihre aktuellen Wettbewerbs-Singles anzustimmen, zaubert Kim Sanders ("Team Nena") aus dem Stand heraus eine nahezu perfekte, raumfüllende Vorstellung. Die Wahl-Berlinerin aus dem US-Bundesstaat Indiana ist schließlich ein Profi mit zwei Soloalben und sang schon Ende der 90er Jahre für das Disco-Pop-Projekt Culture Beat, wenn auch nach deren erfolgreichster Zeit mit "Mr. Vain".
Auch die eher schüchtern wirkende Ivy Quainoo und der Rotschopf Michael Schulte entfalten scheinbar mühelos ihre kräftigen Stimmen. "Ich bin kein so großartiger A-Capella-Sänger", grummelt hingegen Max Giesinger, den sein Coach Xavier Naidoo im Halbfinale dem erfahreneren Mic Donet vorzog. Und nein, ist er nicht. Muss er aber auch nicht sein: Der 23-jährige hat eine markante, leicht heisere Stimme und bringt ein Bad-Boy-Image und einen kräftigen badischen Akzent ("Der Bürgermeischter hat angerufe.") mit.
Max und Michael scheinen es leichter zu haben als die beiden Finalistinen. Sie albern herum, laden gemeinsame Videos auf YouTube hoch, wie die verwackelte Aufnahme aus einem ICE-Abteil, in der Michael den aktuellen Hit Video Games zu einem gefühlvolleren Lied macht als Lana Del Rey. Wenn einer gewinnt, will der andere bei der Tour im Vorprogramm singen.
Im Finale tritt jeder drei Mal auf: Allein, mit seinem Coach und im Duett mit einem Star. So singt Giesinger mit Katie Melua, in die er sich schon "als kleiner Junge ein bisschen verguckt" habe und Kim mit Chartstürmer Marlon Roudette.
Für den Sieger fängt der richtige Kampf am Freitag aber auf jeden Fall erst an. Denn die bisherigen Casting-Champions sind in Deutschland schnell aus den Charts verschwunden, mit Ausnahme der No Angels vor mehr als zehn Jahren. "Ich denke, wir haben die besten Voraussetzungen, die es jemals bei einer Casting-Show gab, etwas Ordentliches auf die Reihe zu bekommen", sagt jetzt Giesinger. Diese Casting-Show könne man nicht mit anderen in einen Topf werfen.
ProSiebenSat.1 lockte mit "The Voice" immer wieder vier bis fünf Millionen vor allem junge Zuschauer vor die Fernseher - eine anständiger Marktanteil, der allerdings ausgerechnet zum Halbfinale vergangene Woche einbrach, als "The Voice" von der 1000. Sendung von "Wer wird Millionär?" überrollt wurde. Das Versprechen der "ganz anderen Casting-Show" konnte die Sendung vielleicht nicht so recht einlösen: Bei den Live-Shows hatte man manchmal das Gefühl, dass sie auch von einer Konkurrenzsendung hätten sein können, die Sticheleien und das Mitwippen der Jury-Mitglieder wirkten gelegentlich aufgesetzt. Wie dem auch sei: Das Format war so erfolgreich, dass bereits die Kandidaten-Suche für die zweite Auflage läuft.
48 Meinungen zu "Wer wird "Voice of Germany"?"
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gtKlaus
Freitag, 10.02.2012, 15:49 Uhr Oh Herr, warum hast du deinen Kindern die Möglichkeit genommen, Unterhaltung mit Niveau zu genießen, sind die Privatsender die Vorboten der Hölle, bitte lass es wieder zu, dass sich unsere TV Kanäle mit Niveau füllen und lass deine Kinder nicht an Dummheit sterben!!! -
ginopilo
Freitag, 10.02.2012, 12:21 Uhr Rüdiger - jetzt fällts mir wieder ein - also doch schon so lange her. -
Monele
Freitag, 10.02.2012, 11:04 Uhr Nachdem die Besten sowieso schon nach und nach rausgeflogen sind ist die Sendung für mich uninteressant geworden. Ich schaue nicht mehr weiter,es ist mir total egal wer gewinnt. -
Predator321
Freitag, 10.02.2012, 10:04 Uhr Na mal gut, dass die Geschmäcker so verschieden sind...aber wenn man hier so manche sinnfreien Kommentare liest, könnte man echt meinen, da sind welche neidisch. Aber auch das ist typisch für die Gattung Mensch. Ich finde diese Sendung mit eine der Besten, die die letzten Jahre produziert worden ist. Meine Favoriten sind leider auch schon alle raus, aber ist ja halt auch nur mein Geschmack gewesen. Ich für meinen Teil wünsche Ivy viel Glück...tolle Stimme...und tolle Coaches natürlich ;) -
ginopilo
Freitag, 10.02.2012, 09:41 Uhr Die Sendung hat leider enttäuscht, so dass ich mir schon die letzte nicht mehr angeschaut habe. Allen voran Nena - Weltstar? schaurig, schaurig. Kommentare zum weglaufen. Das Gestammel war ja nicht mehr zu ertragen - wirres gesabbel, wie eine Drogensüchtige. Rea kam mir zumindest als einer der einzigen ehrlich rüber, aber die Vermarktung machte auch bei ihnen nicht halt. BossHoss von anfang an grotten schlecht - null Ahnung, aber Ivy rettet ihnen bestimmt gerne den Hintern. Am meisten hat mich Naidoo enttäuscht - er hat sich bereits mit den Rauswurf von der besten Stimme der Nation oder des Unsiversums disqualifiziert. Jetzt ist nur noch PR angesagt - nicht mehr sehenswert.
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