Analyse: Jetzt sind Diplomaten statt Richter am Zug
Jetzt hat ihm die Regierung von Ecuador einen echten Freundschaftsdienst erwiesen: Assange bekommt politisches Asyl in dem südamerikanischen Land - ein "signifikanter Sieg", wie er selbst kommentierte.
Man wolle ihn vor Verfolgungsrisiken vor allem in den USA schützen, sagte Außenminister Ricardo Patiño am Donnerstag in der Hauptstadt Quito. Das ist zumindest eine Geste, auch wenn Assange weiter festsitzt und bei Verlassen der Vertretung jederzeit festgenommen werden kann. Den Australier verbindet eine Freundschaft zu Ecuadors Präsidenten Rafael Correa, der als USA-Kritiker gilt.
Ecuador hat spätestens mit diesem Schritt den Fall Assange auf eine neue Ebene gehievt. Nicht mehr Richter und Staatsanwälte diskutieren über den Gründer der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks, sondern Regierungen und Diplomaten. Die Gespräche finden zwischen Ecuador, Schweden, Großbritannien und wahrscheinlich auch den USA statt. Jeder will seine Interessen durchsetzen, jeder will sein Gesicht wahren. Assange kann das nur recht sein: Er und seine Anwälte um den spanischen Menschenrechtler Baltasar Garzón lauern auf einen Fehler, den er für sich ausschlachten kann.
Der erste dürfte am Donnerstag den Briten unterlaufen sein. Das Außenministerium in London grub ein fast schon vergessenes Gesetz aus dem Jahr 1987 aus, mit dem einst die libysche Botschaft in London nach der Ausweisung der Diplomaten wieder in britischen Besitz überführt werden sollte. Auf dessen Grundlage könne man in die Botschaft Ecuadors eindringen, drohten die Briten offen dem südamerikanisichen Land. Die Folge war ein Aufschrei: "Die Kolonialzeit ist vorbei", polterte Außenminister Patiño in Quito.
Und auch britische Diplomaten schüttelten den Kopf über die diplomatische Unvorsichtigkeit. "Das war wohl ein Fehler", sagte der ehemalige britische Botschafter in Moskau, Tony Brenton, in der BBC. Man stelle sich nur vor, andere Länder würden sich das britische Beispiel zum Vorbild nehmen und entgegen den Bestimmungen der Wiener Konvention von 1961 in die diplomatischen Vertretungen anderer Länder eindringen. "Das kann sogar eine Gefahr für unsere Diplomaten im Ausland darstellen", sagte Brenton.
Das Außenministerium in London ruderte noch am Donnerstag zurück. "Es gibt keine Androhung, die Botschaft zu stürmen", sagte der britische Außenminister William Hague. Man sei aber enttäuscht darüber, dass Assange nun Asyl gewährt worden sei. London hoffe aber weiterhin auf eine "Verhandlungslösung", die es Großbritannien erlaube, seine Verpflichtungen aus der Auslieferungsgesetzgebung zu erfüllen.
Dennoch reagierte Ecuador verschnupft. Der sichtlich verärgerte Außenminister kündigte an, er werde seine Amtskollegen der südamerikanischen Länder zusammentrommeln, um eine gemeinsame Haltung zum Verhalten Londons zu erarbeiten. Der Unterstützung des britischen Erzfeindes Argentinien kann er sich schon einmal gewiss sein.
Ecuador hatte in den vergangenen Wochen versucht, auf diplomatischem Wege einen Kompromiss in der Causa Assange hinzubekommen. Die schwedischen Behörden lehnten es aber ab, nach London zu reisen, um Assange in der britischen Hauptstadt zu verhören. Ein ähnliches Angebot hatte es vor anderthalb Jahren schon einmal gegeben. Damals wäre Assange nach eigener Darstellung sogar bereit gewesen, in die schwedische Botschaft zu kommen, um sich vernehmen zu lassen.
Für seine Unterstützer nährt diese schwedische Weigerung die Theorie, es gehe in Skandinavien längst nicht nur um Vergewaltigungsvorwürfe. "Julian ist kein Vergewaltiger", sagt sein Freund Vaughan Smith, bei dem er 13 Monate lang gewohnt hatte, als er während seines Auslieferungsverfahrens gegen Kaution auf freiem Fuß war. "Er hat bei mir gewohnt, zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter", sagte Smith in der BBC.
Bis es eine Lösung gibt, sitzt Assange weiter in der Falle - und die britischen Behörden stecken in einer Zwickmühle. Geben sie dem Australier kein freies Geleit, bleibt es bei der Patt-Situation. Gewähren Sie es ihm, brechen sie ihre Verpflichtung, den von der schwedischen Staatsanwaltschaft erwirkten EU-weiten Haftbefehl gegen Assange zu vollstrecken. Der Fall Assange bleibt vertrackt. "Es kann noch eine beachtliche Zeit dauern", meint Außenminister Hague. Und Assange gibt ihm ausnahmsweise einmal recht: "Die Zeiten werden stressiger", erklärte der Australier.
5 Meinungen zu "Diplomaten statt Richter am Zug"
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Habi1
Montag, 20.08.2012, 11:28 Uhr Assange wird nicht politisch verfolgt, steht vielmehr auf Fahndungslisten. Er hat ein Asylgesuch eingefädelt mit Hilfe seiner Winkeladvokaten ausgerechnet bei der Botschaft Ecuadors in London. Der Mann muß "Dreck am Stecken" haben, wer bitte sucht Asyl dort, wo Finsterniß herrscht? -
wolf33
Montag, 20.08.2012, 09:19 Uhr Anstatt z.B. die Kriegsverbrecher zu verurteilen, die wahrlos Zivilisten erschossen haben, wird hier einer "verfolgt" der diese Dinge an die Öffentlichkeit gebracht hat. Völlig absurd. So als ob man den Polizisten verfolgt anstatt den Straftäter, der die Taten begangen hat. -
Quertreiber
Freitag, 17.08.2012, 11:50 Uhr Es wäre schon wünschenswert , wenn sich hier nur Bürger die der deutschen Sprache auch mächtig sind, äußern dürften.Ein Gebabbel wie hier von wuerttembergFN ist eine Geschmacklosigkeit die am Thema vorbei geht. -
wuerttembergFN
Freitag, 17.08.2012, 09:44 Uhr Wiedr e Lümple meh, des en so ra Bananerepublik en Südamerika ondrschlupft. Do passt der no. No bessr zom Presidente Rothemmmetles-Hugo noch Venezuela, do send dann die richtige Vergewaltigr beianandr. Ond so a Galgevögele vu dr Ecuadorianische Regierongsmafia plärret vor dr Weltpress ommanandr....Machet den Botschafts-Lade zua wia e Schleckergschäftle ond schicket des Gsocks als personae non gratae noch Laeinamerika zruck...
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