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24.02.2012, 16:44 Uhr

Drittes Frühchen in Bremen von resistentem Keim befallen

(dpa/jwo) - Auch an einem dritten Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte sind potenziell gefährliche resistente ESBL-Krankenhauskeime entdeckt worden. Bereits am Donnerstag waren dort in Folge einer Routineuntersuchung bei zwei Frühgeborenen sogenannte ESBL-Klebsiellen bemerkt worden. Nun reagiert die Gesundheitsbehörde auf die Vorfälle einen Aufnahmestopp für die Frühchenstation verhängt.

Vorerst darf die Bremer Frühchenstation keine Neugeborenen mehr aufnehmen, berichtet "Spiegel.de". In dem Krankenhaus waren im vergangenen Jahr mindestens drei Frühchen an einer Infektion mit den Bakterien gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in insgesamt sechs Fällen wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung. Woher die Keime kamen, blieb unklar.

Zwei der drei nun betroffenen Frühchen seien im einem gesundheitheitlich sehr stabilen Zustand und wiesen keinerlei Anzeichen für den Ausbruch einer Infektion auf, teilte der Klinikbetreiber mit. Sorgen bereite aber das dritte Baby, weil es sich bei diesem im Gegensatz zu den anderen beiden um ein sehr kleines und damit anfälliges Frühgeborenes handle, sagte eine Sprecherin.

Krankenhausbetreiber und Bremer Gesundheitsbehörde verhängten einen Aufnahmestopp für die Frühgeborenenstation, die erst im Januar nach sehr umfangreichen Desinfektions- und Prüfmaßnahmen wieder eröffnet worden war. Die Gesundheitsbehörde forderte nach eigenen Angaben außerdem ein Expertenteam des Robert-Koch-Instituts (RKI) des Bundes an, um die Ursache des neuen Auftretens der Keime zu klären. Fünf Spezialisten sollten noch am Abend eintreffen, sagte eine Sprecherin von Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD).

Nach Klinikangaben ist derzeit noch unklar, ob es sich bei dem Keimen auf den drei Frühchen um Vertreter desselben Stammes handelt. Ebenso offen ist, ob der Erregertyp mit dem identisch ist, an dem im vergangenen Jahr Kinder starben. Die Analysen in einem Speziallabor in Bochum dauerten etwa drei Wochen.

Auf der Frühchenstation selbst seien sofort "umfangreiche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen" ergriffen worden, teilte der Krankenhausbetreiber mit. Die betroffenen Kinder seien von anderen isoliert worden. Auch das Personal, das diese betreue, werde streng von anderen Patienten getrennt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Laut Gesundheitsbehördensprecherin wurden zudem alle Mitarbeiter der Frühchenstation verpflichtet, sich auf Keimbefall untersuchen zu lassen.

ESBL-Klebsiellen sind Bakterien, die im Darm jedes Menschen vorkommen. Sie werden zu gefährlichen sogenannten Krankenhauskeimen, wenn sie mutieren und resistent gegen Antibiotika werden. Für Erwachsene sind sie trotzdem harmlos, Frühchen ohne funktionierendes Immunsystem sind jedoch bedroht. ESBL-Fälle kommen in Kliniken häufiger vor, in der Regel handelt es sich aber eher um Einzelfälle.

© AFP

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6 Meinungen zu "Aufnahmestopp für Klinik"

  • FreakyC
    Samstag, 25.02.2012, 08:00 Uhr
    Multiresistente Keime entstehen gerade in Krankenhäusern, da hier viele verschiedene Antibiotika auf engem Raum eingesetzt werden. Die Forderung nach mehr Hygiene ist logisch, aber nicht unbedingt zielführend. Bevor man weiß, ob mangelhafte Hygiene seitens der Klinik das Problem ist, oder ob sich die Kinder z.B. über ihre Mütter infiziert haben, kann man meiner Meinung nach niemandem einen Vorwurf machen. Multiresistente Keime entstehen aber auch in Tiermastanlagen, vor allem in der Geflügelmast. Und sie können das Problem in Krankenhäusern verschärfen, da jeder Mensch sie potentiell in sich tragen und dadurch in eine Klinik eintragen kann. Wer ist denn hier jetzt schuld?
  • Fatima
    Samstag, 25.02.2012, 07:51 Uhr
    Kebsiellen leben nicht im Einmachglas. Hat man schon Ergebnisse, wo das Umfeld der Mütter eine Rolle spielt und wer zu ihnen Kontakt bekam. Es immer leicht, der Klinik den Vorwurf zu machen, wenn draußen einer rumläuft und gezielt vorinfiziert und dann ist der Schuldige der DEPP.
  • galantuomo
    Samstag, 25.02.2012, 07:32 Uhr
    @DrMedDentZA Genau so einen Menschen habe ich ich in der Verwandtschaft. Man kann sich den Mund fusselig reden, von wegen Mindesteinnahme und warum sie so wichtig ist, und hört dann: "Aber wieso denn, es geht mir doch wirklich schon besser, da brauche ich keine Tabletten mehr." Was will man da noch sagen - Die Chefin meiner damaligen Freundin hat schon vor ungefähr vierzig Jahren gegen die ausufernde Verschreibung von Antibiotika gewettert und Schlimmes vorausgesagt. Kluge Frau!
  • DrMedDentZA
    Freitag, 24.02.2012, 17:47 Uhr
    Schuld an multiresistenzen ist jeder, der wegen jedem Furz zum Arzt rennt, dann antibiotika frisst und sie selbsttätig vor der Mindesteinnahmezeit absetzt. Oder sehr schön sind solche Aussagen: "Ich hab mich nicht wohlgefühlt, da hab ich mal eine von den Amoxicillin dingern genommen die noch vom letzten mal übrig waren." Solchen HillBillys könnt ich glatt eine verpassen.
  • entspannte
    Freitag, 24.02.2012, 17:11 Uhr
    Es ist langsam besorgniserregend, dass es in Kliniken zu immer mehr Komplikationen oder Todesfällen aufgrund multiresistenter Keime kommt, als aufgrund der eigentlichen Erkrankung. Und gerade die Vorfälle auf den Frühchenstationen häufen sich. Man weiß doch um die Anfälligkeit dieser kleinen Patienten. Warum wird da nicht noch strenger auf die Hygiene geachtet? Warum wird immer nur reagiert, wenn was passiert anstatt agiert und vorgebeugt, damit nichts passiert?
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