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10.01.2013, 12:32 Uhr

Kicken mit Rücken

Kreuzschmerzen plagen nicht nur Alterslahme und Schreibtischsklaven - auch blutjunge, topfitte Fußballspieler haben "Rücken". Das harte Training geht an die Wirbelsubstanz und kann eine hoffnungsvolle Karriere vorzeitig beenden

Jeden Morgen beginnt die Hölle aufs Neue: Der Rücken schmerzt, jedes Bücken, jede unbedachte Bewegung schießt ins Kreuz. Der Mann, der von diesen Tortur erzählt, ist kein hühnerbrüstiger Nerd und auch kein Herr in mittleren Jahren: Tobias Killer, 19, blonder Schopf, schlanker Wuchs, ist auf dem besten Weg, Fußballprofi zu werden. Seit vier Jahren spielt er in der Jugendmannschaft des Traditionsvereins TSV 1860 München. Bis auf diese verflixten sechs Monate im vergangenen Jahr, als sein Rücken streikte. "Das war schon hart", sagt er heute lakonisch.

Schmerzendes Kickerkreuz

Tobias ist keine Ausnahme, sondern fast schon die Regel: "In der Hälfte unserer Trainingsgespräche geht es auch um Rückenprobleme", berichtet Frank Thömmes, der die 14-Jährigen der "60er" trainiert, auf einem Pressegespräch in München. Das bestätigt auch eine Untersuchung der Schön Klinik München Harlaching. Dazu wertete das Team um Michael Mayer die Angaben von 1.100 bayrischen Vereinsspielern zwischen 12 und 19 Jahren aus.

Das Ergebnis: "Rund 40 Prozent haben mit Kreuzweh zu kämpfen, mehr als ein Drittel von Ihnen mindestens einmal wöchentlich", erklärt der Mediziner.Denn abruptes Abstoppen und Drehbewegungen belasten nicht nur Knie und Fußgelenke, sondern auch die Wirbel. Mädchen trifft der Schmerz im Kreuz häufiger als Jungen. "Vielleicht weil sie weniger Muskeln haben und ihr Bindegewebe weniger fest ist", so der Mediziner. Auch wer im Tor steht, hat häufiger als andere Spieler Probleme mit dem Rücken: "Torwarte sind weniger austrainiert als Angriffsspieler - und sie sind größer und schwerer."

Risse im Wirbelkörper

Dass der Schmerz im Kreuz keine Lappalie ist, musste auch Tobias erfahren: Die Diagnose erbrachte Risse in den Wirbeln. Aber das junge Talent hatte Glück. Ruhiggestellt in einem Korsett und verdonnert zur sportlichen Abstinenz, heilten die Schäden völlig aus. "Oft wird aber vorschnell eine Zerrung oder Muskelverspannungen vermutet und die Angelegenheit verschleppt", weiß Mayer.Nicht selten bedeutet Rückenprobleme ein vorzeige Karriere-Aus: Eine Befragung von Ex-Profispielern zeigte, dass 15 Prozent aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung und 22 Prozent aufgrund von Rückenbeschwerden ihre Sportlaufbahn vorzeitig beenden mussten.

Glatze, Bierbauch, Schnarchen: Hilfe bei Männerproblemen. >

Inzwischen versuchen die Vereine gegenzusteuern. Ein präventives Aufwärmprogramm, das der Fußballverband Fifa unter dem Motto 11+ propagiert, soll die Zahl der Verletzungen insgesamt reduzieren und auch Rückenbeschwerden vorbeugen.

Immer jünger, immer besser spielen

Trainer Thömmes ist indes skeptisch: Zwar praktizieren auch seine Jungs das empfohlene Aufwärmprogramm - ausreichend aber sei es nicht, warnt Thömmes. Seine 14-Jährigen absolvieren acht bis neun Trainingseinheiten pro Woche plus ein Spiel. "Die Summe der Belastungen ist einfach zu hoch."  Vor allem in Phasen, in denen der Körper mit Wachstumsschüben oder hormonellen Veränderung  beschäftigt ist, ist er schlicht überfordert.

Trotzdem steigt der Leistungsdruck auf die jungen Spieler kontinuierlich: "Sie sollen in immer jüngeren Jahren immer besser spielen - das geht auch auf Kosten der Gesundheit."  An der Schön Klinik will man nun untersuchen ob zusätzliche Übungen das Rückenschmerzrisiko weiter reduzieren. Den Druck auf die jungen Spieler  mildert man dadurch nicht - im Gegenteil.

Auch Tobias macht Extraübungen, die seinen labilen Rücken stärken sollen. Das bedeutet für ihn einen noch größeren Zeitaufwand: "Ich geh jeden Tag eine halbe Stunde eher zum Training als die anderen."  30 Minuten mal acht - das ist nochmal ein halber Arbeitstag zusätzlich.

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Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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Alle News vom: 10. Januar 2013 Zur Übersicht: Gesundheit

2 Meinungen zu "Kicken als Rücken-Killer"

  • akasha88
    Freitag, 01.06.2012, 12:18 Uhr
    ich hab mir nur die überschrift durchgelesen. wie traurig, die armen fußballspieler. Mir wurde bekannt, dass ein Fußballspieler von Wolfsburg 20.000 netto im Monat bekommt. Begkleidung, Auto, Sprit, Wohnung etcwird alles kostenlos zur Verfügung gestellt, dh 20.000 zum verballern. Bürojobs, Handwerkerjobs usw haben auch Rückenleiden bei einem, wenns gut geht monatlichen gehalt von 2.000 brutto!!!
  • Kaefers
    Freitag, 01.06.2012, 11:42 Uhr
    Mir ging es ähnlich. Ab der C-Jugend hatte ich mit Rückenproblemen zu kämpfen. Eine Physiotherapeutin hatte mir aber letztendlich geholfen, sie hatte bemerkt dass meine Rückenmuskulatur sehr schwach und teils nicht vorhanden war. Mit speziellem Training zur stärkung der betroffenen Muskeln wurde es aber gut. Ein Problem das auch entsteht weil im Jugendbereich oft falsch trainiert wird und keine Gymnastik gemacht wird die die Rückenmuskulatur stärkt und Problemen entgegenwirkt. Es muss beim Fussball der ganze Körper trainiert werden, nicht nur die Beine. Nun bin ich selbst Jugendtrainer und achte da sehr drauf. Zum Beispiel mit "Schwimmeinheiten". Macht Spass, erfrischt im Sommer und trainiert alle Muskeln, auch den Rücken.

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