Megaupload-Gründer Schmitz gegen Kaution auf freiem Fuß
Der Richter Nevin Dawson hatte im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Bedenken, den 38-Jährigen auf freien Fuß zu setzen. Neben der Beschlagnahmung seines Vermögens sei auch seine Familie ein Grund, weshalb Schmitz ein Interesse daran habe, in Neuseeland zu bleiben, argumentierte Dawson. Sollte er fliehen, würde er alles verlieren und ein Leben als Flüchtling führen. Als Auflage darf Schmitz nicht ins Internet gehen und muss in seinem Anwesen in Auckland bleiben, es sei denn, es gibt einen medizinischen Notfall.
Bei zwei früheren Anhörungen hatten die Richter eine Freilassung abgelehnt, weil eine "extreme Fluchtgefahr" des Internet-Millionärs bestehe. Es sei möglich, dass er noch über Konten im Ausland verfüge und kriminelle Verbindungen habe, die ihm eine Flucht ermöglichen könnten. So könne er etwa nach Deutschland fliehen, das seine Staatsbürger nicht an die USA ausliefere. Dieser Argumentation wollte der Richter Dawson aber nicht folgen.
Schmitz sagte, er sei erleichtert, nach einem Monat seine drei kleinen Kinder und seine schwangere Frau wiederzusehen. Drei weitere am 20. Januar gemeinsam mit Schmitz festgenommene Verantwortliche des inzwischen geschlossenen Online-Speicherdienstes waren bereits zuvor auf Kaution freigekommen. Sie alle sollen sich massiver Internetpiraterie schuldig gemacht haben, da Megaupload das Herunterladen von urheberrechtsgeschützten Werken ermöglichte.
Der Anwalt von Schmitz, Paul Davison, sagte, sein Mandant sei entschlossen, weiter gegen die US-Vorwürfe zu kämpfen. Diese hätten "keinerlei substanzielle Basis". Die Entscheidung des Richters, Schmitz auf Kaution freizulassen, ist ein Rückschlag für die US-Justiz, die eine Auslieferung der vier Megaupload-Verantwortlichen fordert. Eine Anhörung zu den Auslieferungsanträgen soll voraussichtlich am 20. August stattfinden. Sollte Schmitz vor ein US-Gericht gestellt werden, droht ihm die Maximalstrafe von 20 Jahren Haft.
Die US-Behörden werfen Schmitz, der seinen Nachnamen in Dotcom ändern ließ, vor, allein im Jahr 2010 durch seine Internetaktivitäten 42 Millionen Dollar (rund 32 Millionen Euro) verdient zu haben. Megaupload bot seinen Nutzern seit 2005 an, Daten im Internet zu speichern und dort auch anderen zur Verfügung zu stellen. Dies ist an sich nicht illegal. Allerdings wurde die Plattform auch dazu genutzt, Raubkopien etwa von Musik, Filmen und Software zu verbreiten. Rechteinhabern soll so ein Schaden von 500 Millionen Dollar entstanden sein.
Nach der Festnahme von Schmitz am 20. Januar sorgten Berichte über sein luxuriöses Anwesen und seinen extravaganten Lebensstil für Aufsehen. In seiner Villa beschlagnahmte die Polizei einen rosa Cadillac und andere Luxusautos sowie wertvolle Kunstwerke. Anwohner beschwerten sich immer wieder über die lauten Partys des aus Kiel stammenden einstigen Hackers. In einem Internetvideo ist der 38-Jährige umgeben von barbusigen Frauen auf einer Motorjacht vor Monaco zu sehen, wie er mit Champagner um sich spritzt.
© AFP
207 Meinungen zu "Kim Schmitz gegen Kaution frei"
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juttaemmerich
Dienstag, 28.02.2012, 10:28 Uhr Er wird das erstemal darüber nachdenken, wie schön es wäre 70 kilo weniger zu haben, und unerkannt mit falschen Papieren nach hause zu seiner Mutter zu fliehen, um von da aus wieder alles anzuschieben, der hat einen gravierenden VORTEIL, er weiß wie es geht, und dieses Wissen nimmt mann ihm nicht mehr -
Spellon
Donnerstag, 23.02.2012, 15:23 Uhr Wohin soll er auch fliehen, die Amis holen ihn sowieso da raus, egal wo er sich versteckt und egal wie die Gesetzeslage in dem Land ist. Naja vielleicht baut er sich diesesmal einen verstärkten Panikraum ^^. -
quichotte
Donnerstag, 23.02.2012, 09:41 Uhr PS: auch wenn ich einen 5-minutenausschnitt eines Blockbusters poste habe ich Urheberrecht gebrochen ! (in Deutschland).. ebenso wenn ich einen zeitungsartikel einfach weitersende oder einen Link zu dem Foto einer Privatperson, die ich nicht gefragt habe, usw usw usw Die USA versuchen das Internet zu kriminalisieren, damit sie den Sack dicht machen können und dann behalten sie alle Infos und lachen uns aus. Der backbone des gesamten Internets liegt in amerikanischen Militärleitungen aus den 60er Jahren. Und ebenso der von Carnivore betriebene eMail Copyer/Analyser, der in New Orleans sitzt. Das wissen alle, die länger als 10 Jahre herumsurfen. -
quichotte
Donnerstag, 23.02.2012, 09:38 Uhr oma: "Wenn ein Dienst wie Web.de ihren Nutzern ebenso viel Raum bieten würde wäre dein Vergleich wasserdicht." Premium-User bei web.de können riesige dateien empfangen und verschicken und sie haben auch ein Smartdrive, auf das sie andere web.de Nutzer einladen können. Bei dropbox und box.net, die Clouds sind seit eh und je, reden wir von noch grösseren datenmengen. die cloud von apple speichert alle meine Daten, ebenso die von der Telekom und anderen Anbietern. Sie sind also alle im sleben Boot wie Kim Schmitz.. nur das die meisten der Anbieter amerikanische Firmen sind. Hier wird der dicke Deutsche für etwas bestraft, was u.a. amerikanische Firmen seit Anbeginn des Internet betreiben/anbieten. Und auch wenn ich mich wiederhole: Unstrittig ist, daß sich Kim evtl. im Sinne der rechtssprechung einiger Länder strafbar gemacht hat, indem er die Plattform anbietet, unstrittig ist auch, daß die User sich evtl. im Sinne der rechtssprechung mancher Länder strafbar gemacht haben. ABER solange es kein Weltgesetz gibt, auf das sich ALLE Länder der Welt strafverfolgbar geeinigt haben, ist es NICHT egal, ob man Kim nach dem Recht des Landes der Urheber, oder das des Serveranbieters, oder das der User, oder das des Homepageanbieters verurteilt. ganz bestimmt ist es nicht primär amerikanisches Recht. Und wenn ein Brite und ein Chinese sich den Film Sissi hin und herschicken, ist nicht ein Amerikaner davon betroffen. Hier passiert etwas anderes: bislang legale Praktiken werden kriminalisiert, damit sie dann von amerikanischen Anbieterm profitbringend neu aufgelegt werden können (cloud). -
Nullouvert
Donnerstag, 23.02.2012, 09:29 Uhr quichotte:........Hat Kim Schmitz die leute dazu aufgerufen urheberrechtlich bedenkliche dateien auszutauschen ? ....... in gewissem Sinne ja. Er hat nicht nur eine Platform zur Verfügung gestellt, es gab auf megaupload auch ein Incentive- und Beteiligungssystem für Uploader, deren Daten häufig runtergeladen werden. Rate mal, was für Daten denn besonders häufig von Hinz und Kunz (die natürlich wieder Umsatz für Schmitz generieren) runtergeladen wurden?? Somit war megaupload für eifrige Uploader besonders interessant - denn urheberrechtlich bedenkliche Dateien sind genau die, die die downloader von megeupload dort finden konnten. (Nebenbei bin ich der Meinung, das unser Urheberrecht völliger Schrott ist und dringend an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden muss. ) Besonders schön finde ich die Formulierung im Artikel, das Schmitz vorgeworfen wird, Geld verdient zu haben... LOL -
Nebulium
Mittwoch, 22.02.2012, 17:49 Uhr Moechte wissen, was dieser fette GeldSack (ja, liebe Kinder, über Menschen wie diesen darf man so laestern) in seinem Leben schon alles gearbeitet hat ... unter Arbeit verstehe ich allerdings nicht vor dem Monitor zu sitzen, und auf der Tastatur rumzuspielen. -
Kieran
Mittwoch, 22.02.2012, 17:49 Uhr *seufz* Wahrscheinlich gab es einen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Et Tu Brute? -------------------- Ich möchte gar nicht wissen welchem Druck er ausgeliefert war. Wahrscheinlich wird nun das Verfahren gegen ihn eingestellt und er darf bald wieder ins I-Net und einen Filehoster, aber nun unter Überwachung, gründen. ------------------------------------------------------- Aber was ist mit Leuten, die nun von der Staatsanwaltschaft angeschrieben werden, wegen Kim? Müssen die nicht einfach nur sagen "Ich wars nicht" In Deutschland gilt doch die Unschuldsvermutung. Und man muss schon den PC durchsuchen, damit einem etwas nachgewiesen werden kann.
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