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28.12.2012, 14:40 Uhr

Totenglöcklein für die Studiengebühren läutet

München/Hannover (dpa) - Horst Seehofer hat eine klare Prognose abgegeben: Entweder seine schwarz-gelbe Regierung schafft die Studiengebühren ab - oder das Volk tut es. Alles andere scheidet für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden aus. Doch welcher Weg es nun am Ende wird, das weiß auch Seehofer nicht.

Rückblick: Im Oktober hatte der Bayerische Verfassungsgerichtshof ein Volksbegehren der Freien Wähler gegen die Studiengebühren zugelassen. Kaum war das geschehen, ging es bei der CSU plötzlich ganz schnell: Binnen weniger Wochen räumte die CSU ihre jahrelang verteidigte Position - und kündigte das Aus für die Gebühren an.

Doch da hatten Seehofer und die CSU die Rechnung ohne den kleinen Koalitionspartner FDP gemacht. Die FDP nämlich will unbeirrt an den Gebühren festhalten - und verweist auf den Koalitionsvertrag. Es folgten: Drohungen mit Koalitionsbruch von der einen wie von der anderen Seite. Ein knappes Jahr vor der Landtagswahl schien die Koalition in einer existenziellen Krise - auch wenn Seehofer lässig betonte, es gebe nicht den Hauch einer Krise. Wie auch immer: Der Koalitionsausschuss hat den Streit auf Januar vertagt.

Im Januar nun steht zweierlei an: erstens das Volksbegehren, das dann - wenn sich mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten beteiligen und in Unterschriftenlisten eintragen - in einen Volksentscheid münden wird. Und zweitens wollen CSU und FDP mögliche Kompromisse ausloten. Doch zwischen abschaffen und nicht abschaffen bleiben wenig Alternativen. Vielleicht nachgelagerte Studiengebühren?

"Bei den Studiengebühren will ich eine Lösung, die die FDP mittragen kann und die die Koalition nicht gefährdet", sagt Seehofer lediglich. Vize-Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) dagegen gibt sich hartleibig. "Es ist jetzt nicht die Zeit, über theoretische Kompromisse zu reden. Wir warten erstmal das Volksbegehren ab. Dann werden wir wissen, wie ein nicht unmaßgeblicher Teil der Bevölkerung darüber denkt." Zeil betont, er habe keine Angst vor einer breiten Debatte über den Sinn und Zweck von Studienbeiträgen.

Es deutet also vieles darauf hin, dass die Studiengebühren noch bis zu Volksentscheid oder Landtagswahl bleiben - und dann, wie Seehofer sagt, vom Volk oder von der Regierung abgeschafft werden.

Rund 650 Kilometer nördlich von München in Hannover sieht die Welt der Hochschulen noch anders aus. Wie einst in Bayern die CSU hält ihre niedersächsische Schwesterpartei CDU hier unverändert an den Studienbeiträgen fest. Auch im längst angelaufenen Wahlkampf verteidigen Ministerpräsident David McAllister und dessen Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (beide CDU) vehement die Semesterbeiträge. "Durch das zusätzliche Geld kann im Land die Betreuung und Studienqualität deutlich verbessert werden", betont Wanka. Die Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten werde größer, mittelfristig seien die Gebühren somit ein echter Standortvorteil.

Ungeachtet der offensiven Zustimmung hat der erneute bayerische Versuch, die Studiengebühren abzuschaffen, bei der CDU in Niedersachsen aber für Unmut gesorgt. Sollte das Volksbegehren von Erfolg gekrönt sein, können die niedersächsischen Befürworter in kritischen Debatten nämlich nicht mehr auf Bayern verweisen, sondern stünden alleine dar. Für McAllister gibt es aber dennoch keinen Grund zum Umdenken: CDU und FDP hätten sich klar positioniert, sagt er. "Es kann vieles passieren, aber das glaube ich nun wirklich nicht."

Dennoch könnte auch die Gebühreninsel im Norden bald Vergangenheit sein. SPD und Grüne haben bereits mehrfach angekündigt, im Falle eines Sieges bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 die Gebühren abschaffen zu wollen. Im Gegensatz zur Forderung der Linken aber nicht sofort, sondern frühstens 2014/2015. Zunächst müsse eine seriöse Gegenfinanzierung auf die Beine gestellt werden, heißt es. "Wir brauchen Zeit, um das verantwortungsvoll umzusetzen", sagt die SPD-Politikerin Gabriele Andretta. Sie soll im Fall eines Wahlsiegs ihrer Partei Wissenschaftsministerin werden.

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62 Meinungen zu "Studiengebühren vor dem Aus?"

  • Katze25
    Donnerstag, 17.01.2013, 15:37 Uhr
    Also wirklich, wie kann man nur behaupten, die Studenten hätten Geld fürs feiern und saufen, für den Rest jedoch nicht. So etwas sagt nur derjenige, der nicht einmal weiß, wie eine Universität aussieht. Ich bin selbst seit einigen Jahren am studieren und weiß, wie schwer es ist, zwei Mal im Jahr 800 € für das Semester aufzutreiben. Und erst wenn man Student ist, kann man sich darüber streiten, ob es sich lohnt, die Gebühren beizubehalten oder gar abzuschaffen. Wenn ich so sehe, wofür das Geld an meiner Uni ausgegeben wird, dann muss ich nur lachen. 5.000 € für Bänke, die kein Mensch braucht oder für high-tech boards, die dann sowieso nie funktionieren, wenn man sie mal braucht. Davon abgesehen, Kopien, Bücher usw. muss man dann auch noch selbst bezahlen.
  • zaubernuss123
    Donnerstag, 17.01.2013, 14:57 Uhr
    Es gibt eine Lösung für den Erlaß der Studiengebühren. Die Studenten brauchen keine Gebühren bezahlen, sich nach dem Studium aber schriftlich verpflichten, für vier volle Jahre im Land zu arbeiten und brav Steuern bezahlen. Danach können sie das Land verlassen und dort arbeiten, wo es ihnen genehm ist. Stipendien sollten aber hauptsächlich für Minderbemittelte verteilt werden, das aber als eine Art Null-Darlehen, das in zehn Jahren zurückbezahlt werden MUSS. Leute bedenkt doch, dass auch ich, der mit Euch nichts, oder wenig zu tun hat, Steuern für Euer Studium bezahlen MUSS! Also, Geld zum O-Tarif darf es nicht geben, denn das verdirbt nur den Charakter, die Einstellung zur Umwelt und versaut die Moral. Wer sein Unterhalt auf die ehrliche Art und Weise verdient, der lernt es auch zu schätzen und benimmt sich am Ende nicht wie "die Axt im Walde", und versucht nicht auf Kosten anderer zu leben.
  • tartufo
    Montag, 31.12.2012, 14:14 Uhr
    @schieber1 Zitat: == Na das wäre ja mal wieder was positives. Dann können auch wieder die Kinder von Normalbürgern studieren. == Das war vor den Studiengebühren jahrzehntelang möglich und es hat der damaligen Bildungselite auch keine Einbußen gebracht, sich selbst das Brot auf den Tisch zu legen. Es kann nicht sein, jahrelang einen faulen Lenz auf Staatskosten zu schieben, wenn man nach dem dritten Anlauf auch noch den vierten Versuch des Studiumabschlusses vergeigt hat. Aber bitte: Unser Staat hat's ja! Immer schön rauf mit den Steuern, damit auch wirklich alle etwas davon haben.
  • schieber1
    Montag, 31.12.2012, 12:23 Uhr
    Na das wäre ja mal wieder was positives. Dann können auch wieder die Kinder von Normalbürgern studieren.
  • TRIMMSTAR
    Sonntag, 30.12.2012, 13:15 Uhr
    Also ich habe Informatik studiert und musste auch Studiengebühren zahlen. Und was habe ich erlebt: marode Universitäten, die schon fast zusammenfallen, überfüllte Hörsäle usw. Wenn man schon Studiengebühren zahlt, dann darf man auch erwarten, dass einem was geboten wird. Es kann nicht sein, dass man 500 Euro + 115 Verwaltungsgebühr (vor 6 Jahren) zahlen muss und dann in einen Vorlesung auf dem Boden schon fast sitzen muss. Die Studiengebühren sollten vernünftig eingesetzt werden. Dann habe ich damit kein Problem. Darüber hinaus bin ich aber immer noch der Meinung, das BILDUNG UMSONST SEIN MUSS!!!!
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