"Bestimmt explodieren in diesem Moment Supernovas irgendwo, in irgendeiner Galaxie. Die Hütte verschwindet und mit ihr das Meer und der Sand - nur Karuns Körper, verbunden mit meinem, bleibt." Nein, Sie sind nicht in einem einschlägigen Groschenroman gelandet, sondern in scheinbar renommierter Literatur - mit preiswürdig schlechten Sex-Szenen.

"Wir streifen wie Superhelden vorbei an Sonnen und Solarsystemen" - läuft es Ihnen bei dieser schwülstigen Ausdrucksweise auch kalt den Rücken hinunter? Die Zeilen, die galaktisch guten Sex beschreiben sollen, stammen aus dem Buch "The City of Devi". Das mit guten Kritiken bedachte Buch von Manil Suri erhielt jetzt einen wenig schmeichelhaften Preis, den "Bad Sex in Fiction Award". Damit wird die mieseste Sex-Darstellung in einem sonst anspruchsvollen Werk "geehrt".

Die ganze in diesem Jahr prämierte Stelle lautet im englischen Original übrigens so:

"Surely supernovas explode that instant, somewhere, in some galaxy. The hut vanishes, and with it the sea and the sands - only Karun's body, locked with mine, remains. We streak like superheroes past suns and solar systems, we dive through shoals of quarks and atomic nuclei. In celebration of our breakthrough fourth star, statisticians the world over rejoice."

Der Negativpreis wird alljährlich von der britischen Zeitschrift "Literary Review" verliehen. Laut seinem Begründer, dem Literaturkritiker Auberon Waugh, ist das Ziel des Awards, "die Aufmerksamkeit auf die kruden, geschmacklosen, oft nachlässig geschriebenen und redundanten sexuellen Passagen in modernen Romanen zu lenken, um solche künftig zu verhindern".

Von Fischen und Schmetterlingen

Manil Suri muss sich aber nicht schämen. Die Supernova-Sex-Szene ist im Vergleich zu den bisher gekrönten Stellen fast hochwertig formuliert. 2012 schrieb Nancy Huston in "Infrarot" von "Sex, der in Freude schwimmt wie ein Fisch im Wasser". Klar, dass es für den fischigen Vergleich den Preis gab.

2010 ehrte "Literary Review" den Autoren Rowan Somerville für diesen Satz: "Wie ein Lepidopterologe, der ein hartschaliges Insekt mit einer dumpfen Anstecknadel festnagelt, bohrte er sich in sie hinein." Ein Lepidopterologe ist ein Schmetterlingsforscher. Nichts gegen szenische Umschreibungen, aber diese sind weder erotisch noch sonderlich anschaulich.

Umschreibungen der anderen Art fand man beim Preisträger von 2011. In David Guttersons "Ed King" liest man von "Hautflöten", "Familienjuwelen" und dem - kein Witz - "Vor-" und "Hinterzimmer". Solche Namen für die Geschlechtsteile fand man wahrscheinlich nicht mal im Aufklärungsunterricht vor der sexuellen Revolution. In anspruchsvoller Literatur sollten sie gleich zweimal nicht vorkommen.