Begriffe wie "klimaneutral" und "CO2-positiv" sind beliebte Werbeversprechen. Stiftung Warentest hat die Klima-Claims auf 12 Produkten geprüft und dafür bei Herstellern nachgefragt – mit ernüchterndem Ergebnis.

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Stiftung Warentest hat die Klimaversprechen auf 12 Lebensmitteln untersucht. Dafür prüften die Tester:innen Informationen auf Verpackung und Webseite der jeweiligen Hersteller. Zudem baten sie die Firmen hinter bekannten Produkten wie Hipp-Früchtebrei, Hohes-C-Orangensaft, und Kölln-Haferflocken um Belege und genaue Informationen dazu, wie sie ihre Klimaversprechen umsetzen. Die Hälfte äußerte sich jedoch nicht zu den Fragen.

"CO2-neutal" bis "klimapositiv": Nur 6 Hersteller belegen Claims

Begriffe wie "klimaneutral" sind rechtlich nicht geschützt und werden oft missverstanden. Nur weil auf einem Produkt steht, dass es "CO2-neutral" sei, heißt das nicht, dass bei der Produktion keine Emissionen entstanden sind. Viele Hersteller leisten nur an anderer Stelle einen Beitrag zum Klimaschutz, zum Beispiel durch Kompensationszahlungen.

Sechs Hersteller unternahmen laut Stiftung Warentest jedoch zusätzlich mehr als nur einen gewissen Betrag zu spenden. Sie hätten nachweisen können, dass sie den CO2-Ausstoß ihrer Produkte berechnen und Anstrengungen unternehmen, die Emmission zu reduzieren.

Barilla ("Wasa Sesam & Vollkorn") warb mit der Bezeichnung "Wasa CO2-neutral". Das Unternehmen konnte gegenüber Stiftung Warentest belegen, dass es etwa Ökostrom nutzt und die Produktion energiesparender gestaltet. Dm ("dmBio Haferdrink Konzentrat") spare Emissionen, weil das Haferdrink-Konzentrat weniger Verpackung benötige als normale Hafermilch. Auch Eckes-Granini ("Hohes C Milde Orange") und Holle ("Little Farm Biscuits Dinkel-Keks") fallen in diese Kategorie.

Hingegen konnten die Unternehmen Kaufland ("Take it veggie Vegane Helle mit Haferdrink") und Lidl ("Vemondo vegane Falafel") nur teilweise überzeugen: Sie bewarben ihre Produkte als "CO2 Klimaneutral" beziehungsweise "klimaneutral". Dies begründeten sie mit Maßnahmen und Zielen auf Unternehmensebene – aber nicht bezogen auf die konkreten Produkte.

Die Anforderungen an Belege für die CO2-Kompensation erfüllten alle sechs Hersteller nur teilweise. Hier prüfte die Stiftung Warentest, nach welchen Kriterien Hersteller Kompensationsdienstleister und Klimaschutzprojekte auswählen, und fragte nach Belegen für Verrechnungen, Fortschritte und externe Prüfungen.

Stiftung Warentest: 6 Hersteller verweigern Angaben

Die folgenden Hersteller beantworteten die Fragen von Stiftung Warentest nicht und sendeten auch keine Nachweise für ihre Klimaversprechen:

  • Bad Liebenwerda "Medium Natürliches Mineralwasser" – Claim: Regional & Klimaneutral
  • Bebivita "Bio Frrüchtezubereitung Mango in Apfel" – Claim: Klimaneutral produziert
  • Danone "Volvic Touch Rote Früchte Gechmack” – Claim: 100% klimaneutral produziert
  • Hipp "Bio Früchtezubereitung Mango-Banane in Apfel” – Claim: klimapositiv
  • Innocent "Direktsaft Orange mit Fruchtfleisch" – Claim: 100 % CO2-neutral
  • Peter Kölln "Blütenzarte Köllnflocken, 100% Vollkorn-Hafer" – Claim: Klimaneutral Produkt

Einige Hersteller argumentieren, dass die Bezeichnungen auf neuen Verpackungen nicht mehr abgedruckt würden. Stiftung Warentest hält dagegen, dass sie auch rückwirkend zu ihren Aussagen stehen sollten. Einige Verpackungen mit Claim habe man auch Anfang 2024 noch im Handel gesichtet.

Nach Stiftung-Warentest-Untersuchung: Bezeichnungen geändert

Stiftung Warentest hatte die untersuchten Lebensmittel zwischen September und November 2023 eingekauft. Seitdem haben die Hersteller nachgebessert: Auf sieben der zwölf Produkte soll das Klimaversprechen bald verschwunden sein oder wurde schon entfernt. Die Firma Holle erklärte etwa gegenüber den Tester:innen, sie verzichte in Zukunft auf die Bezeichnung "klimapositiv", weil das komplexe Thema nicht auf einer Verpackung verständlich erklärt werden könne.

Medien hatten Begriffe wie "klimaneutral" und das System der Kompensation immer wieder kritisch hinterfragt – auch Utopia berichtete. Verschiedene Hersteller wurden verklagt, etwa wegen Irreführung. Vor kurzem hat das EU-Parlament beschlossen, die Werbung mit Begriffen wie "klimaneutral" zu verbieten, wenn diese auf dem Kauf von CO2-Zertifikaten beruhen. Auch unseriöse Nachhaltigkeitssiegel sollen untersagt werden. Der Europäischen Rat muss der Richtlinie noch zustimmen, dann müssen die Mitgliedsstaaten die Vorgaben innerhalb von zwei Jahren umsetzen. Dieses Greenwashing-Verbot soll eine noch spezifischere Green-Claims-Richtlinie unterstützten, welche ebenfalls auf EU-Ebene besprochen wird. Wann sie verabschiedet wird, ist offen.

Wie seriös sind Herstellerversprechen und Kompensation?

Jedes Lebensmittel geht mit Treibhausgasen einher – diese entstehen etwa beim Anbau, Verarbeitung, durch die Verpackung oder den Transport. Hersteller können diese Emissionen jedoch reduzieren, indem sie entlang der Wertschöpfungskette Verbesserungen vornehmen. Alle Emissionen lassen sich derzeit aber nicht vermeiden – hinter Claims wie "klimaneutral" steckt bis zu einem gewissen Grad immer freiwillige CO2-Kompensation.

Dabei spenden Hersteller in der Regel an Klimaschutzprojekte, beispielsweise an eine Baumpflanzorganisation. Doch auch hier gibt es viel Kritik: Die Zeit und der Guardian hatten 2023 verschiedene Projekte des führenden Zertifizierers von CO2-Kompensationen Verra untersucht und herausgefunden, dass ein Großteil der Zertifikate keinerlei CO2 einspare – Utopia berichtete. Die Recherchen kritisierten zweifelhafte Regeln, mangelnde Aufsicht und Interessenkonflikte. Zwar sind beispielsweise Waldschutzprojekte wichtig für den Klimaschutz – doch es ist derzeit nicht leicht, seriöse Anbieter zu identifizieren.

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Stiftung Warentest sieht Anbieter in der Verantwortung: "Sie kommunizieren ihr Engagement auf Produkten meist nicht gut. Erläuterungen sind teils für Laien unverständlich oder nicht ausreichend", schreiben die Tester:innen. Wer klimafreundlich einkaufen will, sollte sich also nicht ausschließlich an Klimaversprechen von Firmen orientieren. Stattdessen können Kund:innen Lebensmittel wählen, deren Herstellung in der Regel weniger Treibhausgase produziert – zum Beispiel pflanzliche anstelle von tierischen Produkten.

Verwendete Quellen: Stiftung Warentest  © UTOPIA

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