Echte Naturkosmetik oder nur Fake? Mit grüner Optik und Bezeichnungen wie "Bio-Creme" preisen viele Kosmetikhersteller ihre herkömmlichen Produkte als natürlich an und führen Verbraucher damit in die Irre. Denn ob es sich tatsächlich um Naturkosmetik handelt, ist gar nicht so leicht erkennbar. Wir verraten Ihnen, wie Sie nicht auf die Tricks der Hersteller hereinfallen.

Mehr Ratgeberthemen finden Sie hier

Bio boomt, auch in der Kosmetikindustrie. Wer im Drogerie- oder Supermarkt vor den Regalen steht, dem fällt schnell auf, dass viele Produkte von grünen Blättern überzogen sind, mit natürlichen Inhaltsstoffen werben oder mit Begriffen wie “Bio“ oder “natürlich“ übersät sind. Doch viele dieser Produkte haben mit echter Naturkosmetik nichts zu tun, sie geben nur vor, natürlich oder sogar biologisch zu sein und beinhalten synthetische Stoffe, die in Naturkosmetik verboten wären.

Hersteller tricksen mit "Greenwashing"

Durch Naturoptik, "Bio"-Wording oder vermeintliche Siegel verpassen einige Hersteller Duschgel, Deo und Co. ein grünes Image und stellen ihre Produkte natürlicher dar als sie es sind. Diese Methode nennt man "Greenwashing" (deutsch: grün waschen).

"Viele Verbraucher möchten natürliche Inhaltsstoffe. Das ist ein Trend, der immer mehr zunimmt. Viele Hersteller versuchen auf diesen Zug aufzuspringen und bieten vermeintliche Naturkosmetik an", bestätigt Silke Schwartau, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. im Gespräch mit unserer Redaktion.

Denn dass Naturkosmetik nicht nur umweltfreundlicher als herkömmliche Kosmetik ist, sondern auch der eigenen Gesundheit und Haut guttut, hat sich bei den Verbrauchern herumgesprochen. Die Nachfrage nach Bio- oder Naturkosmetik ist gestiegen.

Nachhaltiger Konsum und der Blick auf die Inhaltsliste von Produkten hilft auf dem Weg in eine plastikfreie Zukunft. Doch wie wird das Badezimmer plastikfrei?

Keine einheitliche Regelung bei Naturkosmetik

Für die Verwendung der Begriffe "bio", "Biokosmetik" oder "Naturkosmetik" gibt es in der Kosmetikbranche keine gesetzlichen Vorgaben. Hersteller können die Begriffe nach Belieben einsetzen und machen sich auch bei irreführender Verwendung nicht strafbar. Für Kunden ist es also schwer auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich tatsächlich um Naturkosmetik handelt oder nur "Greenwashing" betrieben wurde.

Inhaltsstoffe von Kosmetik geben Orientierung

Allerdings müssen die Inhaltsstoffe von Kosmetikartikeln vollständig auf der Verpackung angegeben sein. Das kann Orientierung bieten, wenn man sich vorab über die Bedeutung der englischen oder lateinischen Bezeichnungen informiert.

Einige Hersteller bieten auch deutsche Übersetzungen auf ihren Homepages an. Die Bezeichnung von Inhaltsstoffen auf Kosmetika lauten europaweit gleich, das ist vor allem für Allergiker hilfreich.

"Am besten nimmt man seine Lieblingsprodukte einfach mal kritisch unter die Lupe und sieht sich die Liste der Inhaltsstoffe vor dem nächsten Kauf genauer an", rät die Expertin.

So erkennt man "falsche" Naturkosmetik.

Sobald zum Beispiel Mineralöl (z.B. "Mineral Oil" oder "Paraffinum"), Parabene (z.B. "BHT" oder "BHA") oder Mikroplastik (z.B. "Nylon" oder "Polypropylene") in Shampoo, Creme oder Bodylotion enthalten sind, handelt es sich nicht um Naturkosmetik.

Diese Labels garantieren Natur-Standards

Auch bezüglich der Zertifizierung von Naturkosmetik mit Siegeln gibt es keine einheitliche Regelung. Aktuell existieren in der Branche etwa 30 unterschiedliche Siegel, nicht alle werden kontrolliert und stehen für hohe Standards.

Das BDIH-Siegel für kontrollierte Naturkosmetik ist ein anerkanntes Prüfzeichen. Es wurde 2001 eingeführt, berücksichtigt Rohstoffe, Herstellung und Endprodukte und ist sehr verbreitet, etwa 9.000 Produkte in Drogerien, Supermärkten oder Bioläden weltweit tragen dieses Siegel.

Es schreibt zum Beispiel vor, dass die Rohstoffe überwiegend aus biologischem Anbau kommen und recycelbare Verpackungsmaterialien eingesetzt werden müssen. Damit definiert es Mindestkriterien und garantiert, dass die damit gekennzeichneten Produkte umweltfreundlicher und für den Menschen verträglicher sind als herkömmliche Kosmetika.

Weitere Labels mit hohen Standards, teilweise sogar noch etwas strenger als das BDHI-Siegel, sind außerdem "Ecocert", "Natrue" oder "Cosmos".

Trick der Hersteller umgehen

Wer auf Naturkosmetik wert legt, sollte in Bioläden oder nach speziellen Regalplätzen für Naturkosmetik in Drogerien und Supermärkten nach Produkten Ausschau halten. Außerdem lohnt sich, nicht unüberlegt einzukaufen, sondern sich vor dem nächsten Einkauf über bestimmte Marken und Produkte zu informieren und so bewusst zu den echten Naturprodukten zu greifen.

"Oft hört man, Kosmetik sei nicht so wichtig, aber für unsere Haut und unser Wohlbefinden ist es sehr wichtig, womit wir in Kontakt kommen, vor allem wenn es sich um eine Creme handelt, die wir täglich verwenden," sagt Schwartau.

Verwendete Quellen:

  • Interview Silke Schwartau, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung Verbraucherzentrale Hamburg
  • BDHI (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V.)
Bildergalerie starten

Wetten, dass auch Sie diese Beauty-Produkte falsch verwenden?

Es ist schon erstaunlich, wie viel Zeit man mit Schminken und Stylen vor dem Spiegel verbringt. Und trotzdem existieren viele Irrtümer in der täglichen Beauty-Routine. Welche, das verrät die Galerie.