Bei Toyota in Japan rumort es gerade gewaltig. Ende letzten Jahres startete der weltgrößte Autohersteller einen Mega-Rückruf bei der Tochter Daihatsu wegen systematisch manipulierter Crashtests. Nur einen Monat später geht es bei der Kernmarke ans Eingemachte. Grund sind Manipulationen bei der Zertifizierung unter anderem der 1GD-FTV und 2GD-FTV-Dieselmotoren, die Toyota weltweit millionenfach in den leichten Nutzfahrzeugen und Geländewagen der Marke einsetzt.

Mehr zum Thema Mobilität

Video: Der 2.8-Liter Diesel Motor (1GD-FTV) von Toyota im Detail

Für die Entwicklung dieser aktuellen Motoren ist die Tochterfirma Toyota Industries Corporation (TICO) verantwortlich. Im Rahmen einer Überprüfung der Zertifizierung von Motoren für Baumaschinen und Gabelstapler für den japanischen Markt wurde festgestellt, dass es bei drei weiteren Motoren-Baureihen zu Unregelmäßigkeiten bei der Zertifizierung gekommen war. Neben den Vierzylinder-Dieselmotoren 1GD und 2GD ist außerdem der F33A V6-Dieselmotor mit 3.345 ccm Hubraum betroffen, der erstmals im Juni 2021 für den Land Cruiser (nicht in der EU) eingeführt wurde. Es ist der erste V6-Dieselmotor des Autoherstellers.

Manipulierte Steuergeräte bei der Zertifizierung

Wie sich bei der jetzt erfolgten Überprüfung herausgestellt hat, wurden für die Zertifizierung der Leistung dieser Motorenreihen modifizierte Steuergeräte (ECU) verwendet, deren Programmierung sich von den in den jeweiligen Fahrzeugen verbauten ECU unterscheidet. Dies sei erfolgt, "um die Werte glatter und mit weniger Schwankungen erscheinen zu lassen", so der Hersteller in einer Stellungnahme.

Auf die zertifizierten Abgaswerte hat die Mogelei demnach keinen Einfluss gehabt, es ging offenbar alleine um die Leistungsmessung für die Homologation bei den jeweiligen Behörden. Toyota schreibt weiter, dass "die betroffenen Motoren und Fahrzeuge die Leistungsstandards für den Motor erfüllen", wie sich bei einer erneuten Überprüfung mit den korrekten und serienmäßigen Steuergeräten herausgestellt hat.

Toyota weiter: "Daher besteht keine Notwendigkeit, die Nutzung der betroffenen Motoren oder Fahrzeuge einzustellen. Wir entschuldigen uns jedoch zutiefst bei unseren Kunden, die die betroffenen Fahrzeuge unterstützt und lange gewartet haben, sowie bei allen anderen Beteiligten für die erheblichen Unannehmlichkeiten und Bedenken, die dies verursacht hat."

Obwohl Fahrzeugkunden offenbar keine Einschränkungen oder Probleme beim Betrieb der betroffenen Fahrzeuge (siehe Liste oben) befürchten müssen, da es sich alleine um eine nicht korrekt erfolgte Leistungsangabe handelt, hat Toyota sowohl die Auslieferung der Motoren als auch der damit produzierten Neufahrzeuge bis auf weiteres gestoppt. Man werde nun mit den zuständigen Behörden "Maßnahmen ergreifen". Vermutlich müssen die jeweiligen Zertifizierungen erneut durchgeführt werden, bis Toyota die Auslieferung wieder freigibt.

Viele Vorteile mit ams+
Erhalten Sie werbereduzierten Zugang zu allen Inhalten von auto-motor-und-sport.de inkl. der digitalen Zeitschrift als E-Paper. Monatlich kündbar.

In Deutschland sind die betroffenen Vierzylinder-Dieselmotoren im Pick-up Hilux und im Land Cruiser verbaut. Derzeit steht für die 1GD-FTV-Motoren mit 2,8 Liter Hubraum ein Upgrade zum Mildhybrid über einen Startergenerator an.  © auto motor und sport

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.