Wir Autoliebhaber sind schon ein komisches Völkchen. Jeder hat so seine Vorlieben, egal ob’s schnell, sparsam, luxuriös oder modisch auf die Straße gehen soll. Außerdem hat jeder Nachbar, Stammtischkumpel oder gar Auto-Redakteur seinen eigenen Gebrauchtwagen-Geheimtipp parat – zusammen mit einer typischen Mängelliste.

Mehr zum Thema Mobilität

Video: Neuer Hyundai Tucson feiert Premiere auf der IAA 2015

Doch welche Empfehlung gibt es, wenn man einfach nur gut und zweckmäßig Auto fahren möchte? Und der Sorglos-Gebrauchtwagen auch noch ein echter Alleskönner sein soll, der alle grundlegenden Alltagsanforderungen beherrscht? Nun, der Hyundai Tucson kann das. Nützlich sind auch VW Tiguan, Ford Kuga oder Opel Grandland und Co. Doch bei vielen Konkurrenten gibt es in technischer Hinsicht oft ein Haar in der Suppe – beim Tucson fast nie. Beginnen wir also mit Äußerlichkeiten.

Karosserie: glänzende Qualität

In Sachen Karosserie und Innenraum bewegt sich der koreanische Kompakt-SUV etwas über dem Durchschnittsniveau. Das bedeutet nicht, dass er besonders offroadig daherkäme. Nein, gemeint ist vielmehr der gute Qualitätseindruck, der sich vorwiegend im glänzenden, sauber aufgetragenen Lack, akkuraten Spaltmaßen, geringen Windgeräuschen und dem sehr gelungenen Raumkonzept manifestiert. Auf durchschnittlichen 4,48 Metern bringt er nicht nur vier bis fünf groß gewachsene Menschen angenehm unter, sondern auch noch 512 Liter Gepäck.

Innenraum: pragmatisch und viel Infotainment

Neben allem Praxisnutzen gehört das Cockpit zu den schöneren Orten dieser Welt. Man blickt auf hübsche Materialien, blitzsauber verarbeitet und mit klarer Bedienarchitektur, erfreut sich an der stets reichhaltigen Funktionsausstattung, die ohne unnütze Verspieltheiten auskommt.

Zum Facelift 2018 erfuhr das Cockpit die auffälligste Änderung. Der Infotainmentbildschirm steht nun frei. Vorher saß er im Armaturenträger – Geschmackssache. Bis hierhin sind wir also voll des Lobes. Weniger rühmlich sind die mitunter auftretenden Probleme mit der optionalen elektrischen Sitzverstellung in Gestalt überlasteter Stellmotoren, sodass in der Folge die entsprechende Sicherung auslöst.

Fahrwerk: gemütlicher Offroader

Auf der Straße gehört der Tucson zu den Autos, die sich auf positive Weise schwer anfühlen. Eine gelassene Fahrwerksabstimmung mit viel Komfort und gutem Geradeauslauf sowie einer dazu passenden Lenkung, die allerdings nicht übermäßig mitteilsam arbeitet, erzeugt einen entspannten, kommoden Fahreindruck. Die Einfederwege fühlen sich recht lang an, was zur weichen Abstimmung passt und zum Cruisen einlädt. Auch für Offroad-Fahrten eignet sich das Fahrwerk gut und mindert holperigen Untergrund gut ab. Große Räder helfen beim präzisen Fahrverhalten. Alle Modelle gibt es wahlweise mit Allradantrieb, der für gute Traktion sorgt.

Motoren: laufruhig und kraftvoll

Die Charakteristik des Tucson hängt auch von der Wahl des Motors ab. Die kleinste Motorisierung im Tucson ist der 1,6-Liter-GDI mit 1.591 cm³, 132 PS und Direkteinspritzung. Unser Fotoauto mit 1,6-Liter-Maschine, 177 PS und Turboaufladung ist spritzig für die Stadt und unauffällig gelassen auf der Autobahn. Für Diesel-Fans hat der Tucson einiges zu bieten: Vom 1,6-Liter mit 116 oder 136 PS, über die 1,7-Liter-Variante mit 116 oder 141 PS bis zu den Topmodellen mit 2,0-Liter-Motor und 136 oder 185 PS. Alle verfügen über eine Common-Rail-Direkteinspritzung und Turboaufladung.

Möchte man auf seinen Geldbeutel achten, ist der Zweiliter-Diesel nicht die ideale Wahl, denn er ist der teuerste und durstigste Antrieb. Zudem läuft der Motor im Vergleich zu den anderen ziemlich rau. Dennoch heben dessen üppiges Drehmoment und die sanfte Wandlerautomatik den Tucson in noch höhere Reiseauto-Sphären. Und das passt einfach fantastisch. Trotzdem zieht der 185-PS-Diesel erst im oberen Drehzahlbereich ordentlich an. Unten heraus fehlt die Durchzugskraft. Seit 2018 hilft ein 48-V-Startergenerator, wie auch im 1.6 CRDi, beim Spritsparen. Die kleineren Benziner- und Diesel-Varianten mit Frontantrieb reichen für Stadt- und Umlandverkehr aus. Haltbar sind alle.

Getriebe: angemessen für einen SUV

Wer das Schalten gern der modernen Technik überlässt, darf sich für eine der drei Automatikoptionen entscheiden. Es gibt ein teils etwas verschlafen agierendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sowie – je nach Motorisierung – eine Sechs- oder Achtstufenautomatik mit Wandler. Die arbeiten etwas zielsicherer als das DKG, aber ebenso tiefenentspannt-niedertourig. Wer lieber von Hand die Gänge einlegt, für den steht bei allen Dieseln und Benzinern bis 136 PS ein serienmäßiges Sechsgang-Schaltgetriebe in der Ausstattungsliste. Normalerweise arbeitet es tadellos, lässt sich angenehm betätigen und stellt auch mechanisch keine Schwachstelle dar.

Bekannt sind jedoch Ausnahmen, bei denen die Schaltung zuerst immer schwergängiger wird und sich die Gänge im Extremfall gar nicht mehr einlegen lassen. Schuld sind dann fehlerhafte Synchronringe, die zu schnell verschleißen und ihren Dienst quittieren. Ähnlich ist es bei einigen Exemplaren mit Doppelkupplungsgetriebe. Auch hier traten vereinzelt Getriebestörungen auf, die wie bei den Schaltwagen fast immer bereits im Rahmen der Garantie behoben wurden. Nur zu den Wandlerautomatikgetrieben sind bislang keinerlei Ausfälle publik geworden.

Mängel: einfach zu beheben

Wie kann es nun sein, dass wir den Tucson einerseits als verlässliche Bank empfehlen, andererseits von recht seltenen Mängeln berichten, die auf merkwürdige Weise immer ohne erkennbares Muster vorkommen? Stellt das ein Risiko für Gebrauchtkäufer dar, die sich für einen Tucson entscheiden, dessen Garantie bereits abgelaufen ist?

Nun, am grundsätzlichen Qualitätsniveau ist nicht zu rütteln. Es kommt allerdings auch bei Hyundai vor, dass einzelne Chargen von Teilen in der laufenden Serie Mängel aufweisen – das ist im Autobau nicht ungewöhnlich. Hyundai und Kia verstehen es, solchen Problemen schnell auf den Grund zu gehen und die Informationen über mögliche Fehler rasch an ihre Vertragswerkstätten weiterzugeben.

Tritt also tatsächlich mal ein Problem auf, weiß der Hyundai-Händler in der Regel bereits genau, was zu tun ist. So wird prompt diagnostiziert und den Mangel behoben. In der Regel passiert das noch weit innerhalb der Garantiezeit. Die beträgt übrigens bei jedem Hyundai stattliche fünf Jahre – ein echter Vorteil. So bleibt der Kunde zufrieden, und Fehler sind schneller beseitigt, als sie Schlagzeilen machen könnten. Die lange Garantiezeit bewirkt zudem, dass die meisten Kunden ihre Servicearbeiten brav beim Hyundai-Händler erledigen lassen, obwohl sie auch bei fachgerechter Wartung in freien Werkstätten erhalten bliebe.

Unabhängig von der Ausstattung muss der technische Zustand passen. Dass hier die Laufleistung weniger erheblich ist als der Pflegezustand, spricht für den in Tschechien gebauten Koreaner. Nachdem die Antriebstechnik in der Regel problemfrei bleibt, lohnt sich zunächst der Blick auf die Karosserie. Ab Werk gut vor Korrosion geschützt, ist Rost kein echtes Thema, sofern der Tucson gelegentlich gründlich gereinigt wird. Sammelt sich nämlich im unteren Teil der Türrahmen Straßenschmutz oder Matsch, kann dieser, begünstigt durch die doppelte Türabdichtung (sie vermindert Windgeräusche und hält die Einstiege sauber), im schlimmsten Fall den Lack aufreiben. Das muss nicht sein und lässt sich durch ein Mindestmaß an Pflege vermeiden. Dementsprechend lohnt ein kontrollierender Blick, etwa auf die besonders dem Schmutz ausgesetzten hinteren Radläufe, die zum Teil von der Tür bedeckt werden.

Apropos Tür: Speziell bei älteren Exemplaren kann es vorkommen, dass einem der Zutritt verwehrt wird – zumindest beim ersten zaghaften Zug am Türgriff. Hakelt dessen Mechanik, ist oft nur etwas Schmutz der Übeltäter. Bei Hyundai kennen sie das Problem(chen) längst und schaffen rasch Abhilfe mit silikonhaltigem Schmiermittel.

Bei der Probefahrt und auf der Hebebühne lohnt es sich, Ohren und Augen auf die vorderen Querlenker zu richten. Deren Gummibuchsen – in gealterter Konsistenz einer Lakritzschnecke nicht unähnlich – sind zu weich und verschleißen schnell. Immerhin lassen sie sich mit verhältnismäßig geringem Werkstattaufwand gegen verstärkte Versionen namhafter Zulieferer tauschen.

Preise: überraschend günstig

Auch Verkäufer Gianluca Di Berardino vom Autohaus Zückner in Roth spricht die lange Garantiezeit an, welche die Gebrauchten auf seinem Hof zum sorglosen Kauf macht. Hier parkt demnächst auch unser Fotoauto, ein 2019er-Tucson 1.6 T-GDI mit Vorderradantrieb. Die Top-Ausstattungslinie Premium, mit Extras wie LED-Licht, E-Heckklappe, Soundsystem und 360-Grad-Kamera, lässt ihn zu den gefragtesten Exemplaren gehören. Viel mehr geht nicht. Vergleichbare Autos mit 34.000 Kilometern auf dem Tacho liegen meist zwischen 26.000 und 29.000 Euro.

Nicht, dass der Tucson richtig selten wäre, doch man merkt ihm seine kurze Bauzeit von nur fünf Jahren an. 1.700 Stück stehen in Deutschland zum Verkauf. Ab knapp 13.000 Euro beginnen junge Exemplare mit noch fünfstelliger Laufleistung. Bis 15.000 Euro finden sich auch deutlich jüngere Exemplare, Ausstattungs-Schmuckstücke liegen darüber.

Viele Vorteile mit ams+
Erhalten Sie werbefreien Zugang zu allen Inhalten von auto-motor-und-sport.de inkl. der digitalen Zeitschrift als E-Paper (pdf).

Über das Maß an Sonderausstattungen entscheidet beim Tucson zum größten Teil die Ausstattungslinie – das ist für die Koreaner typisch. Es gibt sinnvoll geschnürte Pakete, die Nützliches wie Lenkradheizung, Rückfahrkamera oder die elektrische Heckklappe beinhalten. Gleiches gilt für optische Extras, wie etwa Chromteile oder die schmucken 19-Zoll-Alufelgen. Auf dem Gebrauchtmarkt findet sich am häufigsten die leicht gehobene Ausstattungslinie Style, die mit ein paar Optionspaketen aufgemöbelt ist. Etwas seltener stößt man auf Premium-Topmodelle wie unser Fotoauto oder die erst zum Facelift angebotene N-Line mit sportlichem Anstrich. Fast schon Raritäten sind dagegen sparsam konfigurierte Modelle mit Buchhalterausstattung.  © auto motor und sport

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.