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13.12.2012, 14:06 Uhr

Mercedes trennt sich von Motorsportchef Haug

Stuttgart (dpa) - Die Formel 1 verliert eines ihrer in Deutschland bekanntesten Gesichter. Nach einem der sportlich erfolglosesten Jahre seit langem muss Motorsportchef Norbert Haug bei Mercedes gehen - nach 22 Jahren.

"Leider konnten wir seit der Gründung unseres eigenen Formel-1-Werksteam seit 2010 unsere eigenen Erwartungen mit einem Sieg 2012 noch nicht erfüllen, aber die Weichen sind für Erfolge gestellt und das Team und unsere Fahrer werden alles geben, diese zu erreichen", erklärte Haug selbst. Kurz zuvor hatte "Sport Bild" bereits die Trennung vermeldet.

Der Vertrag mit Haug, der vor drei Wochen seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, wird zum Jahresende offiziell "in gegenseitigem Einvernehmen" aufgelöst, wie der schwäbische Autobauer mitteilte. "Norbert Haug war über 20 Jahre lang das Gesicht des Motosport-Engagements von Mercedes-Benz. Er hat für mich eine ganze Ära geprägt - und als Highlight die erfolgreiche Rückkehr der Silberpfeile in die Formel 1 verantwortet", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

"Seitdem ich im professionellen Motorsport aktiv war, gehörten Mercedes und Norbert Haug zusammen, insofern stellt dieser Schritt eine große Zäsur dar", fand Rekordweltmeister Michael Schumacher. "Wir haben lange Jahre gemeinsam verbracht, als sportliche Gegner und als Verbündete, und immer war er mit ganzem Herzen und vollem Einsatz dabei. Norbert lebte Motorsport, und sein Weggang wird sowohl in unserem Sport als auch in unserem Team eine große Lücke reißen."

Die Bilanz der Silberpfeile war trotz des spektakulären Comebacks von Schumacher seit 2010 alles andere als erfolgreich. Erst in diesem Jahr gewann Nico Rosberg in China den ersten Grand Prix für Mercedes seit der Silberpfeil-Rückkehr vor drei Jahren. Punktemäßig entwickelte sich die abgelaufene Saison zur schlechtesten seit 2010.

Auch deshalb hatte Schumacher am Ende wohl keine Energie mehr und beendete im Oktober endgültig seine Karriere. Da war der Umbruch bei Mercedes schon eingeleitet worden: Ex-Champion Lewis Hamilton wurde für viel Geld bei McLaren als Schumacher-Nachfolger losgeeist, Ex-Weltmeister Niki Lauda für den Aufsichtsrat gewonnen. "Ich hoffe, dass es mit den Silberpfeilen wieder bald so wie in China läuft", hatte Haug zum Saisonende noch geunkt. Für ihn ist beim Neuanfang nun aber kein Platz mehr. Auch in der DTM schnappte Markenrivale BMW den Schwaben gleich im ersten Jahr der Rückkehr den Titel weg.

Was nach außen hin durchaus überraschend kam, hatte sich intern wohl schon länger angedeutet, auch wenn sich Lauda selbst völlig verwundert zeigte. Der dreimalige Weltmeister sprach im Interview mit "Sky Sport News" von einer "Überraschung": "Mir persönlich tut es wahnsinnig leid. Ich habe immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihm gehabt und hätte sehr gerne mit Norbert weiter zusammengearbeitet. Nach dem Schock wissen wir noch nicht, wie das Problem gelöst wird. Norbert wird dem Team absolut fehlen, denn er war für den Mercedes-Motorsport alleine verantwortlich."

Der langjährige F1-Rennstallbesitzer Peter Sauber lobte seinen früheren Weggefährten: "Durch seinen Einsatz hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass Mercedes seit zwei Jahrzehnten permanent in der Formel 1 vertreten ist. Er hat die Interessen des Unternehmens auch in schwierigen Zeiten konsequent und positiv vertreten."

Der frühere Motorsport-Journalist Haug war seit dem 1. Oktober 1990 Sportchef bei Mercedes. "Diese Zeit hatte keine Sekunde ohne Leidenschaft für mich parat", sagte Haug nun. Sechs Formel-1-WM-Titel und 87 Grand-Prix-Siege rechnet Mercedes in seine Verantwortung - nur Rosbergs Rennsieg in China war indes ein reiner Silberpfeil-Sieg.

Im Deutschen Torenwagen Masters (DTM) gewann Mercedes unter Haugs Verantwortung 32 Titel. "Wir haben seit 1991 viel gewonnen und sehr viel erreicht, und mein Dank dafür gilt all meinen Kollegen", bilanzierte Haug, der auch von langjährigen Rivalen Respekt gezollt bekam. "Die erfolgreiche Motorsportgeschichte von Mercedes-Benz der jüngeren Vergangenheit ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Für seine Zukunft wünsche ich ihm alles Gute und vor allem Gesundheit", sagte BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt.

Trotz aller Formel-1-Erfolge vor allem zusammen mit McLaren zwischen 1995 und 2009 mit den drei WM-Titeln für Mika Häkkinen (1998 und 1999) und Hamilton (2008) - die letzte Etappe seit 2010 misslang vor allem in der Formel 1 völlig. Nach dem Kauf des Weltmeisterteams Brawn GP wurden die deutschen PS-Fans bitter enttäuscht. Ab 2013 soll nun wieder alles besser werden. Die Zeit von Schumacher und Haug ist dann aber endgültig vorbei.

Alle News vom: 13. Dezember 2012 Zur Übersicht: Sport

159 Meinungen zu "Mercedes trennt sich von Haug"

  • orgel38
    Sonntag, 16.12.2012, 12:07 Uhr
    Haug sein größter Fehler war,den""Hoffnungsträger""Schumacher ins Boot zu holen.Es war von Anfang an klar,dass er sich damit ein Eigentor schießt.
  • Salzconni
    Samstag, 15.12.2012, 14:50 Uhr
    Vielleicht sollte man anfangen Geld zurückzuzahlen, wenn bei der geleisteten Arbeit das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Jedenfalls in den Kreisen, in den sich Haug, Schumacher und co bewegen...
  • steiferast
    Samstag, 15.12.2012, 14:13 Uhr
    beim dtm-team kann schumi vielleicht sein nachfolger werden. aber solange lauda das sagen hat, holt der sich in der formel 1 absolute profis. warum wohl will ansonsten mercedes als haug formel-1 nachfolger den red bull-boß christian horner?
  • steiferast
    Samstag, 15.12.2012, 14:10 Uhr
    dtm - da kann nur der ralf schumacher gemeint sein. der ralf schumacher gewann jedenfallas mehr in der formel 1 als der "formel 1 gott" und offenbar fehlerlose nico rosberg. lauda weiß wies geht - der wird so manche auswechseln. und dem ist es auch egal, ob nico der liebling der deutschen presse ist. lauda sagt von sich selbst, dass er keine freunde hat - und das stört ihm keinesfalls. harte zeiten für den sunnyboy rosberg, falls der 2013 nicht spurt.
  • lukybitt
    Samstag, 15.12.2012, 13:49 Uhr
    Vielleicht werdet ihr lachen! ich würde mich nicht wundern wenn schumi sein Nachfolger werden würde.........
  • Strolchbuddy
    Samstag, 15.12.2012, 08:56 Uhr
    Die Mißgriffe in der F1 und DTM mit jeweils dem "Namen" Schumacher haben Mercedes nicht nur viel Geld gekostet, sondern Imageverluste eingebracht - da kann man noch soviel Optimismus für "das nächste Jahr" verbreiten, irgendwann ist Schluß.
  • steiferast
    Samstag, 15.12.2012, 08:33 Uhr
    mit lauda holte sich mercedes den brutalsten sanierer, der seine meinung ohne rücksicht auf verluste durchsetzt.
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