Zur mobilen Ansicht wechseln

15.02.2013, 21:49 Uhr

1200 Verletzte nach Meteoriten-Absturz am Ural

Moskau (dpa) - Steinschlag aus dem All: Beim verheerenden Absturz eines Meteoriten am russischen Uralgebirge sind etwa 1200 Menschen verletzt worden, darunter mehr als 200 Kinder.

Es ist damit die größte Katastrophe, die in den vergangenen Jahrhunderten von einem herabfallenden Himmelskörper verursacht wurde. Mit einem Tempo von 20 Kilometern in der Sekunde raste der Meteorit nach Angaben russischer Astronomen auf die Erde zu und explodierte in 30 bis 50 Kilometern Höhe.

Die meisten Verletzten seien von Scherben zersplitterter Scheiben getroffen worden, teilte das örtliche Gesundheitsministerium der Agentur Interfax zufolge mit. Der Meteorit war am Freitag gegen 9.23 Uhr Ortszeit (etwa 4.23 Uhr MEZ) in der etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region eingeschlagen. Die Millionenstadt Tscheljabinsk ist das Zentrum der Region, in der mindestens acht Städte betroffen waren.

Mehr als 40 Menschen müssten im Krankenhaus behandelt werden, zwei von ihnen seien schwer verletzt, hieß es. Durch eine massive Druckwelle seien unter anderem eine Eishalle und mehr als 3000 Häuser beschädigt worden. Angesichts von Temperaturen um die minus 20 Grad waren viele Menschen, deren Fenster zerbarsten, auf rasche Hilfe angewiesen.

Meteoriten

Meteoriten-Einschlag in Russland: Wie man kosmische Gefahr abwehrt. >

In ersten Schätzungen gingen die Behörden von einem Schaden von einer Milliarde Rubel aus, rund 25 Millionen Euro, wie Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch sagte. "Allein die Renovierung der Eishalle wird wohl 200 Millionen Rubel kosten", meinte der Politiker. Er brach eine Moskauer Dienstreise ab. "Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist es jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Scheiben ersetzt werden", sagte der Verwaltungschef.

Zerstört waren vor allem Dächer, Wände und Fensterscheiben. Atomanlagen seien aber nicht betroffen. Präsident Wladimir Putin ordnete schnelle Hilfe für die Verletzten an. Nach Behördenangaben waren 20 000 Angehörige des Zivilschutzes und sieben Flugzeuge in der Region im Einsatz.

Bei dem Meteoriten-Absturz über Russland sind nach Angaben der Bundesregierung keine Bundesbürger verletzt worden. >

Der Einschlag hat nach Angaben deutscher Weltraumexperten nichts mit dem Asteroiden "2012 DA14" zu tun, der am Freitagabend an der Erde vorbeirasen sollte. Flugbahn und Ort des Einschlags sprächen dagegen, sagte ein Sprecher der Europäischen Weltraumagentur Esa.

Augenzeugen berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Viele dachten demnach, ein Flugzeug sei explodiert. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Menschen, die panikartig ihre Häuser verließen und aus Schnittwunden bluteten. "Das war ein großer Feuerball, der dann runterfiel. Das Ganze dauerte ein paar Sekunden", sagte ein Bewohner der Region der Agentur Itar-Tass.

An der möglichen Absturzstelle am Ufer des Tschebarkul-Sees rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk entdeckten die Behörden nach eigenen Angaben einen etwa sechs Meter breiten Krater. Soldaten hätten den Bereich an dem zugefrorenen Gewässer abgesperrt, sagte Oberst Jaroslaw Roschtschupkin vom Zentralen Wehrbezirk. Einsatzkräfte berichteten von zahlreichen etwa einen Zentimeter großen Splittern in der Nähe.

Meteoriteneinschlag in Russland

Das sagen Experten zum Meteoriteneinschlag in Russland. >

Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow ordnete an, die Verlegung der Schwerverletzten nach Moskau zu prüfen. Putschkow kritisierte scharf, dass die Bewohner der Region von den Behörden nicht nach dem Meteoriteneinschlag per SMS informiert worden seien. "Der Verantwortliche wird entlassen", sagte der Minister.

Valeri Schuwalow von der Akademie der Wissenschaften vermutet, dass es sich um einen Meteoriten aus Nickel und Eisen handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen. Der Astronom Sergej Smirnow meinte, dass der Meteorit vor dem teilweisen Verglühen mehrere Tonnen schwer gewesen sei. Splitter könnten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen.

"Nach allem, was wir wissen, ging ein Meteorit mit einem Durchmesser von zwei bis vielleicht vier Metern nieder", sagte der Astronom Sergej Jasew. "Wegen seiner gigantischen Geschwindigkeit explodierte er in den oberen Schichten der Atmosphäre", meinte er.

Auch deutsche Forscher registrierten den Absturz des Meteoriten. "Es waren starke Signale. Man kann sie zeitlich zuordnen", sagte Gernot Hartmann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Angaben der Bundesregierung wurden bei dem Unglück keine Bundesbürger verletzt. Nach aktuellen Erkenntnissen gebe es in Deutschland auch "keine konkrete Gefährdung" durch solche Himmelskörper, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums.

Der Meteoritenabsturz von Tscheljabinsk erinnert an das "Tunguska-Ereignis" von 1908. Damals richtete ein explodierender Asteroid in Sibirien Schäden in einer riesigen Waldfläche an.

Alle News vom: 15. Februar 2013 Zur Übersicht: Nachrichten

1233 Meinungen zu "Meteoriten-Einschlag im Ural"

  • Donareiche
    Montag, 25.02.2013, 17:21 Uhr
    Ich wundere mich insgesamt bei der Häufigkeit ausgeblendeter Kommentare, dass hier überhaupt noch was übrig bleibt. Irgendwann bleibt der Bildschirm schwarz.
  • Liezzy
    Mittwoch, 20.02.2013, 13:02 Uhr
    *Seufz* Ich habe nicht gesagt, dass die Schöpfungslehre Unsinn ist (Du solltest es schon schaffen, die Beiträge richtig zuzuordnen!), sondern dass es für sie keine Indizien gibt.
  • Radfahrerin
    Mittwoch, 20.02.2013, 11:57 Uhr
    Meteoriten-Einschlag im Ural "Es ist damit die größte Katastrophe, die in den vergangenen Jahrhunderten von einem herabfallenden Himmelskörper verursacht wurde." Na, wenn dieses Ereignis den Rang der größten Katastrophe erhält, dann ist wirklich nicht viel passiert. Verletzte Menschen und Glasbruch - aber Katastrophe? Das Ding ist in 20km Höhe explodiert, der Schutzschild "Erdatmosphäre" hat prächtig funktioniert. Bisher wurden nur Krümel als Überreste gefunden. "Einschlag" scheint daher auch das falsche Wort zu sein.
  • Liezzy
    Mittwoch, 20.02.2013, 09:11 Uhr
    >>Ich sage nicht, im Gegensatz zu dir und anderen, daß eine Theorie die absolute Wahrheit ist.<< *Seufz* Sage ich auch nicht! Habe ich auch die ganze Zeit betont, aber Du WILLST (oder kannst?!) es einfach nicht verstehen.
  • Liezzy
    Dienstag, 19.02.2013, 16:16 Uhr
    >>Warum es sich entfernt? Was weiß ich. Dunkle Energie, die ja bekanntermassen der Gravitation, die ja wieder bekanntermassen, die schwächste aller Grundkräfte ist, entgegenwirkt. Wenn sich etwas von dir entfernt schließt du doch nicht gleich auf eine Explosion oder?<< Du hast Probleme mit der Evolutionstheorie, aber argumentierst mit dunkler Energie und "bekanntermaßen"? Sorry, aber an der Stelle können wir die Diskussion abbrechen, da ich Dich nicht mehr ernst nehmen kann.
Partnerangebote

Was wissen Sie über unseren Bundespräsidenten? >

Passagier filmt Notlandung in HeathrowVideo

BA-Maschine muss notlanden - Kampfjets eskortieren Maschine. >

Haschischraucher

Bundesländer prüfen eine einheitliche Cannabis-"Freigrenze". >

US-Pfadfinder

US-Pfadfinder nehmen künftig auch Schwule und Lesben auf. >


Internet Made in GermanyIhr GMX-Postfach ist grünGMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Meteorit bringt Verwüstung. Ural: 1.200 Menschen verletzt - 25 Millionen Euro Schaden.