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22.05.2012, 11:57 Uhr

"Europa braucht den Euro nicht": Sarrazin-Thesen spalten die Fachwelt

(mgb/jfi) - Steile Thesen sind das Spezialgebiet von Thilo Sarrazin. Nun legt der ehemalige Bundesbank-Vorstand und SPD-Politiker in seinem neuen Buch "Europa braucht den Euro nicht" nach: Indirekt vergleicht der Autor des Bestsellers "Deutschland schafft sich ab" auch Angela Merkel mit dem früheren DDR-Partei- und Staatschef Erich Honecker.

"Diejenigen, die jede Diskussion um den Euro oder einen Austritt Griechenlands mit einem 'Scheitern Europas' in Verbindung bringen, argumentieren letztlich wie Erich Honecker, der kurz vor dem Fall der Mauer sagte: 'Vorwärts immer, rückwärts nimmer'", wird aus Sarrazins Buch in der Online-Ausgabe der "tz" zitiert.

Und Sarrazin legt nach: Deutsche Politiker hätten mit ihrem "Wunschdenken" die Europäische Union in die Krise geführt. Zudem würde Deutschland hohe Kosten und Risiken eingehen, um mit dem Euro eine gemeinsame Währung zu verteidigen, die weder Wohlstand noch Beschäftigung dauerhaft erhöhe. Solche Feststellungen spalten nicht nur die Leserschaft, auch bei Fachleuten stoßen die Thesen des der ehemalige Bundesbank-Vorstandes auf ein geteiltes Echo.

Kritik von Experten

In der "Bild"-Zeitung kritisierte der Historiker Paul Nolte, Sarrazin spiele mit dem Feuer. "An Wirtschaft und Währung hängt die europäische Aussöhnung. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass es wieder Kriege gibt, wenn Europa zerfällt", sagte Nolte.

Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, Lars Feld, wies Sarrazins Kritik an den Euro-Rettungsschirmen zurück. "Die Rettungsschirme beruhigen die Finanzmärkte und helfen den Schuldenstaaten, die notwendigen Reformen auf den Weg zu bringen", sagte Feld. "Ohne Rettungsschirme wäre die Situation viel schlimmer." Dann hätte die Europäische Zentralbank den Schuldenstaaten noch mehr Geld bereitstellen müssen.

Zuspruch für Sarrazin

Unterstützung erhielt Sarrazin dagegen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Vorstandsmitglied Wim Kösters betonte, es sei eine Legende, dass der deutsche Außenhandel besonders von der Währungsunion profitiert habe. "Seit der Euro-Einführung 1999 ist der Außenhandel Deutschlands vor allem mit Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen. Dagegen ist der Handelsanteil mit Euro-Staaten leicht zurückgegangen", sagte Kösters der "Bild".

Der RWI-Vorstand unterstütze zugleich Sarrazins These, dass die Euro-Aufnahme Griechenlands ein Fehler gewesen sei. "Die damalige Bundesregierung hat 2001 wider besseren Wissens die Aufnahme der Griechen in den Euro unterstützt. Der Regierung Schröder war nämlich bekannt, dass die griechische Regierung viele Konjunktur- und Wachstumsdaten geschönt hatte, um besser dazustehen", erklärte Kösters.

Der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter gab Sarrazin recht, dass der Euro für die Demokratieentwicklung in Europa nicht notwendig sei. "Eine Währung hat nichts mit Demokratie zu tun. Es gab auch Jahrzehnte vor der Euro-Einführung stabile Demokratien in Europa", sagte Oberreuter der Zeitung. Zugleich habe es auch weit vor der Euro-Einführung eine Demokratie-Welle gegeben, beispielsweise in Osteuropa.

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2482 Meinungen zu "Hat Thilo Sarrazin Recht?"

  • Jogiru
    Freitag, 05.10.2012, 09:00 Uhr
    Thilo hatte immer recht mit dem was er sagte und publik gemacht hat, jedes Thema das er anschlug war ein wichtiges und ehrliches Thema, er sagte immer die Wahrheit darüber und wurde zu Unrecht verpönt, er ist und war dem Herzen der deutschen Bevölkerung so nah wie es kein anderer Politiker jemals erreichen wird. Thilo Sarrazin spricht dem deutschem Volk voll aus dem Herzen, beschönigt nichts und spricht die Wahrheit über das was deutsche hier in Deutschland ertragen müssen. Die Wahrheit will aber niemand hören oder gar begreifen, schon gar nicht unsere feigen Politiker.......
  • majestix12345
    Freitag, 05.10.2012, 08:14 Uhr
    Nach der Bundesstatistik über die schulischen Leistungen der Kinder in den Bundesländern liegen die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin am Ende. DAs wird mit dem hohen Anteil an Einwandererkindern begründet. Das bestätigt zumindest die Thesen seines ersten Buches. Und dass man in den Lissabonner und Maastricht-Verträgen eine Schuldenhaftung ausgeschlossen hat, kann jeder selbst nachlesen. Wenn man sich jetzt darüber hinweg setzt, weil die EXGoldmann & Sachs Manager Draghi, Baruso Junkcer, Monti usw. das für ihre Aktionäre einfordern, scheint Herr Sarrazin auch Recht zu haben, wenn er das als falsch einschätzt.
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