Das UN-Kinderhilfswerk ist angesichts der eskalierenden Gewalt im Nahen Osten alarmiert: Seit Ende Februar wurden mehr als 1.100 Kinder in der Region verletzt oder getötet.

Die Zahlen, die das UN-Kinderhilfswerk UNICEF veröffentlicht hat, sind erschreckend: Seit dem 28. Februar wurden bei den Angriffen im Nahen Osten mehr als 1.100 Kinder verletzt oder getötet. Die Organisation warnt vor einer "katastrophalen" Lage für Millionen von Minderjährigen in der gesamten Region.

Am schwersten betroffen ist nach UNICEF-Angaben der Iran mit 200 getöteten Kindern, gefolgt vom Libanon mit 91 Todesopfern. In Israel kamen vier Kinder ums Leben, in Kuwait eines. "Da die Gewalt eskaliert und sich ausbreitet, werden diese Zahlen wahrscheinlich noch steigen", heißt es im Statement des Kinderhilfswerks.

Besonders betroffen sind Kinder im Libanon

Besonders im Libanon sei die Lage alarmierend, so UNICEF. Dort seien 285.600 Kinder und Teenager von Angriffen betroffen und aus ihren Häusern vertrieben worden. Innerhalb von nur einer Woche starben 83 Minderjährige, weitere 254 wurden verletzt. "Diese Zahlen sind erschütternd", erklärt UNICEF-Regionaldirektor Edouard Beigbeder. "Sie verdeutlichen auf dramatische Weise, welch hohen Preis Kinder in diesem Konflikt zahlen."

Die Folgen für die betroffenen Minderjährigen sind gravierend: "Während die militärischen Angriffe im ganzen Land andauern, werden Kinder in alarmierendem Ausmaß getötet und verletzt, Familien fliehen aus Angst aus ihren Häusern, und Tausende Kinder schlafen in kalten und überfüllten Notunterkünften", sagt Beigbeder weiter.

Auch der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, äußert sich besorgt über die derzeitige Situation der Kinder im Libanon: "Gerade hören wir viel über Angriffe, Explosionen und steigende Benzinpreise", wird Schneider in einem Statement zitiert. "Doch das Leid der Kinder im Libanon und in der gesamten Region gerät dabei weitgehend aus dem Blick: Kinder, deren Alltag seit fast zwei Wochen von Bomben erschüttert wird. Kinder, die Angehörige verlieren – und mit jeder Explosion ein Stück Sicherheit."

UNICEF fordert Ende der Kampfhandlungen

Das Kinderhilfswerk richtet eindringliche Appelle an alle Konfliktparteien. UNICEF bekräftigt laut eigenen Angaben "die Forderung des UN-Generalsekretärs an die Konfliktparteien, die Kämpfe zu beenden und diplomatische Verhandlungen aufzunehmen".

Zudem müssten bei der Wahl der Kampfmittel "alle notwendigen Vorkehrungen" getroffen werden, "um Schäden für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten". Die Organisation betont: "Nichts rechtfertigt die Tötung und Verstümmelung von Kindern oder die Zerstörung und Beeinträchtigung lebenswichtiger Dienstleistungen, auf die Kinder angewiesen sind."

Millionen Kinder können nicht zur Schule

Neben den direkten Folgen auf die Gewalt leiden die Minderjährigen unter den weitreichenden Auswirkungen des Konflikts. Millionen von Kindern in der gesamten Region können aufgrund der Angriffe und unsicheren Lage nicht zur Schule gehen. Hunderttausende Menschen sind zudem vertrieben worden.

Ein großes Problem ist, dass vielerorts die zivile Infrastruktur, darunter Krankenhäuser und Schulen, aber auch Wasser- und Abwassersysteme, von Konfliktparteien "angegriffen, beschädigt oder zerstört" wurden, teil UNICEF im Statement mit.

Empfehlungen der Redaktion

Konkrete Hilfsmaßnahmen vor Ort

Trotz der schwierigen Bedingungen leisten die UNICEF-Teams vor Ort Nothilfe. Im Libanon kümmern sich mobile Gesundheitsteams darum, dass Menschen Medikamente und lebensrettende Impfungen erhalten. Die Teams sorgen außerdem für psychosoziale Unterstützung und den Schutz der Kinder durch Lernangebote. Zudem kümmern sich Kinderschutzteams um unbegleitete oder von ihren Familien getrennte Kinder. Im Gazastreifen behandeln die Helfenden mangelernährte Kinder, versorgen Familien mit Trinkwasser und unterstützen Gesundheitsstationen.

Der Appell von UNICEF ist eindeutig: "Die Kinder der Region – insgesamt 200 Millionen – zählen darauf, dass die Welt schnell handelt." (bearbeitet von cm)

Verwendete Quellen