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28.02.2013, 16:32 Uhr

Fremdfäkalien gegen Durchfall

Es klingt ziemlich unappetitlich: Fäkalien eines gesunden Spenders sollen schwer an Durchfall erkrankten Menschen helfen. Doch die Ekeltherapie zeigt verblüffende Wirkung

Beim Thema Bakterien denken die meisten erst einmal an fiese Krankheitserreger. Dabei lebt der Mensch mit vielen Mikrobenspezies in fruchtbarer Symbiose. Sie leben auf Haut und Schleimhäuten und vor allem auch im Darm. Die Winzlinge helfen bei der Verdauung und spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

"Wie wichtig sie für unser Wohlbefinden sind, merken die meisten erst, wenn die körpereigene Bakterienflora aus der Balance gerät", erklärt die Gastroenterologin Els van Nood im Gespräch mit NetDoktor. Vermehren sich die falschen Keime, kann es im Extremfall zu lebensbedrohlichen Darminfektionen kommen.

Sterbenskranke Patienten

Mit einem solchen schweren Fall hat der Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen Alexander Khortus vom Department of Medicine in Minnesota zu kämpfen. Eine seiner Patientinnen litt nach einer Antibiotikatherapie unter schwersten Durchfällen. Verursacher war der Darmkeim Clostridium dificile. Dieser hatte die durch die Medikamente angeschlagene Darmflora ganz einfach überrollt. Keine herkömmliche Therapie schien der Frau zu helfen, innerhalb von acht Monaten verlor sie rund 30 Kilo.

Khoruts entschied sich zu einer verzweifelten Maßnahme: Er verabreichte der Frau Fäkalien ihres Mannes. Bereits am nächsten Tag war der Durchfall verschwunden. Und er kehrte nicht mehr zurück.

Fäkalien über die Nase

Fäkale Transplantation nennt sich das Verfahren, bei dem eine gefilterte Lösung aus Kot über eine Sonde direkt in den Dünndarm geleitet wird. Bislang kannte die Literatur lediglich eindrucksvolle Beschreibungen von Einzelfällen der Therapie.

Nun haben Forscher der Universität Amsterdam die Wirkung der Behandlung anhand einer Studie mit insgesamt 42  Patienten untersucht. Alle litten unter einer wiederkehrenden Infektion mit Clostridium dificile.

13 von ihnen erhielt die Standardtherapie, bei der ein Antibiotikum verabreicht wurde. Weitere 13 bekamen ebenfalls das Antibiotikum sowie nach Abschluss der viertägigen Kur eine Darmspülung. Die übrigen wurden wie die zweite Gruppe behandelt, bekamen aber zusätzlich per Naseninfusion die Stuhlspende eines gesunden Freiwilligen verabreicht.

"Die Fäkaltherapie war der herkömmlichen derart überlegen, dass wir die Studie abbrechen mussten", berichtet Studienleiterin von Nood. "Wir konnten den übrigen Patienten diese wirksame Behandlungsmethode nicht vorenthalten."

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In der Tat war die Behandlung mit der Stuhllösung extrem erfolgreich: 13 der 16 Patienten waren bereits nach einer Infusionsrunde geheilt, bei den übrigen Dreien herrschte nach der zweiten Runde Ruhe im Gedärm. Nachdem auch die Teilnehmer der Kontrollgruppen behandelt worden waren, blieben die Durchfallattacken auch bei ihnen aus. "Es war verblüffend", sagt Nood.

Ausgetauschte Darmflora

Wie die Bakterientransplantation den Darm verändert, hat zuvor die amerikanische Fallstudie enthüllt: Alexander Khortus hatte vor dem Eingriff die Darmflora der schwerkranken Patientin analysiert. "Normale Bakterien existierten ganz einfach nicht in ihr", beschrieb er den Zustand der schwer kranken Frau in einem Gespräch mit der New York Times. "Sie war von allen möglichen Außenseitern befallen."

Die Idee, einen antibiotikageschädigten Darm mit freundlichen Bakterien zu besiedeln, ist nicht neu. Pillen mit entsprechenden Mikroben gibt es in jeder Apotheke. "Die Infusion mit Stuhl wirkt aber weit besser", sagt von Nood. Die Forscher vermuten, dass auch andere Bestandteile des Kots dazu beitragen, den Mikroben die Ansiedlung zu erleichtern.

Von Diabetes bis Depressionen

Nicht nur Opfer von hartnäckigen Clostridium dificile-Bakterien könnten von einer Darmfloraspende profitieren: Die Amsterdamer Forscher beobachteten auch, dass die Insulinresistenz der Diabetespatienten unter ihren Probanden sich verbesserte. "Offenbar hat die Darmflora auch hier einen entscheidenden Einfluss", glaubt von Nood.

Andere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass die Therapie auch bei chronischen Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa wirken kann, oder bei Reizdarm. Außerdem könnte das Bakterienzoo im Darm einen erheblichen Einfluss auf das Gewicht eines Menschen haben. "Man vermutet sogar einen Zusammenhang zwischen der Darmflora und Depressionen", berichtet Nood.

Terra incognita

Längst weiß man, dass der menschliche Körper zehnmal mehr Bakterien beherbergt als er Zellen besitzt. Sogar im Lungengewebe, das lange als steril galt, hat man verschiedene Arten gefunden. Welche das sind, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Was sie alles in unserem Körper bewirken, ist noch weitgehend unbekannt. Die Körperflora: eine Terra incognita - eine unbekannte Welt.

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Quelle: Quellen: Els van Nood: Duodenal Infusion of Donor Feces for Recurrent Clostridium difficile, N Engl J Med 2013; 368:407-415January 31, 2013DOI: 10.1056/NEJMoa1205037

Khoruts, Alexander : Changes in the Composition of the Human Fecal Microbiome After Bacteriotherapy for Recurrent Clostridium difficile-associated Diarrhea : Journal of Clinical Gastroenterology: May/June 2010 - Volume 44 - Issue 5 - pp 354-360, doi: 10.1

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8 Meinungen zu "Fremdfäkalien gegen Durchfall"

  • Wahlviech
    Samstag, 23.02.2013, 12:19 Uhr
    Stoffwechselrückstände von Bakterien werden wohl schon des längeren als Therapie eingesetzt. Ansonsten esse ich lieber Lakritz statt Fäkalien.
  • zeroschnuffi
    Donnerstag, 21.02.2013, 12:21 Uhr
    Wär mal interessant gewesen, wenn dort stehen würde, was sie schon alles probiert hatte. Das mit den Fremdfäkalien klingt eigentlich so nach Probiotika. Die hätt ich sicher zuerst probiert. So lange Durchfall ist natürlich schon heftig. Aber leider muß man auuch sagen, das einige Ärzte nicht so der Brüller sind, die schieben schnell alles auf Psychisch *seufz*
  • kommenundgehen
    Donnerstag, 21.02.2013, 08:32 Uhr
    Die Zahl jener Personen die unter Durchfall, Allergien und anderen Krankheiten leiden wird in den nächsten Jahren sprunghaft ansteigen. Die Menschen werden immer dümmer und glauben den Müll, den die Werbung verzapft. Augen trocknen aus, Darmflöra ist geschwächt, Haut trocknet aus, Nagelpilz usw. usw. Die Kinder sollen solange sie klein sind im Sand spielen, hin und wieder einmal richtig dreckig sein, aber nicht wegen jeder Kleinigkeit nach Hygieneartikel schreien die von der "Internationalen Ärztevereinigung" befürwortet wurden.
  • Hintergrund2
    Mittwoch, 20.02.2013, 17:25 Uhr
    @DJTequila Zu meinem Beitrag auf Seite 1/1 und zur Antwort auf ihren Beitrag auf Seite 1/3 Hatte den Artikel sehr wohl gelesen,aber in diesen 8 Monaten kam zu 99% kein Artzt und auch noch sonst keiner auf die Idee dieser Patientin einen Granatapfel anzubieten. Waren sicher immer medikamentöse Behandlungen und zu guter letzt verabreicht man dann Fremdfäkalien und die halfen,ha,ha.Möchte nicht diese Behandlung abwerten sondern nur erörtern,denn,wenn Fremdfäkalien helfen,dann auch mit Sicherheit auch ein Granatapfel.
  • DJTequila
    Mittwoch, 20.02.2013, 16:55 Uhr
    @x53Y59: ... jetzt weiß ich wohl auch, warum meine Hunde immer wieder mal einen Boller am Wegesrand fressen. :-P
  • DJTequila
    Mittwoch, 20.02.2013, 16:53 Uhr
    @ Hintergrund: Selten so einen Schwachsinn gelesen. Hast Du überhaupt mehr als die Schlagzeile gelesen ??? Die Frau hatte 8 Monate !!!! Ich wiederhole Aaaaaacht Moooonate lang nur Durchfall. Und Du kommst jetzt mit einem Apfel daher. Aber nun zum Thema: Die Überschrift lässt ja einen meinen. Die hätte jetzt Sch... essen müssen. Aber mit ner Sonde eine gefilterte Lösung direkt in den Darm hört sich doch wieder anders an. Angenehm ist es mit Sicherheit aber trotzdem nicht. Aber was will man machen, wenn die gesamten Darmbakterien ausgerottet wurden. Ist schon heftig, was alles so gibt.
  • x53Y59
    Mittwoch, 20.02.2013, 16:48 Uhr
    Ich hab mich schon als Kind immer gewundert, dass Schweine in der Scheiße wühlen und sich offensichtlich wohl fühlen. Für mich war klar, die haben eben keine Bildung. Wenn ich jetzt lese, dass Fremdfäkalien Durchfall heilen, dann muss ich sagen - von Schweinen kann mann noch lernen!
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