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15.02.2013, 09:48 Uhr

Der Fan als Investor: Fußball-Clubs locken mit dicken Zinsversprechen

Fußball-Anleihen versprechen üppige Zinsen. Die Fans reißen ihren Vereinen die Schmuckurkunden aus den Händen. Verbraucherschützer warnen vor Risiken: Die Entscheidung fällt auf dem Platz.

Frankfurt/Main (dpa) - Im Fußball ist alles möglich. Bis zu 6,75 Prozent Rendite zum Beispiel in Zeiten, in denen Verbraucher bei ihrer Bank kaum noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen. Ob in Hamburg oder auf Schalke, in Köln oder Kaiserslautern: Fußball-Vereine haben die Anleihe als Finanzierungsmodell entdeckt - und die Fans reißen sich förmlich um die aufwendig gestalteten Wertpapiere.

Fast 80 Millionen Euro sammelten Erst- und Zweitligisten seit 2011 auf diesem Weg ein. Emotionen über Fananleihen zu Geld zu machen, scheint lukrativ. Marktkenner warnen jedoch vor Risiken: Läuft es auf dem Platz nicht rund, kann das Folgen haben - auch für Anleger.

"Überwältigend! Sensationell! Die Betze-Anleihe des 1. FC Kaiserslautern kann nach einer Woche eine neue Rekordsumme vermelden: Von den 6 Millionen Euro Gesamt-Volumen der Betze-Anleihe wurden bisher schon mehr als 4,5 Millionen Euro gezeichnet", jubelte der Zweitligist Anfang dieser Woche. Garantierte Verzinsung: fünf Prozent jährlich bei sechseinhalb Jahren Laufzeit.

Die Erfahrung des FCK ist keine Ausnahme: Als der Hamburger SV pünktlich zum 125. Vereinsgeburtstag am 29. September 2012 eine Jubiläumsanleihe ("6 Prozent für die 23 von Morgen") mit 12,5 Millionen Euro Volumen präsentierte, dauerte es gerade einmal 17 Tage, bis diese ausverkauft war. Die Hamburger legten nach und boten weitere Schuldverschreibungen im Volumen von fünf Millionen Euro an. Der FC Schalke 04 sammelte mit seiner Anleihe ("Das königsblaue Wertpapier") 35 Millionen Euro ein, der 1. FC Köln mit seinem jüngsten Produkt ("Liebe verzinst sich") 10 Millionen Euro.

Was viele Anleger sich nicht bewusst machen: Im schlimmsten Fall ist ihr Geld futsch. "Fußball-Vereine sind Unternehmen und sie tragen unternehmerische Risiken. Als Gläubiger trägt man diese Risiken mit", erklärt Verbraucherschützer Niels Nauhauser aus Stuttgart. "Man muss das Risiko eines Totalverlusts tragen können und wollen."

Das Risiko ist real: Als erster Emittent einer Mittelstandsanleihe meldete im März 2012 der Windanlagenbauer Siag Schaaf Insolvenz an. Fan-Anleihen waren davon bislang noch nicht betroffen, obwohl zum Beispiel die Anhänger des nur noch drittklassigen FC Hansa Rostock zwischenzeitlich um ihr Geld zittern mussten - bis die Stadt mit einem Millionen-Hilfspaket die drohende Insolvenz abwendete.

Der hoch verschuldete Zweitligist 1. FC Köln machte aus seinen Beweggründen für eine Fan-Anleihe keinen Hehl: Der Verein brauche "starken Rückhalt, denn die wirtschaftliche Situation ist mit dem Abstieg nach der letzten Saison nicht einfacher geworden", schrieb das Präsidium an die Fans. "Die Zeichnung der FC-Anleihe 2012/2017 ist eure Chance, den neuen FC nachhaltig zu unterstützen." Die erste Kölner Anleihe aus dem Jahr 2005 sei komplett zurückgezahlt worden.

Der Ex-Meister aus Kaiserslautern strebt zurück in die 1. Liga, kann sich finanziell aber keine großen Sprünge erlauben. Die Anleihe ("Unsere Bank für die Zukunft") soll dem Verein "die notwendigen Mittel geben, um das Nachwuchsleistungszentrum des FCK wieder wettbewerbsfähig aufzustellen", schreibt die Vereinsführung.

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Der Erfolgsklub bleibt auch 2013 finanziell auf Rosen gebettet. >

Wer mehr wissen will, muss 125 Seiten Wertpapierprospekt wälzen. Dort ist unter dem Stichwort Risiken zu lesen, dass der Verein nicht ausschließen könne, "dass die in der Vergangenheit stets angestiegene Popularität des Fußballsports in Deutschland in der Zukunft wieder abnimmt" - schwer vorstellbar zwar angesichts einer Serie von zuletzt acht Spielzeiten mit Rekordumsätzen im deutschen Profifußball. Der 1. FCK weist aber auch darauf hin, dass ein Scheitern seines Projekts Wiederaufstieg und dauerhafte Zweitklassigkeit erhebliche finanzielle Löcher reißen würde. Zudem sei auch für die Saison 2012/13 "mit einem deutlich negativen Jahresergebnis" zu rechnen.

Viele Fußballfans dürften sich dadurch nicht vom Kauf einer Anleihe ihres Vereins abschrecken lassen. "Fans sind eine Gruppe, bei der es leichter ist, Geld einzusammeln", meint Verbraucherschützer Nauhauser. "Das sind in der Regel nicht so kritische Investoren, die gleich sauer sind, wenn es mal keine Rendite gibt." So mancher Fan dürfte die Geldanlage denn auch eher als Schenkung verstehen - und die Schmuckurkunde in den Partykeller hängen.

Alle News vom: 15. Februar 2013 Zur Übersicht: Finanzen

5 Meinungen zu "Wenn Fans Investoren werden"

  • Zirkel4Wahrheit
    Dienstag, 07.05.2013, 17:36 Uhr
    Wenn Fans zu Investoren werden,...dann schaltet sich auch hier leider wieder der Verstand aus . Hooligans united forever,run for the Zins and Zinseszins till the end of time .
  • zappaNo3
    Dienstag, 30.04.2013, 08:10 Uhr
    Hier fehlt das Beispiel Alemannia Aachen. Vor ein paar Jahren im Wahn mit Fananleihen Stadion gebaut, jetzt pleite. Ade Anleihe...
  • strathmann
    Dienstag, 16.04.2013, 13:32 Uhr
    Bei den Fans spielen ideelle Gesichtspunkte anscheinend eine entsprechende Rolle, sodaß man denen einen gewissen "Schwund" zumuten zu können glaubt. Wenn alle Zuschauer einer Veranstaltung auch eine Kaution für die Unversehrtheit des Stadions berappen müssten, wäre sicher vielen weit mehr geholfen.
  • lautern19oo
    Dienstag, 16.04.2013, 11:02 Uhr
    Ich habe auch 2 Stück a 100 Euro gekauft.werde diese aber weder zerschneiden (zinscoupon müsste abgetrennt werden ) ,noch nach der laufzeit wieder abgeben.ich schenke meinem Verein sozusagen die Kohle plus Zinsen. Das war mir aber schon bei der Zeichnung klar.und das geht vielen so. !nur der fck !
  • Wahlviech
    Dienstag, 19.02.2013, 13:09 Uhr
    Wer Fans als Investoren braucht, der kalkuliert Verluste gleich mit ein. Fans nehmen ja so schnell nichts übel?
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